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Öffentliche Toiletten in Städten: Von kostenlos bis Wucherpreis

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Von: Valentin Betz

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Eine öffentlichte Herrentoilette
Die Gebühren für öffentliche Toiletten unterscheiden sich in den Städten Baden-Württembergs teils erheblich. Während Stuttgart sie komplett streicht, greift Ulm sogar zu einer Verdopplung. © Fabian Sommer/dpa

Wer in den Städten Baden-Württembergs auf die öffentliche Toilette muss, kann das nicht immer kostenlos. Mitunter ist es sogar recht teuer, seine Notdurft zu verrichten.

Stuttgart/Ulm - Wer in Baden-Württemberg* in seiner Heimatstadt unterwegs ist und plötzlich Harndrang verspürt, wartet eventuell noch, bis er wieder Zuhause ist. Für Touristen und andere Besucher funktioniert diese Option nicht - eine öffentliche Toilette muss her. Je nach Stadt sind die Gebühren allerdings ziemlich unterschiedlich, mancherorts entfallen sie sogar.

Stuttgart* ist einer dieser Orte, der in Zukunft kein Geld mehr für die Nutzung der öffentlichen Toiletten verlangt. Laut einer Pressemitteilung öffnet der Betrieb Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) zunächst 46 der insgesamt 73 öffentlichen Toiletten der Landeshauptstadt für den kostenfreien Gebrauch - weitere sollen folgen.

Öffentliche Toiletten in Stuttgart werden kostenfrei - für die Stadt ist das ein teurer Plan

Für die Bewohner der Landeshauptstadt ist das eine nicht allzu selbstverständliche Neuigkeit. Denn 2022 wird das Leben in Stuttgart durch höhere Gebühren anderswo teurer (BW24* berichtete). Abgesehen von den Anlagen in der Stadtbahnhaltestelle Schlossplatz und an der Markthalle können die öffentlichen Toiletten in Stuttgart sogar rund um die Uhr benutzt werden. Zuletzt wurde das auch von vielen getan; eine halbe Million Nutzer verzeichnete die Stadt.

Allerdings gab es auch viele Wildpinkler, die sich die Gebühren sparten und den nächsten Hauseingang, Hinterhof oder eine Unterführung aufsuchten. „Wir wollen mit diesem niedrigschwelligen Angebot auch die ‚Wildpinkler‘ motivieren und dazu beitragen, dass sie die öffentlichen Toiletten anstelle der Hauseingänge und Hinterhöfe nutzen“, erklärte AWS-Chef Markus Töpfer deshalb die Aufhebung der Kosten. Für Stuttgart ist die Entscheidung finanziell ein beachtliches Minusgeschäft: 170.000 Euro an WC-Gebühren fallen dadurch weg.

Zu Beginn der Corona-Pandemie gab es auch in Tübingen Probleme mit Wildpinkeln, Lärm und Alkohol*. Dabei bietet die Stadt zumindest tagsüber mit der „netten Toilette“ Menschen die Möglichkeit, die stillen Örtchen von Gastronomiebetrieben kostenfrei zu nutzen. In Stuttgart wird es im Übrigen nicht bei den 46 kostenfreien öffentlichen Toiletten bleiben. Weitere 30 Anlagen sind vermietet und wenn der Vertrag 2025 ausläuft, sollen dort moderne, barriere- und kostenfreie WCs entstehen.

WCs in Städten Baden-Württembergs: Öffentliche Toiletten nicht überall kostenfrei

Im Kontrast zu Stuttgart geht Ulm bei den öffentlichen Toiletten den komplett gegensätzlichen Weg. Die Stadt erhöht die Gebühren von 50 Cent auf einen Euro. Die Verantwortlichen machen auch keinen Hehl daraus, damit den Haushalt aufpäppeln zu wollen - obwohl die WCs weiterhin ein Minusgeschäft bleiben. Denn bislang gingen etwa 70.000 Menschen in Ulm jährlich auf die öffentlichen Toiletten. Aus ehemals 35.000 Euro Einnahmen würden künftig also 70.000 werden. Allerdings kostet der Betrieb der Anlagen auch 250.000 Euro.

Während Stuttgart mit den kostenfreien Toiletten explizit auch Wildpinkeln unterbinden will, macht sich Ulm deswegen keine Sorgen. Wie der SWR berichtet, hoffe man, „dass sich der Toiletten-Euro weder positiv noch negativ auf die Zahl der Wildpinkler auswirke“. Einzige Option für Sparfüchse beim Toilettengang in Ulm sind städtische Parkhäuser, die ebenfalls keine Gebühren erheben. Über die großen Städte Baden-Württembergs hinweg gibt es zudem keine wirklich klare Linie, was die Gebühren für öffentliche Toiletten angeht. Freiburg und Karlsruhe machen es wie Stuttgart und lassen Menschen ihre Notdurft kostenlos verrichten. Heidelberg verlangt hingegen 50, Heilbronn 30 Cent. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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