Schnappschuss in Rastatt

Nach Sensationsfoto: Ist der Goldschakal in Gefahr? Schlimme Befürchtung macht die Runde

Ein Goldschakal steht in einem verschneiten Waldstück bei Rastatt, fotografiert von einer automatischen Fotofalle.
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Ein Goldschakal steht in einem verschneiten Waldstück bei Rastatt, fotografiert von einer automatischen Fotofalle. Foto: Fotofalle/ Landratsamt Rastatt/dpa
  • vonJulia Thielen
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Bei Rastatt in Baden-Württemberg freute man sich über ein echtes Sensationsfoto. Ein Goldschakal war abgelichtet worden. Doch nun sind Befürchtungen im Umlauf, dass dem seltenen Tier Gefahr droht.

Update, 2. Februar: Es muss wie der Sechser im Lotto gewesen sein, als Forstmitarbeiter einen Schnappschuss ihrer Fotofalle auswerteten. In einem Waldstück bei Raststatt in Baden-Württemberg war doch tatsächlich ein Goldschakal vor die Linse gelaufen und in voller Pracht im verschneiten Wald zu sehen. Doch kurz nach dem Sensationsfund sind nun schon schlimme Befürchtungen im Umlauf. Droht dem seltenen Tier etwa Gefahr?

„Hoffentlich wird ihm nichts angetan“ oder „die einzige Sensation ist, dass er noch lebt“ - so oder so ähnlich lauten zahlreiche Kommentare zu der Nachricht über die Sichtung des Goldschakals in Rastatt auf Facebook, wie echo24.de* berichtet. Die Sorge vieler ist offenbar, dass das Tier wie andere vermeintliche „Problemtiere“ vor ihm erschossen werden könnte. „Mal sehen , welcher Hobbyjäger das Tier erlegt“, lautet die offenbar sarkastische Aussage eines Lesers. Die Befürchtungen, dass das seltene Tier getötet wird, sind groß.

Sensationsfoto von Goldschakal: Droht seltenem Tier Gefahr? Schlimme Befürchtungen

Fakt ist: Zum „Problemtier“ wie es beispielsweise Wölfe oder Bären werden können, weil sie Menschen oder deren Nutzvieh zu nahe kommen, wird der Goldschakal sicher nicht. Denn das seltene Tier frisst wenn dann nur kleine andere Tiere wie Nagetiere, Fische, Insekten, Vögel oder Amphibien - manchmal lebt es sogar vegetarisch. Auch für den Menschen gilt der Goldschakal als völlig ungefährlich.

Auch die schlimme Befürchtung, dass Jagd auf den Goldschakal gemacht wird, lässt sich teilweise entkräften. Denn das seltene Tier ist eine geschützte Art. Es darf somit nicht gejagt werden. Auch, dass Wilderer dem Goldschakal an den Kragen wollen, ist eine Sorge, die nach dem Sensationsfund zum Ausdruck gebracht wird. Und diese ist leider offenbar nicht gänzlich unbegründet.

Goldschakal in Baden-Württemberg in Gefahr? Wilderei nicht ausgeschlossen

Schon im Jahr 2000 soll ein Goldschakal in der Lausitz unterwegs gewesen sein, dessen Existenz zum Schutz vor Wilderern sogar geheim gehalten worden sein soll. 2003 sei das Tier dann aber getötet in einer Kühltruhe eines Wilderers gefunden sein wollen. Das berichtete damals die Bild-Zeitung. Die Berliner Morgenpost allerdings erklärte, es habe sich nicht um einen Wilderer sondern um einen Förster gehandelt - er habe das Tier erschossen, weil es offenbar schwer angeschlagen war und nicht länger leiden sollte.

In wie weit der Goldschakal nun tatsächlich bedroht ist, lässt sich kaum sagen. Tatsächlich ist es aber nicht nur der Mensch, der dem seltenen Tier gefährlich werden kann. Auch vor seinem Verwandten, dem Wolf, sollte sich der Schakal in Acht nehmen. Er ist der größte natürliche Feind des Tieres. Vielleicht ein Grund zum Aufatmen für viele, die schlimme Befürchtungen haben: Vermutet wird, dass der Goldschakal sich besonders da aufhält, wo der Wolf sich nicht ausgebreitet hat.

