Gesundheitsgefahr für Schwimmer

EU warnt: Beliebter Badesee in Baden-Württemberg ist mit Fäkalien verseucht

  • Marleen van de Camp
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Dank der Corona-Lockerungen in Baden-Württemberg kann die Badesaison beginnen. Ein Badesee in der Region sollte wegen Verseuchung mit Fäkalien jedoch besser gemieden werden.

  • Dank der Corona-Lockerungen in Baden-Württemberg kann die Badesaison 2020 beginnen.
  • Die EU hat für einen Bericht die Wasserqualität von 312 Seen und Flüssen in der Region geprüft.
  • Ein Badesee in Baden-Württemberg fiel durch - er ist mit Fäkalien verseucht.

Stuttgart – Wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg hatten viele befürchtet, dass die Badesaison in diesem Jahr ausfallen muss (BW24* berichtete). Doch gerade rechtzeitig zum Sommerbeginn erlässt Baden-Württemberg heiß ersehnte Corona-Lockerungen*. Ab dem kommenden Wochenende dürfen Freibäder und Badeseen im ganzen Bundesland wieder öffnen.

Ebenso rechtzeitig kommt der Bericht zur Wasserqualität der Europäischen Umweltagentur. Die gute Nachricht: Von den 312 untersuchten Seen und Flüssen in Baden-Württemberg schnitten fast alle exzellent ab. Die schlechte Nachricht: Ein beliebter Badesee im Ortenaukreis ist so stark mit Fäkalien verseucht, dass er wegen Gesundheitsgefahr für Schwimmer geschlossen werden musste.

Badesee in Baden-Württemberg mit Fäkalien versucht: Gesundheitsgefahr in Kehl

Bei dem Bad Boy unter den Badeseen von Baden-Württemberg handelt es sich um den Goldscheuer Badesee in Kehl. Dort fanden Prüfer des Gesundheitsamts Fäkalbakterien, die bei Menschen Krankheiten verursachen können. Der beliebte Badesee im Ortenaukreis ist offenbar bereits seit 2018 wegen Gesundheitsgefahr gesperrt.

Zumindest wurde er auf Antrag des Ortsvorstehers von Kehl-Goldscheuer im Jahr 2018 mindestens fünfmal geprüft, wie aus einem Bericht des Stadtanzeigers Ortenau hervorgeht. Jedes Mal hielt die Behörde an der Sperrung des Sees fest. In dem Bericht heißt es unter anderem, bei den Untersuchungen der Wasserqualität sei immer wieder eine überdurchschnittlich große Menge von Fäkalien im Goldscheuer-Badesee festgestellt worden. 

Badesee in Baden-Württemberg: Badestege am Goldscheuer-See „massiv verkotet“

Auch für die Badesaison 2020 dürfte der Goldscheuer Badesee wohl gesperrt bleiben. Die Verursacher der unappetitlichen Situation sind übrigens Graugänse, die sich am Ufer des Sees in Baden-Württemberg offenbar dauerhaft niedergelassen haben und dort ihre Fäkalien hinterlassen. Das Gesundheitsamt Ortenaukreis habe die Ortsverwaltung dafür gelobt, dass sie die Badestege entfernt hätte, „die immer massiv verkotet“ gewesen seien, schreibt der Stadtanzeiger Ortenau weiter. Man müsse jedoch abwarten, ob der Badesee von der EU weiter als mangelhaft eingestuft würde. Das ist offensichtlich nun mindestens zum dritten Mal in Folge geschehen. 

Graugänse am Ufer des verschmutzten Badesees in Kehl.

Badesee im Ortenaukreis einer von acht fäkalienversuchten Badeseen und Flüssen in Deutschland 

Der Badesee im Ortenaukreis ist zwar das einzige Gewässer in Baden-Württemberg, das wegen Fäkalien für die Badesaison 2020 gesperrt wurde. Insgesamt wurden von den 2.291 Badestellen, die in Deutschland auf ihre Wasserqualität untersucht wurden, aber acht als mangelhaft eingestuft und wegen Gesundheitsgefahr geschlossen, so die dpa.

Es seien dort zwei Keimarten gefunden worden, die bei Menschen Krankheiten verursachen können: Escherichia coli und intestinale Enterokokken. Die anderen sieben mit Fäkalien verseuchten Badestellen waren der Klostersee Triefenstein in Nordbayern, zwei Badestellen am Südufer des Süßen Sees in Sachsen-Anhalt, die Spreelagune Lübben in Bandenburg, der Weserstrand von Sandstedt und der Nordseestrand bei Wremen in Niedersachsen, sowie die Elbe bei Brockdorf in Schleswig-Holstein. Eine interaktive Karte der Wasserqualität aller getesteten Badestellen in Europa findet sich auf der Website der Europäischen Umweltagentur.

Keine Lust auf Badeseen in Baden-Württemberg: Alternativen, um ohne Fäkalien nass zu werden

Die Daten zu den Fäkalien in Seen, Flüssen und an Strandabschnitten beziehen sich der dpa zufolge auf die Badesaison 2019. Darum sollten Menschen, die in einem öffentlichen Gewässer schwimmen wollen, sich zusätzlich bei den örtlichen Behörden informieren. Das Umweltbundesamt weist außerdem darauf hin, dass Schwimmen trotz Covid-19 vergleichsweise sicher ist, da die Übertragung des Coronavirus über das Wasser als „äußerst unwahrscheinlich“ gilt.

Da ein Mundschutz für das Schwimmen in einem Badesee ungeeignet ist, sollte im Wasser und an Land umso strenger auf den Mindestabstand geachtet werden. Das fällt vielen Besuchers schwer. Denn an einem Badesee im Kreis Heilbronn staunten Polizisten über einen dreisten Verstoß gegen das Kontaktverbot.

Wer in Baden-Württemberg lebt und lieber im Meer schwimmen möchte, kann mit einem ICE direkt von Stuttgart nach Rügen fahren.

*BW24 ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Benedikt Spether/dpa/picture alliance

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