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Auch nach Corona-Pause wird Fronleichnam mit Hindernissen gefeiert

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„Wir haben doch genug Jungs“, so antworte der Pfarrer auf die Frage unserer Interviewpartnerin, als sie im Alter von zehn Jahren Messdienerin werden wollte. Immerhin hier hat sich etwas bewegt. Das Foto entstand bei einer Eucharistiefeier zu Fronleichnam auf dem Augustusplatz in Leipzig im Jahr 2026.
Jahr für Jahr ziehen die traditionellen schwimmenden oder sehr großen Blumenteppiche Tausende von Menschen am Fronleichnamstag an. © Sebastian Willnow/dpa

Mit Blumenteppichen und Prozessionen feiern Katholiken im Südwesten Fronleichnam. Jahr für Jahr. Eigentlich. Aber in den vergangenen Jahren mussten die traditionellen Züge durch die Straßen der Pandemie weichen - und auch dieses Jahr läuft nicht alles nach Plan.

Mühlenbach (dpa/lsw) - Jahr für Jahr ziehen die traditionellen schwimmenden oder sehr großen Blumenteppiche Tausende von Menschen am Fronleichnamstag an. Nach zwei Jahren Corona-Zwangspause hatten vor allem die kleinen Gemeinden gehofft, wieder mit Prozessionen durch die Orte ziehen zu können. Aber auch in diesem Jahr müssen Orte wie Mühlenbach und Hüfingen kürzer treten, während Sipplingen am Bodensee den größten Festtag im Ort am Donnerstag wieder feiern kann, wie es das einst gewohnt gewesen ist.

«Das Fronleichnamsfest wird in diesem Jahr wieder in althergebrachter Weise gefeiert», teilte die Gemeinde mit. Zur Prozession legen die Sipplinger einen der längsten Blumenteppiche weit und breit aus. Am Fronleichnamstag soll sich die Hauptstraße des Ortes ab den Morgenstunden in ein Blütenmeer mit einem 600 Meter langen Blumenteppich auf dem Asphalt verwandeln. Auch die Sipplinger Bürgermiliz ist mit dabei, Spielmannszug, Kapelle und Mannschaft haben am Donnerstag ihren großen Auftritt, es wird historische Uniformen, Musik und Salutschüsse geben.

In Hüfingen (Schwarzwald-Baar-Kreis) musste das Pfarramt hingegen vor einer Woche auf die Bremse treten. «Aufgrund der fortgeschrittenen Vegetation ist es dieses Jahr leider nicht möglich, den großen durchgehenden Blumenteppich zu legen», teilte es mit. Ganz verzichtet wird allerdings nicht auf die Tradition: Wenigstens die vier Altarbilder sollen gelegt werden. Es ist nicht das erste Mal, dass den Hüfingern die Natur dazwischenkommt: Schon im Jahr 2019 waren die benötigten Wiesenblumen, die die Kommune bereits vor vielen Jahren auf Brachflächen und an Straßenrändern gesät hatte, schon vor dem Feiertag verblüht.

Auch in Mühlenbach wird es – wie schon in den beiden Corona-Jahren 2020 und 2021 - keinen großen Blumenteppich durch das ganze Dorf geben. Es sei nur eine normale Prozession mit vier Stationen vorgesehen, sagte eine Mitarbeiterin des Pfarrbüros. Es gebe keine ausreichende Zahl an helfenden Händen, um den landesweit bekannten Blumenteppich zu kleben und zu legen. Viele Anwohner entlang des Weges seien fortgezogen, andere im Urlaub, zu jung oder auch zu alt, um sich noch auf den Boden knien und arbeiten zu können. Es werde diskutiert, ob man die Organisation für den Blumenteppich im kommenden Jahr abgeben könne, hieß es.

In einer Prozession ziehen die Menschen in Weingarten (Kreis Ravensburg) in diesem Jahr wieder durch die Straßen. «Endlich ist es wieder möglich: Das gemeinsame Fronleichnamsfest aller drei katholischen Kirchengemeinden in Weingarten», freut sich die Katholische Kirchengemeinde St. Martin vorab. Anwohner sollten ihre Häuser schmücken und Kinder Blumen streuen.

In besonderem Ambiente feiern jedes Jahr Katholiken der Seelsorgeeinheit Bottwartal. Ihre Prozession führt auch in diesem Jahr durch den Park der Burg Schaubeck (Kreis Ludwigsburg). Nach Angaben von Pius Angstenberger, dem Leitenden Pfarrer der Seelsorgeeinheit Bottwartal, sind auch zwei Blumenteppiche geplant.

Mehrsprachig feiern die Gläubigen am Donnerstagvormittag in Mannheim: Vor der St. Sebastians-Kirche wird die Tradition des Blumenteppichs aufgegriffen, die Monstranz wird über den zentralen Marktplatz getragen und jede Pfarrei der Seelsorgeeinheit Mannheim Johannes XXIII. und der muttersprachlichen katholischen Missionsgemeinden verliest je eine Fürbitte in der Landessprache.

Im Mittelpunkt des katholischen Hochfestes Fronleichnam am zweiten Donnerstag nach Pfingsten steht die Eucharistie - die Umwandlung von Brot und Wein in Leib und Blut Christi. Der vor etwa 750 Jahren entstandene Name bedeutet «Leib des Herrn». Das Fronleichnamsfest geht auf eine Vision der Nonne Juliane von Lüttich im Jahr 1209 zurück. Papst Urban IV. machte es 1264 zum allgemeinen Kirchenfest. In vielen Pfarrgemeinden wird seit dem 13. Jahrhundert bis heute bei Fronleichnamsprozessionen die geweihte Hostie als Leib Christi durch die Straßen getragen.

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