Kooperation zu Kampfstoffen

„In kleinen Mengen tödlich“: Baden-Württemberg rüstet sich für nuklearen Vorfall

Einsatzkräfte in Schutzanzügen arbeiten nach der Havarie im Atomreaktor von Fukushima
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Kampfstoffe in Baden-Württemberg: Mit Anzügen wie diesen schützen sich Einsatzkräfte vor nuklearer Strahlung - hier nach der Havarie in Fukushima
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    vonValentin Betz
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Baden-Württemberg bereitet sich auf ein Schreckensszenario mit Kampfstoffen vor. Die Innenminister der Länder unterschrieben dafür eine gemeinsame Vereinbarung.

  • Baden-Württemberg wird künftig mit vier anderen Bundesländern gemeinsam gegen gefährliche Kampfstoffe vorgehen.
  • Die Innenminister der Länder unterschrieben dazu eine Vereinbarung auf der Innenministerkonferenz in Erfurt.
  • Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl will den Wissens- und Erfahrungsaustausch verstärken.

Stuttgart/Erfurt - Baden-Württemberg will in Zukunft gemeinsam mit Hessen, Bayern, Rheinland Pfalz und dem Saarland gegen gefährliche Kampfstoffe vorgehen. Das Schreckensszenario: Gefährliche Substanzen, wie etwa nukleare Stoffe, gelangen in die falschen Hände. Mit Uran etwa könnten Terroristen mit recht einfachen Mitteln eine Bombe bauen, die eine gigantische Zerstörungskraft freisetzt.

Baden-Württemberg hat die Bedrohung durch Kampfstoffe erkannt und sich deshalb mit den vier anderen Bundesländern zusammengeschlossen. Es soll ein gegenseitiger Wissens- und Erfahrungsaustausch stattfinden, um besser auf Einsätze vorbereitet zu sein bei denen chemische, biologische, radiologische, nukleare oder explosive Stoffe involviert sind.

Solche so genannten CBRNE-Kampfstoffe „können bereits in sehr kleinen Mengen tödlich sein oder die Gesundheit von Menschen und die Umwelt schwerwiegend schädigen“, erklärte Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl in einer Pressemitteilung des Landes. „Nur wenn unsere Einsatzkräfte gut vorbereitet sind, können wir schwerwiegende Schäden verhindern. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Fall eintritt, ist nicht hoch und wir hoffen, dass der Fall nie eintritt – aber falls doch, müssen wir bestmöglich gerüstet sein“, so Thomas Strobl weiter.

Baden-Württemberg rüstet sich gegen Kampfstoffe: Innenminister von fünf Bundesländern unterzeichnen Vereinbarung

Um die Arbeit verschiedener Behörden in Bezug auf Kampfstoffe besser koordinieren zu können, unterzeichneten die Innenminister von Baden-Württemberg und den fünf anderen Bundesländern daher auf der Innenministerkonferenz in Erfurt eine gemeinsame Vereinbarung. „Wir verstärken den Informations-, Wissens- und Erfahrungsaustausch und stimmen die gegenseitige länderübergreifende Unterstützung besser ab“, sagte Thomas Strobl dazu.

Auch die Innenminister der anderen beteiligten Bundesländer zeigten sich zufrieden über die Vereinbarung gegen gefährliche Kampfstoffe. „Mit der Länderkooperation stellen wir eine noch engere Verzahnung unserer Polizeibehörden, Feuerwehren sowie der Kooperationspartner über die Ländergrenzen hinweg sicher“, sagte Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU). Bayerns Innenminister Joachim Herrman wies ebenfalls auf das Fachwissen hin, das jedes Bundesland beisteuern könne: „Der Hauptnutzen liegt darin, dass wir gegenseitig von den Fähigkeiten in den Bundesländern profitieren können. Bei der Bayerischen Polizei haben wir ausgewiesene Entschärfungsspezialisten“, so Joachim Herrmann.

Kampfstoffe stellen in Baden-Württemberg auch durch internationalen Terrorismus eine Gefahr dar

Anschläge aus der Vergangenheit legen nahe, dass Deutschland vor Terror nicht sicher ist - und damit könnte auch Baden-Württemberg Zielscheibe werden. In Bezug auf den konkreten Nutzen der länderübergreifenden Kooperation zu Kampfstoffen wurde besonderes der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz konkret: „Einsatzlagen wie der Rizin-Fund in Köln im Jahr 2018 haben gezeigt, dass der internationale Terrorismus eine gegenwärtige Bedrohung darstellt", so Roger Lewentz.

Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet, seien Experten des hessischen Landeskriminalamtes rund 300 Mal pro Jahr im Einsatz, um Munition und Kampfstoffe, herrenlose Koffer und Taschen auf Spreng- oder Brandmittel, militärische Explosivstoffe oder pyrotechnische Gegenstände zu untersuchen.

Ein Paar fand am Ufer eines Baggersees in Hockenheim eine Handgranate. Laut Angaben der Polizei stammt die Granate aus dem Bürgerkrieg im ehemaligen Jugoslawien. Der Kampfmittelräumdienst transportierte den Kampfstoff unter Einhaltung entsprechender Sicherheitsvorkehrungen ab.

Eine Überprüfung des Atomkraftwerks Neckarwestheim II südlich von Heilbronn zeigte auffällige Schäden. Mehrere Rohre von Dampferzeugern wiesen Korrosionsschäden auf. Die Rohre wurden versiegelt und außer Betrieb genommen. Insgesamt ergab die Überprüfung jedoch deutlich weniger Beanstandungen als in den Vorjahren. Das letzte noch aktive AKW in Baden-Württemberg soll noch bis Ende 2022 Strom liefern.

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