Weniger Infektionen

Wegen Corona-Maßnahmen? Krankmeldungen in Baden-Württemberg auf Tiefstand

  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Die Corona-Maßnahmen beeinflussen das Leben in Baden-Württemberg täglich. Laut einer Analyse wirken die Regeln aber wohl nicht nur gegen das Coronavirus.

Stuttgart - Die Ausbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg (BW24* berichtete) läuft inzwischen deutlich langsamer als noch vor ein paar Wochen. Mehrere Landkreise haben inzwischen wieder eine 7-Tage-Inzidenz von unter 50 erreicht und auch die Landeshauptstadt Stuttgart* liegt unter der 70er-Marke. Die positive Entwicklung hängt vermutlich mit den drastischen Maßnahmen zusammen, die in den vergangenen Monaten in Kraft traten. Der bereits seit Dezember geltende Lockdown wurde im Januar bis zum 14. Februar verlängert* und auch die Maskenpflicht wurde erneut verschärft. Seit dem 25. Januar muss in den öffentlichen Verkehrsmitteln und beim Einkaufen eine medizinische Maske getragen werden*.

Die Maßnahmen zum Infektionsschutz* beeinflussen das Leben im Südwesten nun bereits seit einem Jahr. Viele wünschen sich ein baldiges Ende der Einschränkungen. Nach den immer mehr werdenden Entdeckungen von Corona-Mutationen in Baden-Württemberg* wird womöglich aber noch eine Weile dauern. Laut einer Analyse der Krankenkassen im Land könnten die Corona-Verordnungen nun auch zu einem deutlichen Rückgang von Krankmeldungen in Baden-Württemberg geführt haben, wie die Badische Zeitung berichtet.

Baden-Württemberg: Deutlich weniger Krankmeldungen im Jahr 2020

Die Kontaktbeschränkungen wurden in Baden-Württemberg in den vergangenen Wochen immer strenger. Aktuell darf man sich nur noch mit einer Person außerhalb des eigenen Haushalts treffen und auch die Ausgangssperre von 20 Uhr bis 5 Uhr dauert bereits seit Wochen an.

Laut einer Auswertung der Krankenkasse AOK gab es im vergangenen Jahr nun überraschend einen Rückgang von zwölf Prozent bei den Krankmeldungen der Arbeitnehmer in Baden-Württemberg im Vergleich zu den Jahren 2017 bis 2019, wie die Badische Zeitung berichtet. Dabei seien Infektionen der oberen Atemwege um 13 Prozent, Infektionen der unteren Atemwege sogar um 44 Prozent zurückgegangen. Insgesamt seien Erkältungen deutlich seltener diagnostiziert worden.

Viele Menschen arbeiten aktuell im Homeoffice - dadurch sinkt auch die Gefahr von Infektionen und Verletzungen.

Der Verdacht liegt nahe, dass die Kontaktbeschränkungen und die Hygieneregeln neben dem Coronavirus in Baden-Württemberg* auch andere Infektionskrankheiten verstärkt unterbunden haben. „Auch wenn wir es nicht kausal belegen können, spricht alles dafür, dass die AHA-L-Regeln neben dem Coronavirus auch andere typische Infektionskrankheiten an einer weiten Verbreitung gehindert haben“, sagte Johannes Bauernfeind, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg. Die Krankenkasse DAK kommt auf ähnliche Ergebnisse.

Laut der Analyse der DAK unter Berücksichtigung der Zahlen des Robert Koch-Institutes seien meldepflichtige Infektionskrankheiten in Baden-Württemberg im Jahr 2020 gegenüber dem Vorjahr um insgesamt 18 Prozent zurückgegangen – von rund 55.000 auf 45.000 Fälle. Meldepflichtig sind Krankheiten wie Masern, Windpocken, Tuberkulose, eine Norovirus-Infektion oder Grippe, berichtet die Badische Zeitung. „Der Rückgang der Infektionskrankheiten zeigt, dass die Hygienemaßnahmen teilweise die Übertragung anderer gefährlicher Krankheiten verhindern“, erklärte Siegfried Euerle, Landeschef der DAK-Gesundheit in Baden-Württemberg.

Baden-Württemberg: Auch andere Maßnahmen zeigen offenbar Wirkung

Neben den deutlich selteneren Fällen von Infektionskrankheiten im vergangenen Jahr zeigten die Corona-Maßnahmen wohl auch in anderen Bereichen Wirkung. Laut der AOK seien durch die Schließung von Freizeit- und Schulsportstätten Verletzungen an Knöchel und Fuß (minus 15 Prozent) sowie an Knie und Unterschenkel (minus 14 Prozent) im Jahr 2020 seltener aufgetreten. Auch die Zahlen der Grippekranken (minus 35 Prozent) sowie der Magen-Darm-Infektionen (minus 29 Prozent) liegen deutlich unter dem Schnitt der Vorjahre, wie die Badische Zeitung berichtet. *BW24 ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Monika Skolimowska/dpa

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