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Rekord-Einnahmen in Millionenhöhe: Blitzer lassen die Landeskasse klingeln

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Von: Jason Blaschke

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Autos fahren an einer stationären Radarkontrolle vorbei (Symbolbild)
Bußgelder von Blitzern und Abstandsmessern haben der Staatskasse von Baden-Württemberg einen echten Geldsegen beschert (Symbolbild). © Marijan Murat/dpa

Blitzer und Abstandsmesser haben die Staatskasse von Baden-Württemberg 2021 ordentlich aufgebessert. Rund 35 Millionen Euro mehr stehen zur Verfügung.

Stuttgart - Mal ein paar km/h zu schnell unterwegs gewesen und schon ein paar Wochen später liegt ein Bußgeldbescheid mit Beweisfoto im Briefkasten – wer kennt das nicht? Fest steht, auf Baden-Württembergs Straßen mangelt es sicher nicht an Verkehrssündern. Das sagt zumindest die Bilanz der Bußgeld-Einnahmen aus. Rund 34,85 Millionen Euro haben die Blitzer und Abstandsmesser auf Baden-Württembergs Autobahnen im vergangenen Jahr eingebracht – rund 4,5 Millionen Euro mehr als im Vorjahr.

Das zeigen Zahlen des Regierungspräsidiums Karlsruhe, die den Stuttgarter Nachrichten (StN) vorliegen. Die satten Bußgeldeinnahmen in Millionenhöhe sind ein Rekord – kein größerer Betrag wurde im Laufe der vergangenen sechs Jahre eingenommen. Der 2021 erzielte Betrag erreicht so fast die Rekordsumme von rund 34,94 Millionen Euro, die das Land Baden-Württemberg* 2017 aus Blitzer- und Abstandsmesser-Bußgeldern eingenommen hatte.

Bußgeld-Rekord in Baden-Württemberg: ADAC vermutet drei Gründe für Einnahmen-Anstieg

Aber wie erklären sich die gewaltigen Mehreinnahmen? Eigentlich ist doch anzunehmen, dass die Menschen in der Coronavirus-Pandemie* eher weniger unterwegs waren – Stichwort Lockdown und Homeoffice. Der Automobilclub ADAC vermutet, dass trotz Corona die Mobilität im vergangenen Jahr wieder deutlich zugenommen habe. Dies wiederum habe dazu beigetragen, dass sich die Zahl der Verkehrsdelikte in Baden-Württemberg ebenfalls erhöht habe. Der ADAC äußert aber noch zwei Vermutungen.

JahrBußgeld-Einnahmen auf Autobahnen
202134,85 Millionen Euro
202030,35 Millionen Euro
201929,49 Millionen Euro
201829,21 Millionen Euro

Im Jahr 2021 habe es auch wieder viele Baustellen auf Autobahnen gegeben. „Und weil es sich im Fall von Baustellen um potenzielle Gefahrenzonen handelt, wird hier vermehrt geblitzt“, sagt ein ADAC-Sprecher auf Anfrage der StN dazu. Hinzu kommt, dass auch in Baden-Württemberg seit November 2021 der neue Bußgeldkatalog* in Kraft ist, über welchen echo24.de* informiert hatte. Und als Raser muss man seither tiefer in die Tasche greifen, wenn man die vorgeschriebene Geschwindigkeit nicht beherzigt.

Bußgeld-Rekord in BW: Ist neuer Bußgeldkatalog schuld? Expertin widerspricht

„Wer etwa außerorts 20 km/h zu schnell fährt, zahlt 60 Euro statt 30 Euro“, nennt der ADAC-Sprecher noch als Vermutung, weshalb die Bußgeld-Einnahmen in Baden-Württemberg* so stark angestiegen sind. Eine Vermutung, die das Regierungspräsidium Karlsruhe nicht teilt. Auf Anfrage der StN heißt es: „Mögliche Veränderungen aus der letzten Änderung des Bußgeldkataloges können derzeit noch nicht beurteilt werden.“ Und noch ein weiteres Argument spricht dafür, dass es nicht der Bußgeldkatalog war.

Das Regierungspräsidium Karlsruhe* enthüllt, dass die Einnahmen pro Verstoß im November und Dezember 2021 im Schnitt sogar gesunken waren. Im November waren es Berichten der StN zufolge 29,99 Euro pro Fall, im Dezember sogar nur 28,91 Euro. Und: Im August 2021 waren die Einnahmen pro Verstoß im Schnitt mit 31,49 Euro sogar noch niedriger. Ein Einfluss des Bußgeldkatalogs auf die Höhe der Einnahmen ist laut einer Sprecherin des Regierungspräsidiums erst ab Februar oder März erkennbar.

Bußgeld-Rekord in BW: Alles bloß fiese Abzocke? Das sagen die Facebook-User

Zudem betont ein Sprecher des Regierungspräsidiums noch, dass die Kontrollen nach unfallpräventiven und nicht nach monetären Gesichtspunkten erfolgen würden. Eine Aussage, die der ADAC wiederum nicht zu 100 Prozent stehen lassen kann. Um möglichen Vorwürfen der Abzocke entgegenzutreten, sei es wichtig, dass Geschwindigkeitsmessungen fair, korrekt sowie nachprüfbar seien. Eine Ansage, die sicher auch viele Betroffene teilen, die zumindest schon einmal ins Blitzlicht gekommen sind.

Die Reaktionen auf Facebook zum Thema Blitzer und Bußgelder überraschen deshalb nicht. Blitzer und 30er-Tafeln in Ortschaften seien eine echte Zumutung, textet ein User und ergänzt: „Das fördert doch bloß Verkehrsbehinderung, weil die Leute dann lieber einfach konstant 30 fahren, bevor sie ein 30er-Schild übersehen. Wie immer, nur Abzocke.“ Andere Facebook-Nutzer nehmen das Thema in Baden-Württemberg mit Humor. „The Länd will finanziert sein, blitzen für The Länd“, schreibt jemand.

Und wieder andere User nutzen die Diskussionen um Blitzer, um auf die Einhaltung der Tempolimits hinzuweisen. „Der neueste Trick ist, sich einfach an die angegebene Geschwindigkeit zu richten“, so ein Kommentar, der von der Facebook-Community dafür viel Zuspruch bekommt. „Ich habe es ausprobiert und Wahnsinn: Es funktioniert“, ergänzt der Mann noch. Die Ansichten der Menschen schwanken also genauso stark, wie die Einnahmen der Bußgelder in Baden-Württemberg. *BW24 und echo24.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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