Archäologen machen Grusel-Entdeckung

Fund am Bodensee: Skelette von mindestens 6 Menschen deuten auf gruselige Praxis hin

  • Marleen van de Camp
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Im Kreis Konstanz in Baden-Württemberg haben Archäologen bei der Voruntersuchung für den Ausbau der Bundesstraße 33 einen unheimlichen Fund gemacht. Nahe des Bodensees tauchten die Skelette von mindestens sechs Menschen auf.

Allensbach/Konstanz/Stuttgart – Im Kreis Konstanz in Baden-Württemberg haben Archäologen bei Voruntersuchungen zum Ausbau der Bundesstraße 33 einen unheimlichen Fund gemacht. In Allensbach fanden sie unweit vom Bodensee die Skelette von mindestens sechs Menschen und das Fundament eines Galgens.

Es handelt wahrscheinlich um eine Hinrichtungsstätte aus der frühen Neuzeit. Die Leichen waren nicht rituell beerdigt, sondern offenbar einfach in sehr flachen Gruben verscharrt worden, sodass sie bei den Grabungen direkt unter der Wiese auftauchten. 

Menschliche Skelette am Bodensee: Archäologen spekulieren über Todesursache

Bei den Toten handele es sich höchstwahrscheinlich um Menschen, die auf der Insel Reichenau im Bodensee verurteilt und dann in Allensbach hingerichtet wurden, sagte der leitende Archäologe des Kreises Konstanz, Jürgen Harald, laut einer Presseerklärung des Landratsamts.

Die Archäologen Fiona Vernon (li.) und Jürgen Hald (re.) legen in Allensbach am Bodensee das Skelett eines auf dem Bauch liegenden Menschen frei, dessen Hände wahrscheinlich hinter dem Rücken gefesselt waren. 

Die Existenz der Hinrichtungsstätte war durch Aufzeichnungen aus dem 16. bis 18. Jahrhundert bekannt. Um 1700 fand dort die letzte Hinrichtung statt. Die Skelette und der Galgen, der laut Harald mindestens 3,5 Meter hoch gewesen sein muss, waren nicht der einzige Fund am Bodensee.

An der Stelle, wo die Bundesstraße 33 ausgebaut werden sollte, fanden die Archäologen unter der Leitung Haralds am 8. April auch Gruben mit verbrannten Knochen. Ein Anthropologe des Amts für Denkmalpflege in Baden-Württemberg mit Sitz in der Landeshauptstadt Stuttgart sagte, die gefundenen Toten seien alle männlich und mindestens 20 Jahre alt gewesen. Über die Todesursache könne man derzeit nur spekulieren. Da Spuren von Gewalteinwirkung nicht zu entdecken seien, vermute er aber, dass die Delinquenten erwürgt, erdrosselt oder gehängt wurden.

Die vollständigen Skelette wurden auf dem Bauch liegend gefunden. Den Archäologen aus Konstanz zufolge weist das darauf hin, dass sie kurz nach ihrem Tod direkt in Allensbach bestattet wurden. Die Hände der Toten vom Bodensee waren auf dem Rücken gekreuzt, was auf Fesselung hindeutet.

Weitere Ansammlungen von Knochen lassen die Experten vermuten, dass einige Leichen länger am Galgen hängen gelassen wurden, bis Teile abfielen und verscharrt wurden. Die Gruben mit den verbrannten menschlichen Knochen, die vor dem Ausbau der Bundesstraße 33 auftauchten, könnten auf einen Scheiterhaufen oder zumindest die Verbrennung einiger Leichen hinweisen. Dem Regierungspräsidium Stuttgart zufolge kommt hat der Fund auch überregional eine hohe wissenschaftliche Bedeutung, da historische Hinrichtungsstätten in Baden-Württemberg bislang kaum mit modernen Methoden untersucht wurden. 

Inzwischen sind weitere Details zu den Skeletten am Bodensee bekannt. Die Knochenfunde deuten auf eine widerwärtige Praxis bei Frauenkörpern hin. Historiker beschäftigten sich mit den Knochenfunden und offenbarten grausame Einzelheiten zu den Hinrichtungen.

Tübinger Archäologen entdecken Skelett eines Waldelefanten aus der Altsteinzeit

Deutlich älter als die sechs menschlichen Skelette von Allensbach ist der Fund, den Tübinger Archäologen im niedersächsischen Schöningen gemacht haben. In einem ehemaligen Braunkohletagebau legten die Forscher der Universität Tübingen das fast vollständig erhaltene Skelett eines eurasischen Waldelefanten frei - mitsamt über 2 Meter langen Stoßzähnen. Das Tier starb vor 300 000 Jahren und teilte sich den Lebensraum mit unserem Vorfahren, dem "Homo heidelbergensis".

Rubriklistenbild: © Landratsamt/Landratsamt Konstanz/dpa/picture alliance

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