Tiere durch Corona in Not

Tierschützerin füttert Tauben - obwohl es bei Strafe verboten ist

Zwei junge Frauen halten einer Taube Krümel hin
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Eine Tierschützerin füttert in Heidelberg Tauben - obwohl es verboten ist (Symbolfoto)
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Um die in den baden-württembergischen Städten sehr hohe Taubenpopulation zu regulieren, gilt in vielen Städten ein Fütterungsverbot - eine Tierschützerin aus Heidelberg setzt sich jedoch darüber hinweg.

Heidelberg - Wohl kaum ein Tier ist in den Städten in Baden-Württemberg so weit verbreitet wie die Taube. Auch in der Landeshauptstadt Stuttgart (BW24* berichtete) sieht man die Vögel nahezu überall. Beispielsweise muss man in der Klett-Passage am Stuttgarter Hauptbahnhof* oftmals den Kopf einziehen, weil die Tauben so niedrig durch die Passage fliegen. Auch auf dem Campus Stadtmitte der Universität Stuttgart* sind normalerweise sehr viele solcher Vögel unterwegs. Dort gibt es sogar einen Taubenschlag, in dem die Eier allerdings durch Attrappen ersetzt werden. Damit soll die Taubenpopulation in der Stadt reguliert werden.

Die Tauben gehören zwar in vielen Städten in Baden-Württemberg zum Stadtbild sind vielen jedoch auch ein Dorn im Auge. In vielen Städten und Gemeinden ist es daher verboten, die Vögel zu füttern. So auch in der Stadt Heidelberg. Ein Verstoß gegen die Regel kann mit einem hohen Bußgeld bestraft werden. Eine Tierschützerin setzt sich dennoch über das Verbot hinweg, wie die Rhein-Neckar-Zeitung berichtet.

Tierschützerin aus Heidelberg füttert Tauben - obwohl das sehr teuer werden kann

Das Fütterungsverbot entspringt nicht nur der Abneigung einiger Bürger gegen die Tauben, die oftmals auch abwertend als „Ratten der Lüfte“ bezeichnet werden, sondern mehreren Gründen. „Das Fütterungsverbot zielt darauf, den Taubenbestand im Stadtgebiet zu reduzieren beziehungsweise auf einem niedrigen Niveau zu stabilisieren“, heißt es von dem Amt für öffentliche Ordnung der Stadt Stuttgart. Daneben sollen auch „Gesundheitsgefahren für die Bevölkerung, Verunreinigung bzw. Beschädigung von Bauwerken und Denkmälern durch Taubenkot“ verringert werden. Ein Verstoß gegen die Regelung kann bei einem einmaligen Vergehen mit 35 Euro, bei wiederholtem Vergehen sogar bis zu 5.000 Euro bestraft werden.

Aufgrund der aktuellen Lage durch das Coronavirus in Baden-Württemberg* und dem anhaltenden Lockdown* sind deutlich weniger Menschen in den Städten unterwegs. Dadurch können die Tauben auch deutlich weniger Nahrung durch heruntergefallene oder weggeworfene Essensreste erhaschen. Eine Tierschützerin hat es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, die „Graumännchen“, wie sie Tauben nennt, in Heidelberg zu retten. Deshalb fährt sie täglich mit dem Fahrrad und einem Rucksack voller Vogelfutter durch die Studentenstadt. Laut der Rhein-Neckar-Zeitung ist die Strafe für illegales Füttern der Tauben in Heidelberg sogar höher als in der Landeshauptstadt. Ein einmaliger Verstoß kostet dort 55 Euro Strafe.

Tierschützerin auf heimlicher Fütterungstour durch Heidelberg - „unübersehbare Not lindern“

Durch das Fütterungsverbot, das in Heidelberg genauso wie in Stuttgart gilt, muss die Tierschützerin ihre Fütterungstour durch die Studentenstadt heimlich fahren. Dabei müsse sie manchmal eine halbe Stunde warten, bis die Luft rein ist, erzählt sie der Rhein-Neckar-Zeitung. Bei ihrer Mission habe sie bereits Kritik und Missgunst der Bevölkerung abbekommen, dabei wollte sie nach eignen Angaben nur „die unübersehbare Not lindern“. Ein Bußgeld musste die Tierschützerin aus Heidelberg durch das illegale Füttern der Tauben jedoch noch nie zahlen. Gerade während des Corona-Lockdowns wünscht sie sich eine Lockerung des Fütterungsverbotes, um die leidenden Tiere zu retten.

Das Veterinäramt und die Stadtverwaltung in Heidelberg bleiben jedoch hart und wollen die Regelung auch im Lockdown aufrecht erhalten. „Tauben sind sehr intelligente Tiere und finden immer etwas zu fressen. Überwiegend wohlgenährte Tauben und gesunde Jungtiere im Stadtbild sind der Beleg dafür“, heißt es in einer Begründung für das Festhalten an dem Verbot, wie die Rhein-Neckar-Zeitung berichtet. „Das ist zoologischer Unsinn. Gesundheit und Ernährungszustand einer Taube lassen sich von außen nicht beurteilen“, entgegnet die Tierschützerin. Sie verweist auf einen Appell des Deutschen Tierschutzbundes, der die Aufhebung der Fütterungsverbote fordert. Manche Städte zogen bereits mit, Heidelberg und Stuttgart gehören jedoch nicht dazu. *BW24 ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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