Pfullendorf im Kreis Sigmaringen

Nach tragischem Tod einer 8-Jährigen: Seebad wehrt sich gegen ungeheuerliche Vorwürfe

  • Anna-Lena Schüchtle
    vonAnna-Lena Schüchtle
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Knapp anderthalb Wochen ist es her, dass ein achtjähriges Mädchen im Seepark Linzgau im Kreis Sigmaringen zu Tode kam. Der Betreiber sieht sich jetzt mit schweren Vorwürfen aus sozialen Netzwerken konfrontiert und reagiert mit einer Stellungnahme.

  • An einem Strandbad in Pfullendorf im Kreis Sigmaringen verstarb vor etwa anderthalb Wochen ein achtjähriges Mädchen.
  • Der Betreiber des Seeparks Linzgau äußert sich nun in einer Mitteilung zu schweren Vorwürfen aus dem Netz, er und sein Personal hätten fahrlässig gehandelt.
  • Darin schildert er den genauen Unfallhergang, der etwas anders klingt als in der Meldung der Polizei.

Pfullendorf/Sigmaringen - Nach dem tragischen Badeunfall am Samstag vor knapp anderthalb Wochen steht Pfullendorf im Kreis Sigmaringen noch immer unter Schock. Ein achtjähriges Mädchen war im Strandbad im Seepark Linzgau zu Tode, gekommen nachdem sein Verschwinden zuvor minutenlang unbemerkt geblieben war. Das Kind war wohl in tiefere Gewässer vorgedrungen und in dem schnell abfallenden Badesee untergegangen.

Laut Angaben der Polizei Ravensburg eilten anwesende Badegäste zur Hilfe und versuchten, das Mädchen zu reanimieren, nachdem sie es aus dem Wasser gezogen hatten. Die Bemühungen des alarmierten Rettungsdiensts sowie des kurz darauf mit einem Rettungshubschrauber eingeflogenen Notarzts blieben jedoch erfolglos.

Badeunfall in Pfullendorf: Das Verschwinden der Achtjährigen blieb minutenlang unbemerkt - Badbetreiber sieht sich mit schweren Vorwürfen konfrontiert

Eine 8-Jähriger ertrank an einem Badesee in Pfullendorf (Kreis Sigmaringen)

Nicht nur die Stadt Pfullendorf sowie der Betreiber des Strandbads scheinen sich seitdem auf Ursachenforschung zu begeben. Auf Social Media sah sich der Seepark Linzgau laut einer Pressemitteilung des Badbetreibers sowie des Bürgermeisters vielen „negativen Äußerungen“ ausgesetzt, die dem Betreiber fahrlässiges Verhalten vorwerfen. In einer Google-Rezension heißt es etwa: „Was ist das für ein Park ohne Rettungsschwimmer? Ein achtjähriges Kind stirbt und wurde von Passanten gerettet. Was ein Dreckspark“.

Im Seepark können Besucher unter anderem auch Wasserskifahren. Ein Gast schreibt bei Google: „Meine Freundin und ich waren vor zwei Wochen Wasserskifahren, es gab dort keine Anzeichen von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) oder dergleichen. Nicht mal Überwachungskameras, kein Rettungsschwimmer weit und breit zu sehen. [...] Ich hoffe der Seepark wird bis auf Weiteres geschlossen“.

Wie es in der Pressemitteilung von Bürgermeister Thomas Kugler und Betriebsleiter Jörg-Arne Bias heißt, soll neben den negativen Kommentaren auf Social Media zudem eine Email eingegangen sein, in der ein Beobachter des Badeunfalls dem Seepark Linzgau „schlechtes Notfallmanagement“ vorwirft. Auch würde der eingesetzten Badeaufsicht fehlerhaftes Verhalten vorgeworfen werden.

Die Vorwürfe auf Social Media und in der Email nahm der Betreiber des Seeparks Linzgau zum Anlass, „den Hergang dieser unfassbaren Tragödie nochmals“ aus seiner Sicht zu schildern. Er erklärt, dass ein Großteil der Kritik dem angeblichen Umstand gilt, dass „die Rettung und Bergung der Achtjährigen“ durch „zufällig anwesende Passanten beziehungsweise Badegäste“ erfolgt sei. Dieser Eindruck entsteht tatsächlich beim Lesen der Pressemitteilung der Polizei.

Durch Badegäste wurde das Mädchen geborgen, an Land gebracht und unmittelbar die Reanimation eingeleitet. Diese wurde nach Eintreffen des sofort alarmierten Rettungsdienstes samt Notarzt fortgesetzt.

Mitteilung Polizeipräsidiums Ravensburg vom 25.07.2020

Laut Stellungsnahme des Badbetreibers sei das Rettungspersonal vor Ort jedoch von der ersten Sekunde an im Einsatz gewesen und habe „dessen Aufgaben professionell erfüllt“. Zum Zeitpunkt des Unfalls seien zwei Rettungsschwimmer vor Ort gewesen, die sofort auf die alarmierenden Rufe reagiert hätten. Aufgrund der Trübung im Wasser musste der Rettungstaucher eine leichte Tauchausrüstung holen, drei Minuten nach der Alarmierung sei er im Wasser gewesen, weitere 30 Sekunden später habe er das Kind im tiefen Wasser geborgen.

Daraufhin seien von zwei Badegästen Wiederbelebungsmaßnahmen eingeleitet worden - bei den beiden handelte es sich um zufällig anwesende Ärzte. Nachdem das Betriebspersonal die Rettungsleitstelle alarmiert habe, sei bereits kurze Zeit später die Polizei und kurz darauf die Rettungskräfte an der Unfallstelle eingetroffen, die noch mehr als eine Stunde um das Leben des Kindes kämpften, ehe sie nur noch den Tod feststellten konnten.

Badeunfälle in Baden-Württemberg: Fahrlässigkeit kann lebensgefährlich sein

Sommerzeit ist Badezeit. Aufgrund der Corona-Pandemie sind Freibäder derzeit jedoch nur limitiert zugänglich - Gäste müssen sich teilweise schon Tage vorher ein Ticket sichern. Umso mehr Menschen zieht es daher an Badeseen, die jedoch gerade bei Temperaturen von weit mehr als 30 Grad völlig überfüllt sind. Wer sich dem Trubel nicht aussetzen möchte, sucht unter Umständen andere Badestellen, die jedoch häufig nicht ausgeschrieben sind. Das kann aufgrund von Strudeln, Untiefen oder auch Krankheitserregern jedoch lebensgefährlich sein.

Nur wenige Tage nach dem tragischen Unglück am Strandbad in Pfullendorf, wurde der Kreis Sigmaringen Schauplatz eines weiteren Badeunfalls. Ein 25 Jahre alter Schwimmer in der Donau bekam in der Flussmitte Probleme und ging unter. Für den Mann kam jede Hilfe zu spät. Ebenfalls in der Donau ereignete sich Anfang Juli ein tragischer Badeunfall im Alb-Donau-Kreis, bei dem ein 30 Jahre alter Mann während eines Jungesellenabschieds zu Tode kam. Er war während einer Bootstour verschwunden und konnte nach einer umfangreichen Suchaktion nur noch tot geborgen werden.

Rubriklistenbild: © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

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