„Impf-Run“ erwartet

Priorisierung bei Hausärzten fällt: Alle Baden-Württemberger dürfen sich impfen lassen

  • Sina Alonso Garcia
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  • Berkan Cakir
    Berkan Cakir
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Im Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg geht das Land den nächsten Schritt: Die Impfpriorisierung in den Hausarztpraxen wird aufgehoben. Auch in Impfzentren gibt es eine Änderung.

Update vom 17. Mai, 10.13 Uhr: Mehr als jeder Dritte hat schon mindestens eine Erstimpfung gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg erhalten. Etwa jeder Zehnte ist bereits komplett geschützt. Vom Montag, 17. Mai, an, geht das Land nun den nächsten Schritt. Hausärzte dürfen ab sofort alle Impfstoffe ohne Priorisierung verimpfen. Das heißt konkret: Die Ärzte können alle Personen über 16 beziehungsweise 18 Jahren impfen, sofern genügend Impfstoff verfügbar ist. Bisher galt diese Regel nur für das Vakzin von Astrazeneca.

Auch in den Impfzentren gibt es eine kleine Änderung. Zwar bleibt die Priorisierung dort erhalten, damit Menschen mit hohem Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf oder mit hohem Ansteckungsrisiko auf jeden Fall zuerst geimpft werden können. Allerdings dürfen sich ab Montag dort auch Menschen impfen lassen, die beruflich bedingt einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt sind. Darunter fallen zum Beispiel folgende Berufsgruppen:

  • Verkäufer im Supermarkt
  • Busfahrer
  • Journalisten
  • Fahrlehrer
  • Mitarbeiter in Tafelläden
  • Mitarbeiter der Kinder- und Jugendhilfe oder in Schulen

Angesichts der Aufhebung der Priorisierung sollte die Hoffnung auf Fortschritte bei den Impfungen gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg eigentlich groß sein. Doch Mediziner zeigen sich da wenig euphorisch. Wie die dpa berichtet, mangelt es nach wie vor an Impfstoff. So übersteigt die Nachfrage nach Impfterminen weiterhin deutlich das Angebot an Impfstoffen. Einen Lichtblick gibt es dennoch. So sollen ab Juni die Mengen gelieferter Impfstoffe an niedergelassene Ärzte steigen, ebenso sollen dann Betriebsärzte in das Impfen einbezogen werden.

Erstmeldung vom 12. Mai: Stuttgart - In den niedergelassenen Arztpraxen wird die bisher geltende Impfpriorisierung in Baden-Württemberg vom kommenden Montag an aufgehoben. Das haben das baden-württembergische Sozialministerium und die Kassenärztliche Vereinigung nun beschlossen. „Ab 17. Mai dürfen Niedergelassene selbst priorisieren. Die staatliche Impfpriorisierung wird dann für alle Impfstoffe aufgehoben“, schreibt die Kassenärztliche Vereinigung dazu. Im Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg können niedergelassene Ärzte von kommender Woche an somit alle Personen über 16 beziehungsweise 18 Jahren impfen - sofern Impfstoff verfügbar ist.

In den Praxen selbst bietet sich den Ärzten dadurch mehr Flexibilität. Die Kassenärztliche Vereinigung erklärte, dass es fortan im ärztlichen Ermessen liege, welche Patienten den Schutz durch die Corona-Impfung dringender bräuchten, ohne auf eine vorgegebene Impfreihenfolge achten zu müssen. Wie die Stuttgarter Zeitung berichtet, werde außerdem ebenfalls von Montag an in den Impfzentren in Baden-Württemberg die in der Verordnung aufgeführte Prioritätengruppe 3 geöffnet.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Die Prio für den Astrazeneca-Impfstoff wurde bereits aufgehoben

Bereits in der vergangenen Woche war der Impfstoff von Astrazeneca für alle freigegeben worden. Um die Impfkampagne zu beschleunigen, hatte Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) den Vorstoß von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) unterstützt. Im Rahmen dessen wurden vergangene Woche auch die ersten umfassenden Freiheiten und Lockerungen für Geimpfte beschlossen, die seit dem 9. Mai gelten.

Den Schritt zur Freigabe aller Impfstoffe sehen die Hausärzte positiv. Gegenüber der Stuttgarter Zeitung sagte der Vorsitzende der Stuttgarter Ärzteschaft, Markus Klett, dass es sinnvoll sei, die Verantwortung den Ärzten selbst zu übertragen - sie seien am nächsten am Menschen dran. Wichtig sei aber, dass genügend Impfstoff zur Verfügung stehe. „Wir werden jetzt hoffentlich besser bedient.“

Coronavirus in Baden-Württemberg: Die Praxen erhalten weniger Biontech-Impfstoff als erhofft

Bisher, so der Vorsitzende, habe es Probleme bei der Menge an Biontech-Vakzinen gegeben. Die Praxen hätten nie die volle Menge erhalten. Nun sei damit zu rechnen, dass der „Impf-Run“ sich verschärfe. „Die Menschen werden ungnädiger“, so Markus Klett. Als Grund für die Aufhebung der Priorisierung sieht der Vorsitzende die fehlende Akzeptanz für den Impfstoff von Astrazeneca bei den Patienten.

Bereits im April war bekannt geworden, dass Astrazeneca in Baden-Württemberg zum Ladenhüter wird. Frei verfügbare Termine wurden oft nicht gebucht. Im Zusammenhang mit dem britischen Impfstoff war es zu in mehreren Fällen zu schweren Nebenwirkungen gekommen, die insbesondere bei jungen Frauen zu Hirnvenenthrombosen führten.

Rubriklistenbild: © Markus Scholz/dpa

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