Gesünder und nachhaltiger

In Tübinger Schulen soll es für Schüler nur noch einmal pro Woche Fleisch geben

Schüler des Immanuel-Kant-Gymnasiums essen in Leinfelden-Echterdingen (Baden-Württemberg) in der Mensa der Schule.
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Neuerung an Tübingens Schulen: Die Mensen bieten künftig nur noch einmal pro Woche Fleisch an (Symbolbild).
  • Valentin Betz
    VonValentin Betz
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Schulmensen sind nicht gerade für gesunde und nachhaltige Ernährung bekannt. Tübingen ändert das jetzt - und streicht Fleisch an vier Tagen pro Woche vom Speiseplan.

Tübingen - Der Klimawandel und Nachhaltigkeit werden zusehends zu politischen Themen. Vor der Bundestagswahl spielt beides eine tragende Rolle, aber auch in Baden-Württemberg stehen die Aspekte auf der Agenda der Politik. In Tübingen ist die Umwelt schon lange Zeit wichtig, immerhin wird die Universitätsstadt vom Grünen-Politiker Boris Palmer regiert.

Der Oberbürgermeister fällt immer wieder überregional durch markante Standpunkte und Diskussionen auf. Dabei steht auch das Thema Nachhaltigkeit häufig im Zentrum. Zuletzt ging es in der Universitätsstadt wegen einer kommunalen Steuer auf Einwegprodukte heiß her. McDonald‘s verklagte Tübingen, weil der Plan verheerend für eine Fastfood-Filiale wäre.

Aktuell geht es in Tübingen wieder um das Thema Nachhaltigkeit und Klimawandel - auch McDonald‘s dürfte die Neuigkeit wenig erfreuen. Wie der SWR berichtet, soll es in den Mensen der Schulen in Tübingen künftig nur noch einmal wöchentlich Fleisch geben.

Tübingen: Stadt suchte mit neuen Kriterien nach Lieferant für Schulmensen

Grundsätzlich ist die Idee nichts Neues und wird schon lange kontrovers diskutiert. Bereits im Bundestagswahlkampf 2013 forderten die Grünen einen „Veggie-Day“ in deutschen Kantinen - und wurden dafür hart kritisiert und mit schlechten Ergebnissen abgestraft. Inzwischen hat sich aber im Bereich vegetarischer und veganer Ernährung viel getan und der Klimawandel ist als Thema präsenter geworden.

Tübingen nahm deshalb die Suche nach einem neuen Lieferanten für die Schulmensen der Stadt zum Anlass, Veränderungen einzuführen. Die Anforderungen berücksichtigten nicht nur Preis, Bio-Anteile und ein Probeessen, sondern auch die CO2-Bilanz und den Wasserverbrauch der angebotenen Nahrungsmittel. Darüber hinaus sollten das Mittagessen in den Schulmensen auch gesünder werden.

Schulen in Tübingen: Mensen bieten künftig nur noch einmal pro Woche Fleisch an

Die Wahl fiel letztlich auf ein Unternehmen aus Stuttgart, das bereits Kindertagesstätten und einige Schulmensen in Tübingen beliefert hat. Die Stadtverwaltung erklärt gegenüber dem SWR, dass die neuen Speisepläne an Schulen den CO2-Einsatz und Wasserverbrauch um mehr als 50 Prozent reduzieren. Damit trägt die neue Verpflegung dazu bei, das Ziel der Klimaneutralität Tübingens bis 2030 zu erreichen.

Allerdings lässt Tübingen an Schulmensen nicht nur Fleisch hauptsächlich weg, auch insgesamt werde das Essen gesünder, so die Stadtverwaltung. Das ist auch ohne Fleisch sehr gut möglich. Es gibt zum Beispiel viele gesunde Lebensmittel wie Fisch und Quinoa, die viel Protein liefern. Trotzdem will sich die Stadt Tübingen zweimal pro Jahr das Feedback der Schüler anhören und darauf reagieren.

Mit dem neuen Angebot an Schulmensen in Tübingen richtet sich die Stadt auch nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. „Der Beitrag der Ernährung an den Treibhausgasemissionen liegt weltweit bei 25 bis 30 Prozent“, schreiben die Experten der Gesellschaft. Sie empfehlen maximal einmal pro Woche Fleisch oder Wurst - auch wegen der Gesundheit. Denn zu viel davon fördert „die Konzentration bestimmter Blutfette“, zudem begünstige rotes Fleisch „die Entstehung von Darmkrebs“.

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