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«Ein Grad weniger»: Land erarbeitet vor «Gasgipfel» Einspar-Katalog

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Die Behörden sollen unter anderem prüfen, ob noch mehr Beamtinnen und Beamte zuhause arbeiten können, weil durch den Wegfall der Hin- und Rückfahrt Energie eingespart werden könne. © Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

Mehr Home-Office, Treppe laufen und Dienstreisen mit der Bahn: Die Landesregierung will wegen der drohenden Mangellage den Verbrauch von Gas und Strom im Südwesten noch vor dem Winter massiv senken. Die Verwaltung soll als gutes Beispiel vorangehen.

Stuttgart (dpa/lsw) - Vor dem «Gasgipfel» mit Kommunen, Wirtschaft und Versorgern hat die grün-schwarze Landesregierung ein Bündel von Maßnahmen zum Energiesparen erarbeitet. Eine Arbeitsgruppe aus unterschiedlichen Ministerien hat den Katalog zusammengestellt, mit dem zunächst die Verwaltung dazu angehalten werden soll, den Verbrauch von Gas und Strom so stark wie möglich zu senken. Die Liste liegt dem «Badischen Tagblatt» und der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart vor.

Sie dient als Grundlage für den Gipfel, bei dem Sparvorschläge für Unternehmen und Verbraucher gesammelt werden sollen. Angesichts der Alarmstufe Gas müssten Haushalte und Firmen den Verbrauch so weit wie möglich schon im Sommer reduzieren und alternative Energienutzungen verstärken, schreiben die Beamten des interministeriellen Verwaltungsstabs. «Der Bedarf muss abgesenkt werden, um sicher durch Herbst und Winter zu kommen», heißt es wörtlich.

Vorschlag der Arbeitsgruppe: Raumtemperatur senken und Warmwasser abstellen

Konkret schlagen die Beamten etwa vor: «Ein Grad Celsius weniger an Raumtemperatur entspricht einer Energieeinsparung von sechs Prozent. Häufig genügt eine weitaus niedrigere Raumtemperatur als wir es bisher gewohnt sind.» Zudem mahnt die Arbeitsgruppe in ihrem Beschluss vom Montag, es seien nicht überall in der Verwaltung 20 Grad Celsius nötig, etwa in Büros, Teeküchen, Kopierräumen, Werkstätten, Lagerräumen, Besprechungsräumen, Fahrzeughallen, Sporthallen oder Hallenbädern.

Angesichts der deutlich verringerten Gaslieferungen aus Russland hat die Bundesregierung Ende Juni die Alarmstufe ausgerufen. Der Notfallplan hat drei Stufen: Die jetzt ausgerufene Alarmstufe ist die zweite. Die dritte wäre die Notfallstufe. Es wird befürchtet, dass nach der Wartung der Pipeline Nord Stream 1 kein russisches Gas mehr durch sie fließt und die Lage sich in Deutschland weiter zuspitzt.

In dem Maßnahmenkatalog heißt es weiter, die Behörden sollten überlegen, ob manche Räume, die nicht regelmäßig gebraucht werden, gar nicht mehr zu nutzen. Warmwasser solle nur dort verwendet werden, wo es erforderlich ist. «Beispielsweise kann in Sanitärbereichen die Warmwasserzufuhr komplett abgestellt werden.»

Die Arbeitsgruppe weist zudem darauf hin, «dass in Deutschland 10 bis 15 Prozent des Stroms unter Einsatz von Gas produziert werden. «Daher trägt auch die Reduktion des Stromverbrauchs zur Gasreduktion bei.» Die Beamten schlagen vor, Aufzüge nicht mehr zu nutzen, höchstens noch für Menschen mit körperlichen Behinderungen.

Weniger Räume nutzen durch Homeoffice

Die Behörden sollen auch prüfen, ob noch mehr Beamtinnen und Beamte zuhause arbeiten können, weil durch den Wegfall der Hin- und Rückfahrt Energie eingespart werden könne. Und: Im Büro könne dann die Heizung runtergeregelt werden. Flexible Arbeitszeiten sollen auch schon im Sommer wenn möglich ausgeweitet werden - so werden im Büro auch keine Klimaanlagen gebraucht. Zudem sollen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter noch häufiger Schreibtische teilen, damit weniger Räume benötigt werden.

Bei Dienstreisen soll - wenn möglich - auf das Flugzeug verzichtet und die Bahn genommen werden. Wird ein Dienstwagen benutzt, sollen Fahrgemeinschaften gebildet werden. Ansonsten verweist die Arbeitsgruppe auf das «Energiespar-Büchle», in dem das Umweltministerium praktische Tipps gibt.

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