Archäologen erstaunt

3.800 Jahre alter Fund bei Tübingen weist auf überraschend weit entwickelte Zivilisation hin

  • Valentin Betz
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Bei Archäologie denken viele wohl an das alte Ägypten. Doch auch in Baden-Württemberg finden Grabungen statt. Forscher der Uni Tübingen haben jetzt eine erstaunliche Entdeckung gemacht.

Tübingen - Egal ob Römer, Ägypter oder Azteken: Archäologie und Ausgrabungen finden in den Köpfen der meisten weit entfernt von Deutschland statt. Dabei machen Forscher selbst in Baden-Württemberg immer wieder spektakuläre Entdeckungen. Erst Ende vergangenen Jahres legten Experten in Tuttlingen einen fast 1.500 Jahre alten Sarg frei.

Die Funde der deutschen Archäologen sind dabei alles andere als öde und können durchaus mit dem „Fluch der Pharaonen“ mithalten, beispielsweise fanden Forscher im Kreis Konstanz menschliche Skelette unter einem Schulgebäude. In der Nähe von Tübingen haben Archäologen jetzt eine ganz besondere Grabbeigabe zutage gefördert, die neue Erkenntnisse über das Leben vor fast 4.000 Jahren ermöglicht.

Erstaunliche Entdeckung: Forscher finden bei Tübingen Kleinigkeit mit großer Bedeutung

Bereits seit 2019 erforscht die Universität Tübingen bei Ammerbuch ein Grabensystem eines jungsteinzeitlichen Dorfes, das wohl aus dem 53. Jahrhundert vor Christus stammt. Bislang war das Tal des Flusses Ammer bei Tübingen aber hauptsächlich als Fundplatz der ältesten Bandkeramik bekannt.

Besonderer Fund: Archäologen der Universität Tübingen haben eine 3.800 Jahre alte Spirale gefunden - der älteste Goldfund Baden-Württembergs.

Aus dem Tal der Ammer, eines kleinen Zuflusses des Oberen Neckars, sind seit längerem Fundplätze der Ältesten Bandkeramik bekannt. Wie die Deutsche Presseagentur berichtet, hat die Universität Tübingen dort jetzt einen weiteren Rekordfund gemacht. Bereits im Herbst 2020 bargen die Archäologen eine kleine Spirale aus einem Frauengrab. Die Spirale ist aber keineswegs aus Keramik, sondern aus Gold.

Ältester Fund Baden-Württembergs: Forscher machen erstaunliche Enteckung in einem Grab

Wie die Universität Tübingen und das Landesamt für Denkmalpflege bekannt gaben, ist diese Entdeckung gleich in mehrfacher Hinsicht erstaunlich. Die Forscher datieren die Spirale aus der Bronzezeit auf ein Alter von 3.800 Jahren. Damit ist die Grabbeigabe, die vermutlich als Haarschmuck gedient hat, der bislang älteste Goldfund in Baden-Württemberg.

Der Wert der Spirale gibt den Forschern Aufschluss auf den vermutlich hohen sozialen Status der in Ammerbuch begrabenen Frau. Doch nicht allein das Material begeistert die Archäologen der Universität Tübingen. Weil das Gold wahrscheinlich aus Cornwall im Südwesten Englands stammt, sei die Spirale ein „ungewöhnlich frühes Zeugnis“ weitreichender Kontakte für solche Luxusobjekte.

Damit ist der Fund aus dem Frauengrab ein wichtiges Puzzlestück bei der Mission der Forscher: Mit den Grabungen in Ammerbuch wollen sie die Besiedlungsgeschichte im Oberen Neckar- und Ammertal modellhaft für ganz Mitteleuropa rekonstruieren.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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