Meinungsvideo geht viral

Barkeeper wütet gegen Russen und wird gefeuert - „bekomme Drohbriefe“

Kündigungsschreiben von Igor Golod
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Nachdem der in Baden-Württemberg lebende Ukrainer Igor Golod auf Instagram seine Meinung über Russland kundtat, feuerte ihn sein Arbeitgeber, das „Rizzi“-Restaurant in Baden-Baden.
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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Weil er den Einmarsch der Russen in die Ukraine bei Instagram kritisierte, wurde ein Barkeeper in Baden-Baden entlassen. Davon erfuhr sogar der ukrainische Außenminister.

Baden-Baden - Der Krieg in der Ukraine beschäftigt die Menschen weltweit. Auch in Baden-Württemberg* gehen die Menschen auf die Straße und protestieren gegen den Einmarsch Russlands. Im Südwesten versammelten sich zuletzt Zehntausende, um ihre Solidarität mit der Ukraine zum Ausdruck zu bringen*. In Stuttgart sorgte der „Massenstrom“ von Ukraine-Flüchtlingen bereits für Chaos*.

Auch in den sozialen Medien wird das Thema heiß diskutiert. Ein Video auf Instagram löste nun jedoch eine Kettenreaktion aus, mit welcher der Verfasser wohl niemals gerechnet hätte. Igor Golod filmte sich selbst beim Joggen und sprach dabei über den Ukraine-Russland-Konflikt. Die knapp zwei Minuten sollten eine „Botschaft an die Russen“ sein, so der Barkeeper.

In seinem Wohnort Baden-Baden sei es zwar ruhig, doch in großen Städten sollten Russen aufpassen. Dort könnten sie verprügelt werden, sagt er und wettert anschließend über den Krieg. Doch seine Videobotschaft, in der sich der 51-Jährige offenbar den Frust und Ärger von der Seele reden wollte, verbreitete sich schnell im Netz - und hatte letzten Endes eine ganz andere Wirkung, als gedacht: Sie kostete ihn seinen Job. Sieben Jahre lang arbeitete Igor Golod im Luxusrestaurant „Rizzi“ in Baden-Baden. Nun steht der Familienvater vor dem Nichts.

Nach Meinungsvideo auf Instagram: Restaurant in Baden-Baden feuert Barkeeper

Bei russischen Gästen ist das Restaurant sehr beliebt. Offenbar ist Igor Golods Video daher ein Problem. Als sein Arbeitgeber von dem Video erfuhr, feuerte ihn der Geschäftsführer. Auf seinem Facebook-Profil teilte Igor Golods ein Foto seines Kündigungsschreibens. Dort heißt es unter anderem: „Leider sehen wir uns zu diesem Schritt aufgrund der von Ihnen ausgehenden gravierenden Rufschädigung gezwungen.“ Auf der Homepage äußerte sich das Restaurant zur Entscheidung. Man verurteile jede Form von „Rassismus“, das Video habe berechtigterweise bei vielen „für Empörung und Unverständnis gesorgt“, so das Unternehmen.

Das „Rizzi“ in Baden-Baden äußerte sich auf Facebook zur Kündigung von Barkeeper Igor Golod.

Igor Golod fühlt sich missverstanden und diskriminiert. „Ich habe meine private Meinung in den sozialen Medien gesagt. Ich habe das Recht, mein Land zu unterstützen. Ich bin kein Rassist“, sagt er im Interview mit dem Spiegel. „Es betrifft mich und meine Familie direkt, verstehen Sie. Ich war emotional.“ Auch Stuttgarter reagierten auf den Angriff Russlands auf die Ukraine geschockt*.

Das Restaurant-Management begründet die Entlassung des Barkeepers jedoch nicht allein mit dem Video und Igor Golods Äußerungen darin. Bereits vor der Veröffentlichung des Videos habe es Probleme mit dem Mitarbeiter gegeben, da dieser Gäste mehrmals aufgrund von deren Nationalität angeschnauzt haben soll. Er sei mehrmals deswegen ermahnt worden. Das Video setzte dem Ganzen dann wohl nur noch die Krone auf.

Geschichte von Igor Golod erreicht ukrainischen Außenminister

In den sozialen Medien löste die Geschichte des gefeuerten Barkeepers einen wahren Shitstorm aus - sowohl gegen das Restaurant, als auch gegen Igor Golod. Wie der Spiegel berichtet, forderten User dazu auf, das Restaurant mit Molotowcocktails zu bewerfen. Die Betreiber schalteten daraufhin die Facebookseite des „Rizzi“ ab. Auch der ehemalige Barkeeper hat mit den Nachwirkungen seines Videos zu kämpfen. „Meine Frau wurde bereits angegriffen, ich bekomme Drohbriefe“, berichtet er gegenüber ntv.

Nicht nur in den traditionellen Medien und auf Social Media zieht die Geschichte des gefeuerten ukrainischen Barkeepers weite Kreise. Sogar in der Ukraine selbst ist sie Gesprächsthema. Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba erfuhr davon und äußerte sich in einem ausführlichen Facebook-Post zum Vorfall. Er griff das Restaurant scharf an und verurteilte das Vorgehen des Geschäftsführers. „Mein Signal an alle Putin-Unterstützer in Deutschland und anderen Ländern - ihr seid genau wie russische Flugzeugpiloten, die ukrainische Zivilisten töten“, schrieb er. Er habe sich bereits mit dem Konsulat sowie juristisch beraten. Man wolle Igor Golod zur Seite stehen und „die legitimen Interessen des ukrainischen Arbeiters schützen“.

„Der ukrainische Staat wird nicht zulassen, dass jemand seine Bürger verletzt. Weder in der Ukraine, noch im Ausland. Wir im Außenministerium werden hart auf Fälle von Respektlosigkeit reagieren“, so Dmytro Kuleba weiter. In Baden-Württemberg gibt es zahlreiche Hilfsangebote für geflüchtete Ukrainer. Auch Unternehmen lassen sich besondere Aktionen einfallen, um etwa Spenden zu sammeln. Eine Bäckerei in Holzgerlingen verkaufte neben klassischen „Berlinern“ auch „Ukrainer“*. BW24 hat eine Übersicht zusammengestellt, wie und wo man in Baden-Württemberg für die Kriegsflüchtlinge spenden kann*. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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