Ermittlungen erfolglos

Qualvoll verblutet: Schütze schießt auf streng geschützten Luchs - und kommt ungestraft davon

  • Valentin Betz
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Ende Mai fand eine Spaziergängerin einen toten Luchs im Landkreis Waldshut-Tiengen. Das Tier starb durch einen Streifschuss.

Freiburg - Die Natur in Baden-Württemberg erobert sich zusehends ihre Wildheit zurück. Die Rückkehr des Wolfes gilt dafür als Paradebeispiel. Doch im Schatten des großen Raubtiers etablieren sich noch andere Arten im Südwesten. Einst ausgerottete Tierarten wie der Luchs werden in Baden-Württemberg wieder heimisch.

Leider stellt sich das Zusammenleben von Mensch und Tier in der Gegenwart aber komplizierter dar, als das vor 200 Jahren der Fall war. Damals verschwand der Luchs durch den Einsatz von Gift, Schlageisen und Gewehr aus Baden-Württemberg. Ein Gewehr war es wohl auch, das einem Luchs im Landkreis Waldshut-Tiengen im Schwarzwald zum Verhängnis wurde. Eine Spaziergängerin hatte die tote Raubkatze Ende Mai 2021 entdeckt. Die Polizei nahm Ermittlungen auf, konnte den Schützen aber bis heute nicht finden.

Luchs verendet qualvoll: Tier verblutet nach Streifschuss von unbekanntem Schützen

„Der Luchs ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit aufgrund eines Streifschusses mit Bleimunition nach außen verblutet“, erklärte die  Staatsanwaltschaft Waldshut-Tiengen laut Deutscher Presseagentur (dpa). Zunächst war die Todesursache der Raubkatze unklar gewesen, auch ein Zusammenstoß mit einem Fahrzeug kam infrage. Zwei winzige im Tierkörper aufgefundene Metallteile machten aber eine Schussverletzung zusehends wahrscheinlicher. Die pathologische Untersuchung ergab allerdings auch, dass der Luchs wohl kein im Südwesten sesshaftes Tier war. Das konnten Experten anhand des Fleckenmusters im Fell bestätigen. Der Luchs war etwa ein bis zwei Jahre alt, männlich und gesund.

Eine Spaziergängerin fand den Luchs in einem Waldstück im Landkreis Waldshut-Tiengen. Die Raubkatze war da wohl schon mehrere Tage tot.

Die Polizei ermittelte aufgrund der Schussverletzung wegen des Verdachts eines Vergehens gegen das Tierschutzgesetz und das Bundesnaturschutzgesetz. Nun wurde das Verfahren eingestellt, weil kein Schütze gefunden werden konnte. Der Luchs hat in der Natur Baden-Württembergs einen Sonderstatuts. Zwar gehört er laut Bundesjagdgesetz zu den jagdbaren Tierarten. Gleichzeitig hat er als vom Aussterben bedrohte und streng geschützte Art eine ganzjährige Schonzeit. Das verbietet de facto den Abschuss, ermöglicht aber im Gegenzug die Hege durch den Jäger.

Toter Luchs in Baden-Württemberg: Zivilisation wird für die Raubkatze zum Problem

Ein Fall wie im Schwarzwald ist bisher als Todesursache für einen Luchs trotzdem eher die Ausnahme. Weitaus problematischer ist für die Raubkatze der zunehmende Flächenverbrauch des Menschen und die Zersplitterung der Landschaft durch Autobahnen, Städte und intensiv genutzte landwirtschaftliche Flächen. Als Waldbewohner unternimmt der Luchs weite Wanderungen. Wenn eine Straße das Gebiet durchschneidet, wird er leicht Opfer des Verkehrs.

Luchse können durchaus eine stattliche Größe mit einer Schulterhöhe von 50 bis 60 Zentimetern erreichen. Damit sind sie nur unwesentlich kleiner als europäische Wölfe mit einer Schulterhöhe von 70 bis 80 Zentimetern.

Rubriklistenbild: © Jens Büttner

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