1. bw24
  2. Baden-Württemberg

„Undenkbar, dass wir die Beziehungen fortsetzen“: Städte kappen Partnerschaften mit Russland

Erstellt:

Von: Nadja Pohr

Kommentare

Kundgebung für die Ukraine im Oberen Schlossgarten in Stuttgart
Überall in Baden-Württemberg bekundete man Solidarität mit der Ukraine. Darunter könnten die Partnerschaften mit Städten in Russland gelitten haben. © IMAGO/Tabea Guenzler/Eibner-Pressefoto

Mit Beginn des Ukraine-Kriegs beendeten einige baden-württembergische Städte ihre Russland-Partnerschaften. Die, die daran festhalten, haben kaum noch Kontakt.

Stuttgart - Seit dem Angriff auf die Ukraine gab es in Baden-Württemberg zahlreiche Solidaritätsaktionen, um Unterstützung für die Ukraine zu zeigen. Mittlerweile sind nach Schätzungen der Landesregierung mehr als 65.000 Ukrainer nach Baden-Württemberg geflohen und dort untergekommen.

Der Krieg hat das Leben der betroffenen Menschen von heute auf morgen verändert. Auch in Deutschland spürt man die Auswirkungen des russischen Angriffs: Lebensmittel-, Energie- und Rohstoffpreise steigen gewaltig an. Darüber hinaus ist die Beziehung zu Russland gebrochen. Nicht nur soll es laut der russischen Botschaft hierzulande immer häufiger zu Attacken auf Russen kommen, auch die Städtepartnerschaften zwischen Baden-Württemberg und dem Osten bröckeln gewaltig.

Stuttgart, Tübingen und Kornwestheim versuchen weiterhin Kontakt nach Russland zu halten

Während die meisten Städte in Baden-Württemberg ihre offiziellen Partnerschaften mit Russland mittlerweile beendet haben oder dies zumindest vorhaben, halten unter anderem Tübingen, Stuttgart und Kornwestheim weiter an diesen fest, wie die Stuttgarter Zeitung berichtet. Doch auch hier ist der Kontakt längst nicht mehr so intensiv wie früher. Eine Sprecherin der Stadt Kornwestheim berichtet, dass zwar regelmäßig Einladungen oder Grüße an die russische Partnerstadt Kimry gesendet werden, aber keine Reaktion darauf zurückkomme.

„Den Krieg führt der russische Staat, nicht die russischen Städte – und jede Städtepartnerschaft ist in ihrer Ausgestaltung einzigartig“, sagt der Städtetag Baden-Württemberg dazu. Dennoch zeigte beispielsweise die Bitte von Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) an den Bürgermeister der Partnerstadt Petrosawodsk, sich für die Beruhigung der Lage in der Ukraine einzusetzen, bisher keine Wirkung. Zumindest kann die Stadt Tübingen keine Aussage dazu tätigen.

Baden-württembergische Städte haben kein Vertrauen mehr zu russischen Partnern

Karlsruhe, Pforzheim und Ettlingen gehören zu den Städten, die ihre Partnerschaften in Russland aufgegeben haben. Zum einen, weil das Vertrauen fehlen würde. Zum anderen aber auch, da „ein Austausch über den Krieg in der Ukraine mit den russischen Partnern heikel ist, weil diese den Krieg als solchen in Russland gar nicht benennen dürfen“, erklärt Pforzheims Stadtsprecher. Für den Bürgermeister von Ettlingen sei es hingegen „undenkbar, dass wir die Beziehungen zu politischen Vertretern fortsetzen, die alle parteimäßig installiert sind.“

Viele Städte in Baden-Württemberg bevorzugen nun eine Partnerschaft mit Ortschaften in der Ukraine. Vor kurzem schloss Mannheim eine Städtepartnerschaft mit der ukrainischen Stadt Czernowitz, um sie so mit Hilfsmaßnahmen unterstützen zu können. Auch Stuttgart hat über eine Partnerschaft mit einer ukrainischen Stadt nachgedacht. „Jede weitere Partnerschaft, die den Menschen in der Ukraine hilft, begrüßen wir“, äußert der Städtetag.

Auch interessant

Kommentare