„Wer geht, verliert“

Erbitterter Kampf um Bauplätze: Junge Familien campen tagelang vor Rathaus im Schnee

Campen wegen Bauplätzen
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Fünf Tage und fünf Nächte campierten die jungen Bauland-Anwärter in Gutenzell-Hürbel vor dem Rathaus.
  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
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Bauland ist bei jungen Familien heiß begehrt. In einer Gemeinde bei Biberach gingen die Bauplatz-Anwärter so weit, dass sie tagelang vor dem Rathaus campten, um einen von 20 Plätzen zu ergattern.

Gutenzell-Hürbel - Viele junge Familien in Baden-Württemberg hegen den großen Traum vom Eigenheim. Besonders begehrt sind Neubaugebiete. In der Gemeinde Gutenzell-Hürbel im Kreis Biberach kam es nun zu skurrilen Szenen: Als dort 20 Bauplätze vergeben wurden, campten zahlreiche junge Familien fünf Tage und fünf Nächte vor dem Rathaus im Schnee.

Häufig herrscht im Kampf um begehrten Wohnraum oder Bauplätze das Motto „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“. So auch in der 1.900-Einwohner-Gemeinde Gutenzell-Hürbel. Da die Nachfrage nach den Bauplätzen dort die Anzahl der verfügbaren Plätze überbot, verfuhr man nach dem sogenannten Windhundverfahren, wie der SWR berichtet. Wer zuerst kam, erhielt Bauland. Einige der jungen Menschen kommen von hier, sind tief im Ort verwurzelt und möchten nicht weg - die Bauplätze sind hier vergleichsweise günstig.

Bauplätze in Gutenzell-Hürbel: „Wer geht, verliert“

„Vor dem Rathaus in Gutenzell-Hürbel galt es, den Platz in der Warteschlange ohne Pause zu besetzen - direkt nach der Veröffentlichung auf der Gemeinde-Homepage“, berichtet eine SWR-Reporterin in einem Video. Dazu Szenen, in denen junge Menschen eingemummelt in einem Zelt liegen, während es draußen heftig schneit. Das Motto: „Wer geht, verliert.“ Schlafsäcke, Heizdecken und Feldbetten machen das Ausharren etwas erträglicher.

Unterstützung bekommen haben die Bauplatz-Kämpfer von Freunden, Familien und dem Sportverein. „Alle halfen mit, ein Camp einzurichten, brachten Verpflegung und lösten ab“, berichtet der SWR. Offenbar hatten einige Mitleid mit den Wartenden. Die Gemeinde kontrollierte die Corona-Regeln.

Windhundverfahren: Es hätte auch Alternativen gegeben

Aber wieso mutet eine Gemeinde den Anwärtern auf Bauplätze so viel zu? Alternativen wären ein Losverfahren, Versteigerung oder ein Punktesystem nach sozialen Kriterien gewesen. Um „keine Diskriminierung und Chancengleichheit für alle sowie Rechtssicherheit“ zu gewährleisten, habe man sich am Ende doch für das Windhundverfahren entschieden, heißt es von der Bürgermeisterin.

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