Elektromobilität im Ländle

Heimlicher Pionier? Baden-Württemberger fuhr bereits viele Jahre vor Tesla ein E-Auto

Ein Passant wundert sich am Donnerstag (27.08.1998) über einen seltenen Elektrowagen in der Hamburger Innnenstadt.
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Das erste Elektro-Dreirad der Marke Twike wurde bereits 1995 gebaut.
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Ein Hobbybastler aus dem Kreis Emmendingen fährt schon seit 1995 mit einem E-Auto - lange vor Tesla und Co. Kommen die wahren E-Auto-Pioniere aus Baden-Württemberg?

Emmendingen - Die Fahrzeughersteller weltweit setzen in der letzten Zeit verstärkt auf die Elektromobilität. Die Porsche AG fährt damit bereits sehr gut. Ihr erster vollelektrischer Sportwagen, der Taycan, ist inzwischen das meistverkaufte Fahrzeug des beliebten Herstellers aus Stuttgart und schlägt damit sogar den 911. Die Daimler AG hat die Entwicklung nach Meinung von Experten dagegen verschlafen und hinkt bei der Produktion von E-Autos der Konkurrenz hinterher. Ein neues Milliardenprogramm der Bundesregierung könnte die Produktion von E-Autos jedoch befeuern.

Allgemeinhin gilt der Autobauer Tesla jedoch als Pionier der Elektromobilität. Der Konzern wurde im Juli 2003 in Palo Alto im Silicon Valley (USA) gegründet und wird auch als größter Konkurrent der Daimler AG bezeichnet. Im Kreis Emmendingen in Baden-Württemberg gibt es jedoch eine Handvoll Menschen, die schon viel früher mit elektrischen Fahrzeugen fuhren, wie die Badische Zeitung (BZ) berichtet.

Elektromobilität: Baden-Württemberger fährt seit über 20 Jahren ein solarbetriebenes Dreirad

Zu den Pionieren der Elektromobilität im Kreis Emmendingen gehört dem Bericht zufolge auch Oskar Kreuz. Er habe sein erstes Gefährt auf Solarbasis von Solararchitekt Rolf Disch aus Freiburg bekommen, sagte er der BZ. Dafür habe es jedoch noch keine Zulassung gegeben. Daraufhin kaufte Kreuz ein solarbetriebenes Dreirad, eine Ape, die von einem Physiker aus Überlingen (Bodenseekreis) gebaut worden war. Das war im Jahr 1998 und damit fünf Jahre vor der Gründung von Tesla. Die Ape sei fahrbereit gewesen und könne seit einer Prüfung beim TÜV auch auf öffentlichen Straßen zum Einsatz kommen, sagte Kreuz der BZ.

Eine Familie aus dem Kreis Emmendingen besitzt sogar ein noch älteres Elektro-Dreirad. Die Freiämter Familie von Stengel ist im Besitz eines Twike II aus der allerersten Serie, die 1995 produziert wurde, wie die BZ berichtet. Unter dem Namen Twike sind bislang fünf Modelle von Elektro-Dreirädern in kleiner Auflage produziert worden, das Twike 5 wurde 2019 vorgestellt. Von dem Twike II wurden im Jahr 1995 nur 190 Stück produziert, die Familie von Stengel besitzt laut BZ das Modell Nummer 117. Inzwischen hat das Dreirad rund 100.000 Kilometer auf dem Buckel, so Wolfram von Stengel. Das elektrische Dreirad schaffe eine Höchstgeschwindigkeit von 85 Kilometer pro Stunde und habe eine Reichweite von 280 Kilometern.

Elektromobilität: Eigenhändige Umbauten im Kreis Emmendingen

Im baden-württembergischen Kreis Emmendingen sind nicht nur Fahrzeuge zu finden, die bereits lange vor Tesla mit der Elektromobilität fuhren sondern auch ein Online-Shop für Bastler und eigenhändige Umbauten. Die promovierte Elektrotechnikerin Hanna Brummack habe eigenhändig einen Fiat 126 in ein Elektroauto umgebaut, wie die BZ berichtet. Daneben habe sie auch zehn weitere Umbauten ihrer Kunden begleitet. In ihrem Online-Shop bietet sie dafür spezielle Komponenten an.

Hanna Brummack misst Fahrzeugen mit der Elektromobilität eine hohe Bedeutung zu. „Aber: Die Verkehrswende geht damit nicht“, sagte die Elektrotechnikerin aus dem Kreis Emmendingen in der BZ. Man solle jedoch in der Debatte die Alternativen zum Verbrennermotor nicht vergessen. Als Beispiel nennt Brummack den Wasserstoff-Antrieb. Auch die Daimler AG arbeitet an der fast vergessenen Alternative zum E-Auto und auch Porsche will eine längst vergessene Alternative zum E-Auto einführen.

Im Kreis Emmendingen gibt es also Menschen, die schon lange vor der Gründung von Tesla mit E-Autos fuhren. Die wirklich ersten Fahrzeuge mit der Elektromobilität sind jedoch noch mal deutlich älter. Bereits im Jahr 1899 stellte der Belgier Camille Jenatzy mit einem selbst gebauten Elektroauto den damaligen Geschwindigkeitsrekord von 105 km/h auf, wie das PT-Magazin berichtet. Im Jahr 1901 baute die Fahrzeugfabrik Eisenach (Thüringen) elektrisch betriebene Kleinlastwagen der Marke „Wartburg“ bereits in Serienfertigung, wie das Magazin weiter berichtet. Die wirklichen Pioniere der E-Mobilität stammen damit vielleicht nicht aus Baden-Württemberg, aber zumindest aus Deutschland.

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