Tiere kehren zurück nach Baden-Württemberg

Nach blutigem Fund bei Freiburg: Weiterer Wolf in der Region entdeckt

Ein Wolf leckt sich mit der Zunge über die Schnauze.
+
Wölfe sind für Menschen in der Regel harmlos und haben es vor allem auf Nutztiere abgesehen.
  • Sina Alonso Garcia
    vonSina Alonso Garcia
    schließen

In der Nähe von Freiburg wurde kürzlich ein totes Schaf gefunden. Nach der Analyse des Kadavers steht jetzt fest: Hinter dem tödlichen Biss steckt ein bislang noch unbekannter Wolf.

Update vom 3. Dezember, 15:50 Uhr: Bei dem Ende November in Merzhausen im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald gerissenen Schaf (siehe Erstmeldung weiter unten) ist nun eindeutig ein Wolf durch die Gen-Analyse als Angreifer identifiziert worden. Das teilte eine Sprecherin des Umweltministeriums am Donnerstag der Deutschen Presseagentur (dpa) mit. Es habe sich jedoch nicht um einen der beiden im Schwarzwald lebenden Wölfe gehandelt, sondern ein bislang unbekanntes Tier. „Ob sich der Wolf noch im Schwarzwald aufhält oder weitergezogen ist, lässt sich nicht sagen“, hieß es.

Erstmeldung vom 26. November: Merzhausen - Die Wölfe breiten sich in ganz Deutschland aus und erobern sich ihren natürlichen Lebensraum zurück. Rund tausend Wölfe soll es mittlerweile wieder bundesweit geben. Immer wieder deuten Spuren in verschiedenen Regionen auf neue Artgenossen hin. Oft verrät ihr Appetit die scheuen Raubtiere: Erst kürzlich hinterließ ein Wolf aus dem Neckar-Odenwald-Kreis eine blutige Spur. Er ist einer der bislang acht nachgewiesenen Wölfe in Baden-Württemberg. Nun könnte ein Schafriss in Merzhausen bei Freiburg abermals auf einen Wolf hinweisen.

Bei dem getöteten Schaf handelte es sich um das kleinste seiner Herde. „Ihm wurde die Kehle durchgebissen und dann wurde es 20 Meter bergauf geschleift“, berichtete der Besitzer der Badischen Zeitung. Ein Vorderlauf sei herausgerissen und abgenagt worden. „Ein Schaf in dem Alter wiegt 45 bis 50 Kilo. Das Tier, das es gerissen hat, muss groß sein“, so der Besitzer weiter. „Von dem, was es sich herausgevespert hat, würde ich sagen, dass es ein ziemlich hungriges Tier war.“

War es ein Wolf? Der Jäger hatte es auf die ganze Schafsherde abgesehen

Der Jäger kam wohl in der Nacht oder den frühen Morgenstunden. Möglicherweise hat er versucht, weitere Schafe zu schnappen. Die knapp ein Dutzend große Herde habe am Morgen nach dem Überfall komplett aufgeschreckt gewirkt, sagte der Besitzer. Überall habe Wolle herumgelegen und die „Schafe haben die Zäune niedergerannt und sie in alle Richtungen verteilt“. Wegen Vorfällen wie diesen fürchten viele Landwirte um ihre Nutztiere. Nach einer erneuten Wolf-Sichtung in Baden-Württemberg warnten deshalb bereits Jäger.

Experten analysieren derzeit, ob ein Wolf oder ein Hund in Merzhausen das jüngste Schaf der Herde getötet hat. Der Besitzer hält einen Hund seiner Erfahrung nach eher für unwahrscheinlich: „Vor 15 Jahren habe ich erlebt, dass ein Schäferhund ein kleines Schaf gerissen hat. Aber er hat es damals nicht aufgefressen.“ Dass ein Hund ein Schaf auf diese Weise verspeist, sei ihm unbekannt.

Wolf oder Hund - wer war der Angreifer?

Nun liegt der Fall in den Händen der Forstlichen Versuchsanstalt Baden-Württemberg (FVA). Sie wird herausfinden, wer für den Schafriss verantwortlich war. Der aktuelle Stand ist, dass es sich um einen großen Hund oder Wolf handeln muss. Zunächst wandert der Kadaver aber ins Veterinäramt in Freiburg, wo er genauer untersucht wird.

Bis zu drei Wochen können vergehen, bis das Ergebnis feststeht. Felix Böcker, der bei der FVA in der Wolfsbeobachtung arbeitet, verweist im Gespräch mit der Badischen Zeitung darauf, dass „Hunde oft unterschätzt werden, was das Töten von Nutztieren anbelangt“. Das passiere sehr häufig. „Wir können aber auch einen Wolf bisher nicht ausschließen.“

Im Schwarzwald sind derzeit zwei Wölfe bekannt, die sich dort niedergelassen haben. Immer wieder gibt es in Baden-Württemberg Spuren auf die Ansiedlung neuer Artgenossen. Das Umweltministerium Baden-Württemberg versucht, auf die langsam wachsende Population vorbereitet zu sein.

Da die Wölfe eine Bedrohung für Weidetiere darstellen, sucht das Ministerium aktuell nach Lösungen, wie sich Vertreter aus der Landwirtschaft vor Angriffen auf Herden- und Weidetiere schützen können. Infrage kommt hierfür zum Beispiel die Anschaffung von Zäunen, die vom Land gefördert wird.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare