Anmeldepflicht bei Pool-Befüllung

„Frechheit“: Poolbesitzer schäumen, weil sie Rücksicht auf Wasserknappheit nehmen sollen

Vater und Tochter genießen die Sonne im Pool in ihrem Garten.
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In einer Gemeinde in Baden-Württemberg sollen Poolbesitzer Rücksicht auf die Wasserknappheit nehmen. Das führt zu Unverständnis (Symbolbild).
  • Julian Baumann
    VonJulian Baumann
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In der aktuellen Hitzewelle suchen viele Abkühlung im privaten Pool. In einer Gemeinde in Baden-Württemberg sollen die Poolbesitzer jedoch Rücksicht nehmen - aufgrund einer Wasserknappheit.

Stuttgart/Oberried - Das Wetter in Deutschland treibt aktuell eine richtige Hitzewelle über das Land. In Baden-Württemberg kühlten einzelne Schauer und Gewitter die Temperaturen zwar zumindest stellenweise ab, die Werte liegen jedoch noch immer sehr hoch. Die „Sahara-Hitze hat uns im Griff“ und die Temperaturen in Deutschland sind aktuell sogar zu hoch für die Jahreszeit. Glücklicherweise sinken die Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg derzeit deutlich und im Rahmen der Lockerungen ist auch ein Gang in die Freibäder wieder möglich.

Neben den wiedereröffneten Freibädern bieten auch die zehn Badeseen in Baden-Württemberg, die man kennen muss, eine Abkühlung in der aktuellen Hitzewelle. Einige Bürger im Südwesten haben jedoch den Vorteil, einen eigenen Pool im Garten oder auf dem Grundstück zu haben. In Oberried, einer Gemeinde im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald, sollen die Poolbesitzer nun jedoch bei der Stadtverwaltung anmelden, wenn sie ihre Pools mit Wasser füllen, wie die Badische Zeitung berichtet. Grund dafür ist offenbar ein Wassermangel in der Gemeinde. Auf Facebook stieß diese Maßnahme auf Unverständnis.

Baden-Württemberg: Rücksicht auf Wasserknappheit? - Poolbesitzer fassungslos

Die Krise aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg führte zu drastischen Einschränkungen des täglichen Lebens. Unter anderem war der Gang ins Freibad für viele Monate nicht möglich und auch nach den Lockerungen in Baden-Württemberg gilt noch immer eine Testpflicht - zumindest wenn man noch nicht vollständig geimpft ist. Deutlich einfacher ist es, sich im eigenen Pool abzukühlen. Aktuell schaffen sich demnach auch immer mehr Bürger ein eigenes Schwimmbecken an. „Daheim hast du alles und es ist stressfrei“, schrieb eine Nutzerin auf Facebook. „Abends, wenn man von der Arbeit heimkommt, kann man sich abkühlen. Ich finde es super.“

So geht es bei der aktuellen Hitzewelle in Deutschland wohl vielen Bürgern. Aufgrund einer Wasserknappheit sollen die Bewohner in Oberried nun jedoch Rücksicht nehmen. Laut der Badischen Zeitung veranlasste die Verwaltung im Gemeindeblatt, dass Poolbesitzer sich nun anmelden müssen, wenn sie ihren Pool mit Wasser füllen. Grund dafür ist nicht nur die steigende Zahl an privaten Schwimmbecken, sondern auch der Wasserbedarf von Pflanzen und Tieren. Zudem verbrauche ein großes Schwimmbecken auch deutlich mehr Wasser als eine Abkühlung unter der Dusche oder in der Badewanne. Bei den Facebook-Nutzern führt die Maßnahme in Oberried jedoch zu absolutem Unverständnis. „Gehts noch, was soll noch verboten werden?“, fragte eine Nutzerin.

Anmeldepflicht für eigene Pools - „das kann ja jetzt wohl nicht wahr sein!“

Die Trink- und Abwasserpreise in Baden-Württemberg sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Laut dem Portal statistik-bw.de lag der Preis pro Kubikmeter Wasser im Jahr 2010 noch bei 2,39 Euro und im Jahr 2020 bereits bei 3,14 Euro. Bei den Wasserkosten gilt wie auch bei den Strom- oder Gaspreisen, wer mehr verbraucht, muss auch mehr zahlen. Dass Poolbesitzer nun jedoch wegen ihres Wasserverbrauchs Rücksicht nehmen sollen, verärgert viele. „Das kann ja jetzt wohl nicht wahr sein!“, schrieb eine Facebook-Nutzerin. „Früher hatten so ziemlich alle Wohnblocks und Einfamilienhäuser ihre Gärten, angepflanzt mit eigenem Gemüse, die im Sommer morgens und abends gegossen wurden.“

Laut der Userin benötigte eine Poolfüllung auch deutlich weniger Wasser als das Gießen eines großen Gartens. „Ich empfinde es eher als Vorbote, dass man wieder Argumente sammelt, um die Wassergrundgebühren einfach mal so wieder zu erhöhen“, schrieb sie und fügte hinzu: „Mich kotzt diese verlogene Heuchelei immer mehr an.“ Den Gedanken der Nutzerin teilen auch mehrere weitere Kommentatoren auf Facebook. „Die nächste Panikmache, das Wasser wird knapp. Und schwups werden die Gebühren erhöht“, schrieb ein User.

Das man sich bei der aktuellen Hitzewelle in Deutschland abkühlen möchte, ist verständlich. Einen eigenen Pool im Garten haben jedoch noch immer nur die wenigsten. „Wer etwas auf sich hält, hat jetzt einen eigenen Pool im Garten“, schreibt die Badische Zeitung. Das sehen einige Facebook-Nutzer allerdings anders. „Die Aussage, wer was auf sich hält, das ist die absolute Frechheit“, kommentierte eine Userin. Andere Kommentatoren haben für das Problem in Oberried und auch insgesamt jedoch eine andere Lösung. „Ich habe keinen Pool habe aber auch keine Lust wie Sardinen im Schwimmbad zu hocken“, schrieb einer. „Wir gehen an den Bach oder die Rench.“

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