Badeunfälle häufen sich

Todes-Wochenende: Fünf Menschen sterben an Badeseen in Baden-Württemberg - schuld ist auch Corona

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In Baden-Württemberg zog es am Wochenende bei hochsommerlicher Temperaturen viele Menschen an Badeseen. Für mehrere Badegäste endete ihr Ausflug allerdings tödlich.

  • Am Wochenende gab es in Baden-Württemberg mehrere Tote an Badeseen.
  • Durch die hochsommerlichen Temperaturen gehen mehr Badegäste auch ins Wasser und verunglücken.
  • Gründe für Notfälle gibt es viele. Auch Leichtsinn und Selbstüberschätzung spielen eine Rolle.

Freiburg - In Baden-Württemberg herrschen momentan hochsommerliche Temperaturen deutlich über 30 Grad. Viele Menschen zieht es deshalb zu nahegelegenen Badeseen oder Freibädern. Aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg war dieser Andrang vor allem wegen der bestehenden Schutzmaßnahmen problematisch. Im Kreis Esslingen sperrte eine Gemeinde einen überfüllten Badesee - die Besucher drängten aber trotzdem aufs Gelände.

Auch an anderen Badeseen in Baden-Württemberg ist es aufgrund der Menschenmassen schwierig, den Mindestabstand einzuhalten. Ein Strandbad am Bodensee stellt den Mindestabstand jetzt mit einer radikalen Lösung sicher. Mit weißer Kalkfarbe ist die Liegewiese ab sofort in Quadrate unterteilt.

Der Ausnahmezustand durch das Coronavirus in Baden-Württemberg lenkt dabei von einem anderen, sehr gravierenden Problem ab: Besonders in Badeseen ertrinken immer wieder Badegäste. Nach dem tragischen Tod einer 8-Jährigen musste sich ein Seebad kürzlich gegen Vorwürfe wehren. Am Wochenende kam es an Seen in ganz Baden-Württemberg zu mehreren tödlichen Badeunfällen. Fünf Menschen starben.

Badeseen in Baden-Württemberg: Fünf Menschen sterben bei Unfällen

Bereits am Samstag endete ein Badeausflug im Ortenaukreis tragisch. Eine 19-Jährige starb trotz Reanimation nach einem Badeunfall am Waldmattensee in Lahr. Wie genau die junge Frau verunglückte, ist noch unklar - die Frau war Nichtschwimmerin. Die Polizei geht allerdings von einem Unfall aus. In nur etwa sechs Kilometer Entfernung verunglückte am Sonntag ein weiterer Schwimmer tödlich. Der 48 Jahre alte Mann trieb um 23 Uhr leblos an der Wasseroberfläche im Kappeler Baggersee, nachdem Bekannte ihn zwei Stunden lang gesucht hatten. Wiederbelebungsmaßnahmen blieben vergeblich. Auch hier sind die genauen Umstände noch ungeklärt, die Polizei geht ebenfalls von einem Unfall aus.

Badeunfälle in Baden-Württemberg: Wegen der Hitze zieht es zahlreiche Menschen an und vor allem in die Seen - die Zahl der tödlichen Unfälle steigt (Symbolbild).

Ein dritter Todesfall ereignete sich am Samstag im Rhein-Neckar-Kreis. Ein 52-Jähriger konnte nur noch leblos aus einem Badesee in St. Leon-Rot geborgen werden. Zeugen hatten beobachtet, wie der Mann kurz zuvor noch Wasserski gefahren war.

Im Kreis Sigmaringen führte wahrscheinlich ein medizinisches Problem zum Tod eines Badegastes. Ein 49 Jahre alter Mann stieg zunächst in einem See bei Krauchenwies, trieb kurz darauf dann aber leblos an der Oberfläche. Der Mann konnte zwar noch in ein Krankenhaus gebracht werden, starb dort allerdings. Welches medizinische Problem der 49-Jährige hatte, ist noch unklar - es führte aber wohl zu einem Kreislaufstillstand im Wasser.

Ein weiterer verunglückter Badegast konnte ebenfalls noch in eine Klinik in Freiburg gebracht werden, wo er allerdings am Montagmorgen starb. Der 30-Jährige hatte am Sonntag einen Baggersee in Malterdingen besucht. Der Nichtschwimmer war allein mit einer Luftmatratze auf dem See unterwegs. Später entdeckten seine Begleiter nur die Luftmatratze auf dem See. Rettungskräfte fanden den verunglückten Mann etwa 15 Meter vom Ufer entfernt.

Badeunfälle an Seen in Baden-Württemberg: Verschiedene Gründe sorgen für lebensgefährliche Situationen

Fünf Tote an einem Wochenende - das ist eine grausige Bilanz. Doch warum häuften sich die Todesfälle? In Deutschland sind laut Deutscher Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) 2019 mindestens 417 Menschen ertrunken - 87 Prozent davon in Binnengewässern. „Flüsse, Seen oder Kanäle sind nach wie vor die größten Gefahrenquellen. Nur vergleichsweise wenige Gewässerstellen werden von Rettungsschwimmern bewacht. Das Risiko, dort zu ertrinken, ist deshalb um ein Vielfaches höher als an Küsten oder in Schwimmbädern“, chreibt Achim Haag, Präsident der Wasserretter.

Hochsommerliche Temperaturen, wie sie momentan auch wieder in Baden-Württemberg herrschen, wirken sich dabei eher indirekt auf die Zahl der tödlichen Badeunfälle aus. Laut DLRG entscheiden sich bei Hitze schlichtweg mehr Menschen, nicht nur am See zu entspannen, sondern auch schwimmen zu gehen. Im Juni, Juli und August 2019 ereigneten sich so mehr als die Hälfte der tödlichen Wasserunfälle des vergangenen Jahres.

Verschärft wird diese Situation noch durch das Coronavirus in Baden-Württemberg. Weil Freibäder nur begrenzt Badegäste einlassen, Badeseen aber öffentlich zugänglich sind, steigen dort die Besucherzahlen. Das erklärte Bastian Sturm, stellvertretender Leiter Einsatz im DLRG Landesverband Württemberg e. V. gegenüber BW24. An Badeseen lauern allerdings deutlich mehr unterschätzte Gefahren als in Schwimmbädern, so zum Beispiel Strömungen oder sehr trübes Wasser. Wenn ein Schwimmer untergeht, ist er dadurch nach kurzer Zeit fast unauffindbar.

Leichtsinn oder Selbstüberschätzung seien hingegen ein Problem, das jedes Jahr beobachtet würde und nicht zugenommen hätte, so Bastian Sturm. Hinzu kämen Trend-Sportgeräte wie das Stand-Up-Paddle, die sich inzwischen jeder günstig beim Discounter kaufen könne, ohne wirklich geübt im Umgang damit zu sein.

Rubriklistenbild: © picture alliance/Philipp von Ditfurth/dpa

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