Karlsruhe und Baden-Baden

Baden-Württemberg: Längst vergessene Bedrohung aus den 90ern kehrt zurück - Schuld sind die hohen Temperaturen

Satellitenbilder des Ozonlochs über der Antarktis
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Ozon wird in Baden-Württemberg wieder zum Problem - hier ist das Ozonloch über der Antarktis zu sehen, aufgenommen am 2. Oktober 2015.
  • Anna-Lena Schüchtle
    vonAnna-Lena Schüchtle
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Umweltschutz ist ein Thema, das die Menschen nicht erst seit dem Klimawandel beschäftigt. In den 90er Jahren wurden die Menschen immer wieder von einer unsichtbaren Gefahr bedroht. Die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg meldete jedoch vergangene Woche aus zwei Städten bedenkliche Messwerte.

  • Der Klimawandel und die Corona-Pandemie beschäftigen die Menschen auf der ganzen Welt - eine andere unsichtbare Gefahr scheint dagegen in Vergessenheit geraten zu sein.
  • Eine zu hohe Ozonkonzentration ist schädlich für den Menschen - aus zwei Städten in Baden-Württemberg vermeldete die Landesanstalt für Umwelt nun jedoch bedenkliche Werte.
  • In der sogenannten Ozonschicht ist das Reizgas für den Menschen sehr nützlich - es wirkt als natürlicher Schutzschild.

Karlsruhe/Baden-Baden - In Zeiten von Klimawandel und der Corona-Pandemie scheinen andere Gefahrenquellen für Mensch und Umwelt beinahe in Vergessenheit geraten zu sein. Wer denkt beispielsweise noch regelmäßig über das sogenannte Ozon nach, das noch in den 90er Jahren einen hohen Stellenwert im Bewusstsein der Bevölkerung auch in Stuttgart und Baden-Württemberg eingenommen hat? Zu dieser Zeit stellte eine zu hohe Belastung mit dem Luftschadstoff je nach Wetterlage eine immer wiederkehrende Bedrohung dar.

Seitdem sinkt die Konzentration in der Luft jedoch und es kommt nur noch selten zu alarmierenden Fällen. Die sogenannte Informationsschwelle liegt bei 180 Mikrogramm pro Kubikmeter - ab diesem Wert wird die Bevölkerung mit Verhaltensempfehlungen informiert. Diese Schwelle wurde vergangene Woche sowohl an zwei Stellen in Karlsruhe (184 und 192 Mikrogramm pro Kubikmeter) als auch an einer Stelle in Baden-Baden (188 Mikrogramm pro Kubikmeter) überstiegen, wie die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) mitteilte.

Baden-Württemberg: Karlsruhe und Baden-Baden melden bedenkliche Ozonwerte

Bei Ozon handelt es sich um ein ein Reizgas, das bei großer Menge in der Luft schädlich für den Menschen sein und zu „Reizerscheinungen der Augen (Tränenreiz), Atemwegsbeschwerden ( Husten) und Kopfschmerzen“ führen kann, wie das Umwelt Bundesamt auf seiner Internetseite erklärt. In der Stratosphäre - also je nachdem, auf welchem Breitengrad man sich befindet in einer Höhe zwischen 15 und 50 Kilometern - ist Ozon für Mensch und Umwelt jedoch durchaus nützlich beziehungsweise sogar dringend notwendig.

Denn dort bildet es die sogenannte Ozonschicht, die wie eine Art natürliches Schutzschild das Durchdringen von UV-Strahlen verhindert. Diese können bei starker Belastung zu Hautkrebs führen. Durch vom Menschen produzierte Schadstoffe wurde diese Schicht mit der Zeit jedoch immer mehr ausgedünnt - es entstehen Ozonlöcher.

Auch das größte Ozonloch über dem Südpol erholt sich seit einigen Jahren jedoch wieder - vermutlich aufgrund global getroffener Maßnahmen wie dem Montreal-Protokoll, wobei sich Staaten auf der ganzen Welt dazu verpflichteten, die Herstellung von Produkten mit ozonschädlichen Fluorchlorkohlenwasserstoffen zu verbieten.

Im Gegensatz zu einer hohen Konzentration von Ozon in der Stratosphäre ist eine solche in Bodennähe für den Menschen jedoch äußerst schädlich. Begünstigt wird ein Anstieg der Ozon-Werte durch Abgase von Autos. Aus diesem Grund herrschte etwa am 12. August 1998 Ozonalarm, der sogar zu Fahrverboten für Autos ohne Katalysator führte. In Hessen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und in Baden-Württemberg meldete eine bestimmte Zahl an Messstationen Werte von mehr als 240 Mikrogramm Ozon pro Kubikmeter - dem sogenannten Alarmschwellenwert.

Besonders bei hohen Temperaturen wird die Bildung von dem Reizgas begünstigt, weshalb die Konzentration im Sommer eher ansteigt. Das erklärt auch, weshalb die Werte insbesondere in Karlsruhe und Baden-Baden vergangene Woche so hoch waren. Baden-Württemberg wird derzeit von mehreren Hitzewellen überrollt, die nicht nur die Gefahr von einer steigenden Ozonkonzentration mit sich bringen. In der Landeshauptstadt Stuttgart war es vergangene Woche beispielsweise heißer als in der Sahara. Neben den Ozonwerten haben auch die Feinstaubwerte mit dem Wetter zu tun.

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