Auf dem Weg nach Kroatien

Müder Fahrer, kein Geld zum Tanken: Schüler aus Ba-Wü berichten von verstörender Abifahrt

Schüler stehen vor einem Bus Schlange
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Die Abifahrt nach Kroatien verlief für Schüler aus Baden-Württemberg nicht wie erhofft (Symbolbild).
  • Julian Baumann
    VonJulian Baumann
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Das Abitur in der Tasche und auf zum Partystrand: Für Abiturienten aus der Region Stuttgart wurde die Abifahrt jedoch zum echten Horror-Trip - aus mehreren Gründen.

Stuttgart/Böblingen - Aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg* war Reisen für viele Monate nicht möglich. Durch die aktuell noch immer vergleichsweise niedrige Inzidenz steht einem Trip in die europäischen Nachbarländer jedoch nichts mehr im Wege. Außer die geltenden Hygiene- und Testregeln, die noch immer eingehalten werden müssen. Das dachten sich wohl auch Abiturienten aus der Region um die Landeshauptstadt Stuttgart*, die nach den Prüfungen das Abitur gebührend an einem Partystrand in Kroatien feiern wollten.

Über die Rückkehr aus dem Urlaub machten sich die Schüler zweier Gymnasien im Raum Stuttgart wohl zu Beginn der Reise keine Gedanken. Erstmal stand nämlich die Fahrt an den Strand im kroatischen Nowalja an, die bei genug Partylaune im Bus bereits mit zu den Feierlichkeiten gezählt werden kann. Auf der Fahrt der beiden Klassen ereigneten sich jedoch mehrere fragwürdige und gefährliche Begebenheiten, wie die Stuttgarter Zeitung berichtet.

Abiturienten aus Baden-Württemberg: Trip nach Kroatien beginnt bereits mit Verspätungen

Die Vorbereitungen auf den höchsten Bildungsabschluss in Deutschland sind in den meisten Fällen eine lange, nervenaufreibende und anstrengende Angelegenheit. Dementsprechend freuten sich die Schüler aus den Gymnasien in Böblingen* und Holzgerlingen auf eine Woche Abschalten am Strand. Laut der Stuttgarter Zeitung begann der geplante Trip jedoch bereits mit massiven Verzögerungen. Einer der gebuchten Busse des Münchner Unternehmens Crystal Tours hatte bereits mehrere Stunden Fahrt hinter sich, als er die 50 Schüler in Böblingen abholte. Deshalb musste der Fahrer erstmal eine Pause einlegen. Und auch der zweite Bus, der die Abiturienten aus Holzgerlingen abholen sollte, hatte bereits vor dem eigentlichen Trip eine Verspätung von zwei Stunden.

Die verspätete Abreise wäre den Schülern der Gymnasien in Baden-Württemberg wohl weniger schlimm vorgekommen, wenn sie erahnt hätten, was auf der Fahrt noch so alles passiert. Los ging die eigentliche Fahrt am Freitag gegen 21 Uhr, am Samstagnachmittag standen die Busse jedoch noch immer weit vom Ziel entfernt in einem Stau. Der Zielort, Zrce auf der Insel Pag, liegt etwa 800 Kilometer von Böblingen entfernt. Demnach sollte die Fahrtzeit etwa 15 Stunden betragen. „Irgendwann kam es den Jugendlichen komisch vor, was da so passierte“, sagte Claus Kissler, Vater einer der Abiturienten der Stuttgarter Zeitung.

Chaotische Reise nach Kroatien: Busfahrer hat kein Geld zum Tanken und fährt 34 Stunden durch

Bei langen Autofahrten sollten sich Fahrer normalerweise abwechseln, damit die Konzentration durch die Müdigkeit nicht beeinträchtigt wird. Laut der Stuttgarter Zeitung saß bei der Abifahrt der Klassen aus der Region Stuttgart jedoch durchgehend derselbe Mann am Steuer, der trotz kleinerer Pausen die erlaubte Gesamtfahrtzeit deutlich überschritten hatte. Zudem habe der Fahrer der Klasse aus Holzgerlingen an einer Tankstelle nicht genug Geld gehabt und musste warten, bis ihm ein Bekannter Geld brachte, berichtet die Zeitung weiter. Während der Wartezeit habe er sich mit Handyspielen und einer Flasche Wasser, die er sich über den Kopf schüttete, versucht wach zu halten.

Als der Stau zu lang wurde, sei einer der Busfahrer zudem kurzerhand auf eine Landstraße ausgewichen und rund zwei Kilometer im Rückwärtsgang gefahren. Die Abiturienten aus Böblingen und Holzgerlingen schilderten die erschreckenden Begebenheiten bereits während der Fahrt ihren Eltern, die Sturm liefen. Inzwischen liegt der Fall bei der Polizei Ludwigsburg* zur Weiterleitung an den Veranstalter der Reise in München.

Zudem haben die Eltern auch selbst einen Brief an das Unternehmen verfasst und auf die chaotische Fahrt und die starke Überschreitung der erlaubten Gesamtfahrzeit der Fahrer hingewiesen. „Hier wird Rendite Vorrang vor der Sicherheit von jungen Menschen eingeräumt“, sagte Claus Kissler der Stuttgarter Zeitung. „Möglicherweise läuft das schon eine Weile so.“ *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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