Plage durch PS-Protzer

Polizei verpasst Auto-Posern in Mannheim einen ungewöhnlichen Denkzettel

  • Marleen van de Camp
    vonMarleen van de Camp
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Die Auto-Poser-Szene in Mannheim macht seit dem vergangenen Wochenende wieder die Straßen unsicher. Die Polizei-Bilanz des Samstags: Sieben Verwarnungen, zwei beschlagnahmte Fahrzeuge.

  • Das Wetter in Baden-Württemberg wird sonnig und lockt die sogenannten Auto-Poser auf die Straßen.
  • Sie zeigen gerne, wie laut ihre Fahrzeuge sind und haben bestimmtes Tuning-Zubehör, um das Motorgeräusch zu verstärken.
  • In Mannheim terrorisieren sie die gesamte Innenstadt - auch nachts. Doch die Polizei geht mit Sonderermittlern und einem besonderen Trick gegen sie vor.

Mannheim - So ziemlich jede Stadt in Baden-Württemberg hat eine Straße, auf der ein paar peinlich protzende PS-Proleten regelmäßig alle anderen Bewohner belästigen - mit dem Lärm ihrer getunten Karren, mit dem Gestank von Benzin und Gummi, mit der Gefahr, als blutige Bremsspur zu enden, wenn man im falschen Moment die Straße überquert.

In Stuttgart ist es die Theodor-Heuss-Straße. In Karlsruhe ist es die Karlstraße. Doch in Mannheim nimmt der Potenzvergleich auf vier Rädern ganz andere Dimensionen an. Dort machen die sogenannten „Poser“ die gesamte Innenstadt unsicher - gerne auch nachts. Teils wird für das Tuning der Poser sogar gezielt ein Soundgenerator eingebaut, einfach nur, damit der Motor lauter ist.

Das geht schon seit Jahren so. Aber 2016 hatte die Polizei Mannheim den Tank voll. Nach mehr als 200 Beschwerden durch Bevölkerung und Behörden gründete sie die ErmittlungsgruppePoser“ - die bis heute jedes Jahr den Einsatz aufnimmt, sobald das Frühjahr die ersten Prolls in ihren Protzkarren auf die Straßen lockt. Am vergangenen Samstag war es wieder soweit: Die Beamten mussten zum „ersten ‚Poser‘-Einsatz 2020“ ausrücken, wie die Polizei von Mannheim in Baden-Württemberg berichtet.

Die Polizei in Mannheim, Baden-Württemberg hält Auto-Poser an.

Geldstrafen beeindrucken die Poser in Baden-Württemberg nicht - kreative Strafe nötig

Bis in die Abendstunden patrouillierten zwei Streifenwagen ausgewählte „Poser“-Meilen von Mannheim und stoppten insgesamt 12 Fahrzeuge. In vier Fällen waren die Autos so getunt, dass „die Betriebserlaubnis wegen technischer Veränderungen erloschen“ war. Zwei von ihnen wurden als „verkehrsunsicher“ eingestuft und beschlagnahmt. Gegen sieben Fahrer wurden Verwarnungen wegen Lärmbelästigung verhängt – was in Baden-Württemberg oft mit einer Geldstrafe einhergeht. Die Höhe des sogenannten „Verwarnungsgeldes“ liegt allerdings bei maximal 55 Euro. Das beeindruckt einen Poser, der Tausende bis Zehntausende Euro in Tuning-Zubehör gesteckt hat, natürlich nicht allzu sehr.

Auto-Poser in Baden-Württemberg: Die Polizei Mannheim schickt den Posern die gelbe Karte.

Doch die Polizei Mannheim hat eine sehr viel wirksamere Methode entwickelt, um die Egos der hochmotorisierten Selbstdarsteller wieder auf Normalgröße zu stutzen: Wer an zwei Tagen als „Poser“ aufgefallen ist, bekommt präventive Post von der Polizei. Darin liegt neben einem Warnschreiben eine gelbe Karte, auf der „Stop Posing“ steht. „Bisher wirkten diese Anschreiben zu 100 Prozent. Keiner der aus der Anonymität gerissenen Adressaten fiel erneut auf“, so die Polizei Mannheim. Trotzdem ist den Beamten klar, dass in den nächsten Wochen und Monaten weitere „Poser“-Einsätze nötig sein werden. Nicht nur in Mannheim, sondern in ganz Baden-Württemberg. Selbst Cartoonisten machen sich schon über Auto-Poser lustig. Die Polizei befürchtet, dass noch mehr Menschen in Baden-Württemberg wegen des Coronavirus ihre dunkle Seite zeigen könnten.

Rubriklistenbild: © Uwe Anspach/dpa/picture alliance

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