Sensationsfoto in BaWü: Seltenes Tier gesichtet – ist das ein Wolf?

Erstmeldung, 29. Januar: Zuerst lag der Verdacht darauf, dass es sich bei dem Schnappschuss durch eine Wildtierkamera der Forstmitarbeiter in einem verschneiten Waldstück bei Rastatt um einen Wolf handelt. Das ist nicht unwahrscheinlich, denn in ganz Deutschland werden immer wieder Wölfe gesichtet*. Doch das Tier, das eine Kamera durch eine Fotofalle in Rastatt eingefangen hat, ist deutlich kleiner als Wolf, allerdings auch größer als ein Fuchs, wie echo24.de berichtet.

Es handelt sich dabei tatsächlich um ein sehr seltenes Tier, welches normalerweise nicht in Deutschland lebt – die Rede ist von einem echten Sensationsfund in Baden-Württemberg. Es handelt sich um ein Lebewesen, das völlig ungefährlich für den Menschen ist, allerdings tatsächlich mit dem Wolf verwandt* ist – und zwar um einen Goldschakal, wie das örtliche Landratsamt am Donnerstag mitteilte.

Die Aufnahme wird als Sensationsfund bezeichnet, da der Goldschakal in Mittel- und Nordeuropa nicht heimisch ist und Sichtungen doch eher selten sind. Das Kernverbreitungsgebiet des Vierbeiners ist in Europa der Balkan. Nachweise von Goldschakalen gab es in Baden-Württemberg* bislang nur sehr wenige. Zuletzt wurde im Dezember 2020 ein männliches Tier bei Bruchsal überfahren, wie die Deutsche Presseagentur mitteilt.

Was ist ein Goldschakal?

Ein Goldschakal ist etwas größer als ein Fuchs*, allerdings kleiner als ein Wolf. Dennoch ist er eine eng mit dem Wolf verwandte Art der Hunde. Ein ausgewachsenes Tier ist zwischen 80 und 95 Zentimeter lang, mit einer Schwanzlänge von 20 bis 30 Zentimetern und einer Schulterhöhe von etwa 35 bis 50 Zentimeter. Seinen Namen verdankt der Goldschakal unter anderem seinem goldgelben Fell.

Der Goldschakal gilt laut Bundesartenschutzverordnung als geschützte Art und darf somit nicht gejagt werden. Er selbst jagt oft alleine, gelegentlich als Paar, selten im Rudel. Für den Menschen ist der Vierbeiner völlig ungefährlich. Er ernährt sich von kleinen bis mittelgroßen Säugetieren, wie Nagetieren oder Vögeln, sowie von Amphibien, Insekten und Fischen. Tatsächlich ist der Verwandte des Wolfs kein reiner Fleischfresser und ernährt sich gelegentlich auch pflanzlich.

Was macht der Goldschakal in Deutschland? Weshalb wurde er in Rastatt gesichtet?

Das natürliche Verbreitungsgebiet des Goldschakals in Europa ist der Balkan. Einzelne Populationen sind allerdings auch in Griechenland, Albanien, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Slowenien, Bosnien und Herzegowina sowie Kroatien zu finden. Generell bevorzugen Goldschakale offene Landschaften, die Tiere leben am liebsten in der Savanne sowie Halbwüsten und in felsigen Gegenden. Am meisten verbreitet sind die Vierbeiner im Nahen Osten, in Indien und einigen weiteren Regionen Asiens.

Normalerweise ist der Goldschakal eher nicht in dichten Wäldern zu finden. Das erste Mal in Deutschland wurde der Verwandte des Wolfs im Jahr 1998 gesichtet, in der Schweiz bereits 2011. Ein möglicher Grund dafür, weshalb der Goldschakal nun auch in Deutschland zu finden ist, könnte der Klimawandel sein.

Übrigens: In den vergangenen Monaten wurden bereits mehrere Tierarten gesichtet, die eher selten in Baden-Württemberg* sind. Innerhalb kürzester Zeit wurden im Odenwald ein Wolf, ein Luchs und ebenfalls ein Goldschakal gesichtet. *echo24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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