Hochwasser in Deutschland

Zahlen zeigen: Baden-Württemberg ist auf Flut-Katastrophen schlecht vorbereitet

Auto treibt durch eine Unterführung. (Symbolbild)
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Häufiges Bild nach Extremwetter: Ein Auto ist in der Flut versunken. (Symbolbild)
  • Valentin Betz
    VonValentin Betz
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Das Hochwasser in Deutschland hat verheerende Schäden angerichtet - trotz Warnungen. Auch Baden-Württemberg diskutiert jetzt über Prävention. Der Südwesten ist bisher offenbar schlecht gerüstet.

Stuttgart - Das Wetter in Deutschland* sorgte in vielen Teilen des Landes durch Starkregen für verheerende Zerstörungen. Besonders Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz wurden schwer getroffen, ganze Dörfer wurden völlig verwüstet. Während noch immer Menschen vermisst werden und Aufräumarbeiten laufen, sind nach der Flutkatastrophe viele Fragen offen*.

Angesichts genauester Wetterbeobachtung und Warnsysteme macht es den Eindruck, als habe der Bevölkerungsschutz versagt. Die Kritik wird deshalb zusehends lauter. Nach Meinung eines Meteorologen wurde die Flut durch „totales Versagen“ der Behörden zur Katastrophe (BW24* berichtete). Der Südwesten hatte zwar ebenfalls mit Starkregen und Hochwasser zu kämpfen, wurde aber im Vergleich eher glimpflich getroffen. Doch wie die Stuttgarter Zeitung berichtet, wäre Baden-Württemberg im Ernstfall ähnlich schlecht vorbereitet wie die aktuell betroffenen Gebiete.

Fluten und Unwetterkatastrophen in Baden-Württemberg: Südwesten mit viel Nachholbedarf

Dabei hatte die Landesregierung bereits im Jahr 2016 nach der Unwetterkatastrophe von Braunsbach (Landkreis Schwäbisch Hall) reagiert. Städten und Gemeinden wurde ein Leitfaden zum „Starkregenrisikomanagement“ ausgehändigt, zudem wurde ein Förderprogramm aufgelegt. Auch jetzt verkündete Baden-Württemberg, sich auf Hochwasser im Land vorbereiten zu wollen*.

Denn trotz der bereits aufgesetzten Förderprogramme gibt es in Baden-Württemberg beim Hochwasserschutz und dem Starkregenrisikomanagement offenbar noch Nachholbedarf. Dabei sähe die Förderung vor, dass Maßnahmen von Städten und Gemeinden in Höhe von 70 Prozent der Kosten unterstützt würden, so die Stuttgarter Zeitung.

Ziel der Förderung ist, dass Städte und Gemeinden Gesamtkonzepte erstellen, die beispielsweise örtliche Starkregengefahrenkarten, Risikoanalysen und Handlungskonzepte beinhalten sollen. Dabei sollen nicht nur die Bürger und Unternehmen vor Ort über Risiken von Starkregen und Überflutungen aufgeklärt werden, sondern auch präventive Maßnahmen ergriffen werden. Das beinhaltet beispielsweise eine sinnvolle Flächenplanung oder bauliche Veränderungen, die zum Beispiel Hochwasser abhalten oder „schadensfrei“ ableiten können.

Prävention von Fluten und Unwetterkatastrophen: Fördermittel in Baden-Württemberg kaum genutzt

Allerdings wird, was in der Theorie sinnvoll und gut klingt, in der Praxis offenbar kaum genutzt. 1.100 Städte und Gemeinden in Baden-Württemberg wären förderberechtigt, bislang wurden aber nur 2,5 Millionen Euro für 51 fertig gestellte Konzepte ausgeschöpft.

Für weitere 163 Konzepte seien die Fördermittel bewilligt, acht weitere Anträge seien bereits gestellt. „In der Tat rufen wir dazu auf, dass sich mehr Kommunen über unser Angebot mit der Starkregenproblematik auseinandersetzen“, so ein Sprecher des Umweltministeriums gegenüber der Stuttgarter Zeitung. Insgesamt entspricht das rund 20 Prozent der Städte und Gemeinden im Südwesten.

Zudem sei eine Nichtinanspruchnahme von Fördermitteln nicht gleichbedeutend damit, dass keine Maßnahmen gegen Starkregen ergriffen würden. „Dass Kommunen keine Fördergelder beantragen, heißt ja nicht automatisch, dass sie das Thema nicht auf dem Schirm haben“, so der Sprecher weiter. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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