Wegen Corona-Pandemie

„Da kommt es geballt“: Baden-Württemberg erwartet großes Händlersterben - 6.000 Schließungen in zwei Jahren

  • Valentin Betz
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Das Coronavirus in Baden-Württemberg hat Unternehmen über alle Branchen hinweg belastet. Doch die tatsächlichen Auswirkungen könnten laut Experten erst im kommenden Jahr zu spüren sein.

Stuttgart - Das Coronavirus in Baden-Württemberg* hat das Leben der Menschen im Südwesten schon jetzt nachhaltig verändert. Die globale Pandemie berührt dabei nicht nur Einzelschicksale. Besonders für die Wirtschaft hat das Coronavirus in Baden-Württemberg fatale Folgen (BW24* berichtete). Im Südwesten steht im Zusammenhang mit den wirtschaftlichen Folgen meist die Automobilindustrie im Fokus. Bei Fahrzeugherstellern und Zulieferern sind bereits Werkschließungen und Stellenabbau im Gespräch.

Wirklich schlimm soll es aber erst nächstes Jahr kommen. Fachleute warnen vor einem großen Erwachen für Daimler, BMW & Co im Jahr 2021.* Dabei wird oft vergessen, dass die Wirtschaft in Stuttgart* nicht nur aus den großen Autokonzernen besteht. Bereits im Mai drohte den Innenstädten wegen des Coronavirus eine Einzelhandel-Apokalypse.* Der baden-württembergische Handelsverband hat dieses Schreckensszenario nun bestätigt und kommt zu derselben Prognose wie die Auto-Experten: Das große Sterben beginnt erst 2021.

Wegen Coronavirus geändertes Insolvenzrecht bewahrt Handel in Baden-Württemberg dieses Jahr vor Schließungen

In diesem Jahr konnten die Auswirkungen des Coronavirus in Baden-Württemberg laut baden-württembergischem Handelsverband noch durch eine geänderte Rechtslage abgefedert werden. „Da das Insolvenzrecht geändert worden ist, werden wir zum Jahresende kaum Insolvenzen sehen“, so Hauptgeschäftsführerin Sabine Hagmann zu den Stuttgarter Nachrichten (StN). „Das wird sich auf das kommende oder das übernächste Jahr verschieben – und da kommt es geballt.“

Der baden-württembergische Handelsverband rechnet wegen des Coronavirus mit bis zu 6.000 Insolvenzen in den nächsten zwei Jahren.

Der Handelsverband rechnet in den kommenden beiden Jahren mit rund 6.000 Geschäftsschließungen und Insolvenzen in Baden-Württemberg. Die Geschäftsführerin Sabine Hagmann nannte auch eine Branche, die besonders von den Auswirkungen des Coronavirus in Baden-Württemberg betroffen sein wird: Der Umsatz im Textilhandel sei in den ersten sieben Monaten des Jahres 2020 durchschnittlich um 30 Prozent gesunken.

Insolvenzen bei Händlern in Baden-Württemberg: Abgesagte Veranstaltungen und fehlende Impulskäufe

Der Umsatzeinbruch hängt damit zusammen, dass aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg Veranstaltungen wie beispielsweise Hochzeiten wegfielen. Die Textilbranche bekam das dadurch zu spüren, dass viele keinen Anlass mehr hatten, beispielsweise einen Anzug zu kaufen. „Das Homeoffice verstärkt den Effekt“, erklärte Sabine Hagmann den StN. Darunter leiden auch Juweliere und die Beauty-Branche. „Es gibt kein Weindorf, keine Feste, keine Konfirmation, keine Bälle. Und damit fehlt die Basis für Lustkäufe. Aber gerade diese Sparten leben und profitieren vom Impulskauf.“

Kurzum: Die Menschen gehen weniger aus dem Haus und noch seltener auf Einkaufsbummel. Der baden-württembergische Handelsverband sorgt sich deshalb besonders vor dem Jahresende 2020. „Vor Weihnachten haben wir einen Riesenrespekt, weil wir nicht wissen, was passiert“, so Sabine Hagmann zu den StN. „Wir können unsere Kunden gerade nicht einschätzen. Wir können nur hoffen und bitten, dass sie in die Innenstädte kommen und auch dort einkaufen und nicht nur im Netz, und dort eventuell nur bei internationalen Anbietern.“ (*BW24 ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks)

Rubriklistenbild: © dpa / Markus Scholz

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