Beunruhigender Trend

Immer mehr Baden-Württemberger machen einen Waffenschein

Schreckschusswaffe
+
In Baden-Württemberg steigt die Zahl der Menschen mit Kleinem Waffenschein an. Damit kann man unter anderem eine Schreckschusspistole erwerben.
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
    schließen

Die Zahl der Kleinen Waffenscheine nimmt in Baden-Württemberg immer weiter zu. Laut Polizei und Innenministerium ein besorgniserregender Trend.

Stuttgart - Waffen spielen in unserem Alltag in Deutschland keine übergeordnete Rolle. In anderen Ländern, wie etwa Kanada oder den USA ist es hingegen nichts Ungewöhnliches, sowohl einen Waffenschein als auch die dazugehörige Waffe zu besitzen. Inzwischen verstärkt sich allerdings auch in Deutschland der Trend hin zu legalem Waffenbesitz.

Wie Zahlen des Innenministeriums belegen, haben immer mehr Menschen in Baden-Württemberg einen Kleinen Waffenschein. Der Polizei und dem Innenministerium ist diese Entwicklung ein Dorn im Auge.

Kleine Waffenscheine in Baden-Württemberg: Anträge werden zuvor sorgfältig geprüft

Ende 2021 wurden allein in Baden-Württemberg 97.826 Kleine Waffenscheine registriert, berichten die Stuttgarter Nachrichten. Eine immense Zahl - und so hoch wie noch nie zuvor. Ende 2020 lag die Zahl der Registrierungen noch bei 93.313. Innerhalb eines Jahres kamen somit etwa 4.500 Waffenscheine hinzu.

Doch nicht jeder bekommt einen Kleinen Waffenschein. Nur wer volljährig ist, kann diesen beantragen. Zudem wird die Eignung des Besitzers sowie dessen Zuverlässigkeit geprüft. Alle drei Jahre werden die Waffenscheinbesitzer durch die zuständige Behörde erneut kontrolliert.

Mit dem Kleinen Waffenschein können unter anderem Schreckschuss-, Reizstoff- sowie Signalwaffen mitgeführt werden. Solche Waffen dienen laut Polizei hauptsächlich der Selbstverteidigung. Allerdings dürfen diese nicht überall abgefeuert werden. Nur in der eigenen Wohnung, in einem eigenen eingezäunten Grundstück oder in einer Schießstätte darf von den Waffen Gebrauch gemacht werden.

Polizei besorgt über Trend: „Es ist kritisch zu beurteilen“

Doch wie lässt sich der Trend hin zu mehr Waffen erklären? Schließlich gehört Baden-Württemberg zu den sichersten Bundesländern Deutschlands. Offenbar wird das von vielen Menschen im Südwesten nicht so wahrgenommen. „Es ist kritisch zu beurteilen, wenn sich Bürgerinnen und Bürger mit Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen ausstatten und dies Selbstverteidigungszwecken dienen soll“, so ein Sprecher der Polizei Baden-Württemberg gegenüber den Stuttgarter Nachrichten. Häufig sind zudem unechte Waffen von echten kaum zu unterscheiden. Im Stuttgarter Stadtteil Bad-Cannstatt meldeten Zeugen einen Mann mit Pistole. Diese stellte sich hinterher als Spielzeug heraus.

Häufig geht auch der Einsatz von Schreckschusswaffen und Co. nach hinten los. Der Einsatz solcher Waffen, etwa im Streit, führt laut Polizei oftmals zu einer Eskalation. Nicht selten wird dabei auch der Waffenbesitzer verletzt. „Die Polizei empfiehlt deshalb, grundsätzlich keine Waffen zu tragen. In Konfliktsituationen ist es besser, auf sich aufmerksam zu machen und die Polizei zu Hilfe zu rufen“, so ein Ministeriumssprecher. Im Fall des flüchtigen Räubers in Oppenau entwaffnete der Mann vier Polizisten mit einer Schreckschusspistole.

Gleichzeitig gibt es jedoch auch einen erfreulichen Trend in Baden-Württemberg: Laut Kampfmittelbeseitigungsdienst wurden 2021 im Südwesten 18.507 Waffen und Gegenstände nach dem Waffengesetz abgegeben und entsorgt. Zum Vergleich: 2020 waren es noch 3.000 weniger Abgaben.

Kommentare