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Baden-Württemberg: Industrie fordert bei Wasserstoff mehr Planungssicherheit

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Der Zapfhahn einer Wasserstofftankstelle an den Stutzen eines Wasserstoffautos. © Sebastian Gollnow/dpa/Archivbild

Die Potenziale der Wasserstoff-Industrie in Baden-Württemberg werden als groß eingeschätzt. Die Politik und Unternehmen sind emsig bei der Sache. Aber die Wirtschaft legt auch den Finger in die Wunde.

Stuttgart (dpa/lsw) - Die Industrie in Baden-Württemberg fordert beim klimarelevanten Thema Wasserstoff mehr Tempo und Klarheit von der Landesregierung. Wichtig sei vor allem, dass der benötigte Wasserstoff auch vorhanden sei, sagte der Sprecher der Task Force Wasserstoff im Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertag (BWIHK), Jan Stefan Roell, der Deutschen Presse-Agentur. «Unternehmen müssen Sicherheit haben, dass er dann in einer Menge verfügbar ist, wenn er gebraucht wird.» Das Angebot müsse vor der Nachfrage da sein. Bisher fehlten dazu aber Zahlen.

Das Umwelt- und Energieministerium verweist auf Anfrage auf eine noch nicht veröffentlichte Studie, nach der der Wasserstoffbedarf der Industrie in Baden-Württemberg im Jahr 2020 bei 3,1 Terawattstunden lag. «Stellt man diesen Bedarf den aktuellen Erzeugungskapazitäten in Baden-Württemberg durch Elektrolyse gegenüber, liegen letztere deutlich darunter», teilte eine Sprecherin mit. Die Studie soll, wenn sie fertig ist, auch Prognosen für das Jahr 2035 enthalten.

Wasserstoff ist wichtig für die Energiewende und kann Basis für Kraft- und Brennstoffe sein. Er soll etwa für Industrie und Verkehr Kohle, Öl und Erdgas ablösen. Die Landesregierung hat Ende 2020 eine «Wasserstoff-Roadmap» beschlossen und geht davon aus, dass im Zusammenhang mit Wasserstoff im Südwesten rund 16 000 neue Arbeitsplätze entstehen und neun Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2030 erwirtschaftet werden können. Als «grün» gilt Wasserstoff, wenn er etwa mittels Elektrolyse aus erneuerbaren Energien produziert wird.

Das Grün sollte aus Sicht Roells aber erstmal zweitrangig sein. «Man muss am Anfang auch andere Farben akzeptieren, damit überhaupt mal Bewegung in den Markt kommt.» Die Unternehmen seien dabei weiter als die Politik glaube, ist der BWIHK-Vizepräsident überzeugt. Sie hätten verstanden, dass der Ausstieg aus CO2-lastigen Energiequellen und der Umstieg auf nachhaltige Alternativen eine Wachstumschance sei: «Du kriegst doch keinen Kunden mehr, wenn du ein Umweltschwein bist.»

Wichtig sei neben der Verfügbarkeit, dass der Preis für Wasserstoff mit dem für fossile Alternativen mithalten könne, sagte Roell. Zudem müssten Regulierungshürden gesenkt und Genehmigungsverfahren deutlich beschleunigt werden. «Wir dürfen nicht hinterherlaufen, sondern müssen dabei sein oder besser noch Vorreiter sein.» Die derzeitigen Verfahren passten aber nicht. «Die Genehmigung eines Windrads dauert gerade länger als eine Legislaturperiode.» Die heute Verantwortlichen seien also bei Fertigstellung im Zweifel schon wieder aus dem Amt. Bund und Land haben angekündigt, hier aufs Gaspedal treten zu wollen.

So hatte beispielsweise das Verkehrsministerium mit Blick auf eine Demonstrationsanlage für neue Kraftstoffarten auf dem Gelände der Mineralölraffinerie Oberrhein moniert, dass mehrere Jahre Wartezeit auf Fördergelder durch die Instanzen EU und Bund zu lang seien. Das Umweltministerium wiederum verwies nun darauf, sich beim Bund für vereinfachte Genehmigungsverfahren für sogenannte Elektrolyseure mit geringer Leistung einzusetzen. «Darüber hinaus stehen wir im engen Austausch mit den Regierungspräsidien, die die zuständigen Genehmigungsbehörden sind», sagte die Sprecherin. So sollten Probleme schnell erkannt und reibungslose Abläufe ermöglicht werden.

Aus Sicht des BWIHK ist das zu wenig: «Die Möglichkeiten, die Sache zu beschleunigen, hat die Landesregierung, indem sie für wichtige Dinge Gesetze macht», sagte Roell. «Die Bürgerbeteiligung sollte in notwendige Bahnen gelenkt und die Rolle des Parlaments gestärkt werden.»

Wichtig sei auch, jetzt Verträge mit Partnern in der EU wie Italien und Spanien zu schließen, wo grüner Wasserstoff produziert werden kann. Deutschland werde den aufgrund der Wetterverhältnisse importieren müssen. Roell sieht da grundsätzlich kein Problem: «Wenn man heute Gas und Öl kauft, kann man morgen auch Wasserstoff kaufen.» Zumal es auch den europäischen Partnerländern zugute komme, wenn das Geld dorthin fließt statt nach Russland. Aber die nötige Infrastruktur müsse ebenfalls gebaut werden: «Da ist noch nichts da.»

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