Schlachthöfe in Baden-Württemberg

Nach erschütternder Tierquälerei in Schlachtbetrieben: Regierung greift zu lächerlich harmloser Maßnahme

Schweine im Schlachthof Gärtringen im Landkreis Böblingen.
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Schlachthof in Gärtringen: Tierschützer decken grausame Szenen von Tierquälerei auf.
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Nach mehreren Skandalen wegen Tierquälereien in Schlachthöfen in Baden-Württemberg schaltet sich nun die Regierung ein. Unternehmen sollen Kameras in den Betrieben installieren - freiwillig.

Biberach - In den vergangenen Monaten deckten Tierschutzorganisationen wie die Soko Tierschutz aus München mehrere Skandale an Schlachthöfen in Baden-Württemberg auf. Heimlich gefilmte Aufnahmen aus dem Schlachthof in Gärtringen (Kreis Böblingen) zeigten schockierende Szenen und auch die Aufnahmen aus einem Betrieb im Kreis Waldshut machten fassungslos.

Das Landratsamt schloss den Schlachthof Gärtringen zumindest vorübergehend, den Tierschutzorganisationen gingen die Maßnahmen jedoch nicht weit genug. Vor wenigen Tagen rückte auch ein Familienbetrieb in Biberach wegen Tierquälereien in den Fokus der Organisationen.

Nach dem Bekanntwerden der Tierquälereien im Schlachthof in Biberach forderte die Soko Tierschutz den Rücktritt von Minister Peter Hauk (CDU). Auch die SPD sprach sich bereits für einen Rücktritt des Ministers für Ländlichen Raum Baden-Württemberg aus. Hauk stellte nun ein Maßnahmepaket vor, um sicherzustellen, dass der Tierschutz an Schlachthöfen im Land in Zukunft eingehalten wird, wie die Stuttgarter Zeitung (StZ) berichtete. Für die Opposition ist das jedoch nicht genug, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtete.

Baden-Württemberg: Kameras sollen zukünftig Tierquälerei vermeiden - Opposition ist skeptisch

Hauk will laut der StZ die Betreiber der Schlachthöfe in Baden-Württemberg dazu auffordern, Kameras zu installieren. Das müsse auf freiwilliger Basis geschehen, ein entsprechendes Gesetz sei mit der Verfassung nicht zu vereinbaren. Wer keine Kameras installieren will, muss das also auch weiterhin nicht tun. Und wird dementsprechend nicht überwacht.

Zudem sollen Amtstierärzte, die bislang schon bei jedem Schlachtvorgang anwesend sein sollen, spätestens alle drei Jahre den Betrieb wechseln. So soll vermieden werden, dass eine zu große persönliche Nähe zu einem Schlachthof entstehe, wie die Zeitung weiter berichtete.

Die Opposition kritisiert das Vorgehen der Regierung und wirft Hauk vor, im Falle der Schlachthöfe in Baden-Württemberg zu lange nichts unternommen zu werden. Laut Jonas Weber (SPD) seien die Probleme bereits seit 2018 bekannt, es sei bislang jedoch nichts unternommen worden. Er habe den Verdacht, dass der Minister die Maßnahmen lediglich vorstelle, um etwas vorweisen zu können, sagte Weber laut StZ weiter.

Baden-Württemberg: Nach Schlachthof-Skandalen - Geteilte Meinungen zu den Maßnahmen

Nach den Schlachthof-Skandalen in Baden-Württemberg kommen die Maßnahmen gegen die Betreiber für viele zu spät. Klaus Hoher von der FDP sieht in der Präsentation von Minister Hauk nur Lippenbekenntnisse. „Vor allem bei der Aufstockung des dringend benötigten Kontrollpersonals ist seit Jahren nichts passiert“, sagte er laut StZ. Auch Thekla Walker (Grüne) übt Kritik an den Maßnahmen. Die Beseitigung der bereits bekannten Mängel an den Schlachthöfen hätte sehr viel schneller durchgeführt werden müssen. Es sei erschreckend, dass die Ämter vor Ort offensichtlich nicht immer durchsetzen konnten, dass die Betriebe die Mängel beseitigen, sagte die Politikerin laut StZ.

Hauk kündigte an, sich mit den Betreibern der Schlachthöfe in Baden-Württemberg in Verbindung zu setzen und die Probleme zu erörtern, wie die StZ berichtete. Alle müssten einsehen, dass solche Zustände wie in Biberach eines Unternehmens unwürdig seien, sagte der Minister. Er sieht in Biberach das Problem beim persönlichen Versagen der Mitarbeiter. „So geht man nicht mit Tieren um“, sagte Hauk. „Meine Geduld ist erschöpft.“

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