Sichtungen im Schwarzwald

Wieder ein Wolf in Baden-Württemberg gesichtet - so solltet ihr euch bei einer Begegnung verhalten

Ein Wolf im Erlebnispark Tripsdrill in Cleebronn, Baden-Württemberg.
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Ein Wolf im Erlebnispark Tripsdrill in Cleebronn, Baden-Württemberg.
  • Marleen van de Camp
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In Baden-Württemberg siedelte sich 2017 ein Wolf an. Jetzt scheint ein zweiter dazu zu kommen. Die Tiere, die 150 Jahre lang als ausgerottet galten, sorgen für große Probleme im Schwarzwald.

  • In Baden-Württemberg siedelte sich 2017 ein Wolf an. Jetzt scheint ein zweiter dazu zu kommen.
  • Die Rückkehr der Wölfe, die in Deutschland 150 Jahre lang als ausgerottet galten, ist für Tierschützer und das Umweltministerium in Stuttgart ein Grund zur Freude.
  • Die Tiere sorgen jedoch für große Probleme im Schwarzwald. Das zeigt besonders ein Fall aus Bad-Wildbad.

Stuttgart/Schluchsee – Der Wolf galt in Deutschland 150 Jahre lang als ausgerottet - doch jetzt sind in Baden-Württemberg offenbar die Wölfe zurück. „Wir haben ca. 700 wildlebende Wölfe in Deutschland“, sagt Sabrina Reimann vom alternativen Wolf- und Bärenpark im Schwarzwald im Interview mit dem TV-Sender Neckar Fernsehen. Fast alle dieser Wölfe leben jedoch im Osten Deutschlands. In Baden-Württemberg lebte seit 2017 exakt ein einziger Wolf, wie eine Übersichtskarte des Naturschutzbunds Deutschland zeigt.

Dem schien ein im Jahr 2018 veröffentlichtes Video eines Wolfsrudels zu wiedersprechen, das angeblich im Enzkreis bei Pforzheim in Baden-Württemberg aufgezeichnet sein sollte. Schnell stellte sich jedoch heraus, dass das Video mit den Wölfen schon seit Monaten im Internet kursierte – jedes Mal in Verbindung mit einem anderen Ort. Das berichtet die Pforzheimer Zeitung unter Berufung auf zwei Experten zum Thema Wolf. Es bleibt also dabei: Im Schwarzwald wurde bisher ein wildlebender Wolf nachgewiesen. 

Wölfe in Baden-Württemberg: Hinweise auf zweiten Wolf im Schwarzwald gefunden

Dieser Wolf, bekannt unter dem amtlichen Kürzel GW852m, bekommt jetzt möglicherweise einen Mitbewohner im Schwarzwald. Wie das Umweltministerium in Stuttgart am 6. Mai mitteilte, tauchte im April in der Gemeinde Schluchsee in Baden-Württemberg ein zweiter Wolf auf – er wird unter der amtlichen Bezeichnung GW1129m geführt. Die Tiere werden anhand von Fell- und Kotspuren nachgewiesen und unterschieden. 

Der zweite Wolf  von Baden-Württemberg wurde bereits vor fünf Monaten erstmals im Schwarzwald nachgewiesen. Das Umweltministerium geht darum davon aus, dass das Tier sich hier „dauerhaft ansiedeln wird“, wie die dpa berichtet. Als dauerhaft angesiedelt gelten Wölfe jedoch erst, nachdem ihre Anwesenheit sechs Monate lang nachgewiesen wurde. Im Gegensatz zu dem Wolf GW852m, der in Bad-Wildbad in diesem Jahr auf einer Weide sieben Schafe getötet hatte, ist GW1129m, jedoch offenbar bisher nicht negativ aufgefallen.

Wolf reißt Schafe in Bad-Wildbad: Streit über Entschädigung mit dem Umweltministerium von Baden-Württemberg

Da Wölfe immer wieder Schafe und Ziegen reißen, sind von ihrer Ansiedelung in Baden-Württemberg nicht alle Menschen begeistert. Um Nutztierhalter zu schützen, bekommen sie in Schadensfällen eine finanzielle Entschädigung aus dem sogenannten „Ausgleichsfonds Wolf“.

Als im Januar 2020 die sieben Schafe in Bad Wildbad von einem Wolf gerissen wurden, weigerte sich das Umweltministerium des Landes Baden-Württemberg jedoch, dem Besitzer Schadensersatz zu zahlen – er habe die vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen nicht eingehalten, hieß es laut der dpa. Der Elektrozaun, der vom Land mitfinanziert wird, sei nicht geerdet und daher zum Herdenschutz vor Raubtieren wie dem Wolf ungeeignet gewesen. Der Schafshalter wies alle Schuld von sich – die Erdung habe aufgrund von „Reifbildung auf dem Zaun nicht funktioniert“. Doch das half nichts - das Ministerium in Stuttgart verweigert die Zahlung nach wie vor.

Expertin vom Wolf- und Bärenpark Schwarzwald: Wölfe sind für Menschen nicht gefährlich

Der FDP-Fraktionschef im Landtag von Baden-Württemberg, Hans-Ulrich Rülke, plädierte laut dpa dafür, Wölfe zum Schutz der Landwirte - zum Beispiel des Schafshalters aus Bad-Wildbad - gegebenenfalls abschießen zu lassen. 2006 wurde in Bayern der „Problembär“ Bruno erschossen. Geht es 2020 in Baden-Württemberg dem Problemwolf Wolfgang an den Kragen? Sabrina Reimann vom alternativen Wolf- und Bärenpark im Schwarzwald fordert die Politik auf, mehr in den Herdenschutz zu investieren. „Da sind manche Bundesländer – auch Baden-Württemberg – ziemlich hinterher“, sagt sie im Neckar Fernsehen.

Der Mensch brauche vor Wölfen grundsätzlich keine Angst zu haben, da die Tiere scheu sind. Im Fall einer Begegnung mit einem Wolf reiche es aus, auf sich aufmerksam zu machen. „Das Wildtier will mit uns nichts zu tun haben“, sagt die Expertin. „Es gibt so wenige Wölfe in Deutschland, dass man froh sein kann, wenn man mal einen zu Gesicht bekommt.“

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