Bewusster Umgang mit Lebensmitteln

Bio-Landwirt fordert: Wer Fleisch isst, muss selbst ein Tier schlachten können

Ein Rind steht in einer Schlachtfalle
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Wer Fleisch isst, muss selbst ein Tier schlachten können, fordert ein Landwirt aus Baden-Württemberg (Symbolbild).
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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In Baden-Württemberg wird noch immer gerne Fleisch gegessen. Wer Fleisch isst, sollte aber auch selbst ein Tier schlachten können, fordert ein Bio-Landwirt - das würde den Konsum deutlich senken.

March - Die deutsche Küche ist traditionell sehr deftig. Dazu gehört neben Kartoffeln auch gerne mal ein Braten und auch beim Grillen sind die Deutschen ganz vorne mit dabei. Auch in Baden-Württemberg gehört Fleisch bei vielen Familien auf den Speiseplan. Die schwäbische Maultasche erobert inzwischen ganz Deutschland. Es gibt zwar vegetarische Alternativen, bei denen die beliebten Teigtaschen mit Gemüse oder Frischkäse gefüllt werden, das klassische Maultaschenrezept beinhaltet jedoch Fleisch. Einer Legende zufolge entwickelten Mönche das Rezept sogar, um von Gott unerkannt auch in der Fastenzeit Fleisch essen zu können.

In der Landeshauptstadt Stuttgart und in ganz Baden-Württemberg gibt es inzwischen eine Vielzahl an vegetarischen oder veganen Restaurants und auch im Supermarkt findet man immer mehr fleischlose Alternativen. Ganz auf Fleisch verzichten wollen viele dennoch nicht. Ein Bio-Bauer aus March im Breisgau fordert jedoch: Wer Fleisch isst, muss auch im Stande sein, ein Tier zu schlachten. Das würde den Konsum deutlich senken, sagte er dem SWR.

Bio-Landwirt aus Baden-Württemberg wünscht sich bewussteren Umgang mit Fleisch

Zum Ende vergangenen Jahres erschütterten mehrere Schlachthof-Skandale Baden-Württemberg. Eine Tierschutzorganisation deckte schockierende Szenen in einem Schlachthof in Gärtringen auf. Wenig später filmte dieselbe Organisation heimlich erschreckende Szenen von Tierquälerei in einem Betrieb in Biberach. Mit den Aufnahmen erwirkte die Organisation zumindest Maßnahmen gegen die Betreiber der Schlachthöfe. Auch einen Bio-Landwirt aus dem Kreis Breisgau-Hochschwarzwald treibt der Tierschutzgedanke an, wie er dem SWR sagte. Er esse zwar selber noch hin und wieder Fleisch, wünsche sich jedoch einen bewussteren Umgang.

Der Landwirt aus Baden-Württemberg baut auf seinem Familienbetrieb unter anderem Soja an, dass dann zu Tofu verarbeitet wird. Tofu wird oftmals als der gängigste Ersatz für Fleischprodukte gesehen. Er selbst esse jedoch nur einmal im Monat Tofu, sagte er dem SWR. „Man braucht nicht unbedingt ein Ersatzprodukt - nur Gemüse und Beilagen gehen auch“, so der Landwirt. Er versucht nach eigenen Angaben seinen Fleischkonsum nach und nach zu senken. „Wirklich Fleisch als Hauptspeise kochen wir vielleicht ein Mal die Woche“, sagte er. „Aber abends zum Vespern so eine luftgetrocknete Salami ist leider geil. [...]. Aber ich schau immer, dass ich entweder Bio-Fleisch habe oder zumindest weiß, wo es herkommt.“

Landwirt findet: Um Fleisch zu essen, „muss man auch ein Tier töten“

Die Entscheidung, weniger Fleisch zu essen, traf der Landwirt aus Baden-Württemberg neben dem Tierschutzgedanken auch noch aus einem anderen Grund. „Erstens muss man dafür auch ein Tier töten, darüber muss man sich im Klaren sein“, sagte er dem SWR. Er könne das als Hobby-Jäger.

Viele Menschen, die gerne Fleisch essen, würden das jedoch eher weniger übers Herz bringen. Die wenigsten denken bei einem saftigen Steak auf dem Teller daran, das dafür ein Tier sterben musste. „Aber wenn man das (ein Tier schlachten Anm. d.Red) nicht kann und trotzdem viel Fleisch isst, finde ich das schon verwerflich“, erklärt der Landwirt.

Insgesamt fordert der Landwirt aus Baden-Württemberg einen bewussteren Umgang mit Lebensmitteln und ganz besonders mit Fleischprodukten. „Jeder trägt die Verantwortung dafür, welche Lebensmittel er kauft, deshalb sollte man darauf achten, woher es kommt.“ Durch erhöhten Fleischkonsum müsse man immer billiger produzieren, um die Nachfrage decken zu können. „Deshalb würde ich mir wünschen, dass bewusster Fleisch gegessen wird.  Und dann würde man auch schnell darauf kommen, weniger zu essen.“ 

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