Diskussion um Impf-Priorisierungen

Baden-Württemberg: Kretschmann fordert mehr Flexibilität bei Corona-Impfreihenfolge

Die Impfreihenfolge in Baden-Württemberg wurde aufgrund geringer Nachfrage angepasst und hat eine Diskussion ausgelöst. Ministerpräsident Kretschmann hat sich nun klar positioniert.

Obwohl Impfstoff gegen das Coronavirus in Deutschland weiterhin Mangelware ist, lehnen derzeit viele Berechtige eine Impfung mit dem Wirkstoff von Astrazeneca ab, wie *echo24.de berichtet. Der Grund dafür sind sowohl die Nebenwirkungen, die durch den Impfstoff auftreten können, als auch die geringere Wirksamkeit von Astrazeneca im Gegensatz zu anderen Corona-Impfstoffen. Dadurch stehen derzeit viele Astrazeneca-Impfdosen ungenutzt in den deutschen Kühlschränken. Um das Impfverfahren zu beschleunigen, wurde erst kürzlich in Baden-Württemberg die Impfreihenfolge geändert. Das passt allerdings nicht allen.

Die Priorisierung von Lehren und Erziehern sowie eine dadurch erfolgte Anpassung der Impfreihenfolge wird von mehren Seiten kritisiert. Zuletzt äußerte der Chef der Ständigen Impfkommission des Robert-Koch-Instituts (RKI), Thomas Merten, seine Bedenken. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hingegen hält die Änderung der Priorisierung für richtig und hat sich für mehr Flexibilität und Pragmatismus bei der Impfreihenfolge ausgesprochen.

Kritik an Änderung der Impfreihenfolge: Kretschmann fordert mehr Flexibilität

Baden-Württemberg erwartet bis Mitte März rund 450.000 Impfdosen des Impfstoffs von Astrazeneca. Ab sofort erhalten alle Berechtigten in der ersten Prioritätsgruppe im Alter zwischen 18 und 64 ein Impfangebot. Voraussichtlich soll ab spätestens Mitte März in Baden-Württemberg damit begonnen werden, auch Impfberechtigte im Alter von 18 bis 64 aus der zweiten Prioritätsgruppe zu impfen. Zu dieser Prioritätsgruppe zwei gehören unter anderem auch Erzieher und Lehrer.

Wie kann ich einen Impftermin vereinbaren?

Impftermine können über die zentrale Telefonhotline 116 117 oder die Webseite impfterminservice.de vereinbart werden. Der Nachweis über eine Impfberechtigung muss erst beim vereinbarten Impftermin im Impfzentrum erbracht werden.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hält die Änderung der Priorisierung für richtig und hat sich für mehr Pragmatismus bei der Impfreihenfolge ausgesprochen. Kretschmann sagte gegenüber der Welt am Sonntag, eine Priorisierung sei sehr wichtig, solange der Impfstoff weiterhin Mangelware ist. Dennoch könne man es sich aber nicht leisten, „dass Impfstoff herumsteht und nicht verimpft wird, weil Teile der Berechtigten ihn ablehnen“. Daher „müssen wir dieses strenge Regiment auflockern und Menschen impfen, die nach der Priorisierung noch nicht an der Reihe wären“, erklärt der baden-württembergische Ministerpräsident.

Diskussion um Änderung der Impfreihenfolge in Baden-Württemberg

Aber nicht nur Winfried Kretschmann befürwortet mehr Flexibilität bei der Impfreihenfolge. Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CDU), spricht sich für ein schnelleres Impfverfahren durch die Abänderung der Priorisierung aus: „Bevor er liegen bleibt, impfen, wer will“, sagte Bayerns Regierungschef gegenüber der Bild am Sonntag. „Wir müssen beim Impfen Tempo machen“, mahnte Söder. „Es kann nicht sein, dass einerseits zu wenig Impfstoff vorhanden ist, aber andererseits AstraZeneca in hohen Zahlen nicht verimpft wird.“

Die SPD hingegen kritisiert die Änderung der Impfreihenfolge in Baden-Württemberg. wie die Deutsche Presseagentur berichtet. „Man impft nicht mit Schlagzeilen. Es braucht klare Reihenfolgen und kein Prioritäten-Gezappel“, teilte der Gesundheitsexperte der SPD-Landtagsfraktion, Rainer Hinderer, am Sonntag mit.

In den vergangenen Tagen sei praktisch in jedem Dokument der Landesregierung eine andere impfberechtigte Gruppen benannt worden, ohne dass die Mitarbeiter in Telefonzentren eine korrekte Auskunft darüber gehabt hätten oder die Internetplattform dazu funktioniert habe, so Hinderer. Die Landesregierung erzeuge durch ihr Vorgehen Verwirrung und Chaos.

Schnelleres Impfverfahren auch ohne Änderung der Impfreihenfolge?

Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums verwies darauf, dass eine Änderung der Impfreihenfolge in dem Sinne gar nicht nötig sei und das Wechseln zwischen den Prioritätsgruppen möglich wäre, ohne die Impfverordnung ändern zu müssen. Sobald alle Menschen in der ersten Gruppe ein Impfangebot bekommen haben, könne man auch die Menschen in der zweiten Gruppe bedenken. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) forderte die Bundesländer auf, diese Möglichkeit zu nutzen, um das Impfverfahren in Deutschland zu beschleunigen. *echo24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare