AKW Neckarwestheim II

Rohre verrostet: Gutachter fordern, Atomkraftwerk Neckarwestheim sofort abzuschalten

Das Atomkraftwerk Neckarwestheim vor blauem Himmel, aus dem Kühlturm von Block zwei steigt Dampf auf.
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Das Atomkraftwerk Neckarwestheim II ist laut Gutachtern gefährlich: Aufgrund rostender Rohre sei ein schwerer Unfall möglich.
  • Sabrina Kreuzer
    vonSabrina Kreuzer
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Das Kernkraftwerk Neckarwestheim II soll noch bis Ende 2022 Strom erzeugen. Doch ein Gutachter warnt: Bei dem Kraftwerk könnte es jederzeit zu einem Unfall kommen.

Heilbronn - Das Kernkraftwerk Neckarwestheim II ist mittlerweile 32 Jahre alt und soll eigentlich noch bis Ende nächsten Jahres Strom erzeugen - das Kraftwerk Neckarwestheim I wurde bereits stillgelegt. Dabei kam schon bei einer Prüfung des AKW Neckarwestheim II im Juli 2020 heraus, dass Rohre mit radioaktivem Wasser stark rosten. Die Korrosionsschäden an den Dampferzeugern führten bereits dazu, dass radioaktives Wasser austreten konnte. Das Umweltministerium beruhigte die Bürger nach einer Prüfung: Es gebe keine Sicherheitsbedenken.

Doch laut SWR-Informationen widerspricht die Einschätzung des baden-württembergischen Umweltministeriums einer Aussage von Dieter Majer. Der Leiter der Abteilung „Sicherheit kerntechnischer Einrichtungen“ im Bundesumweltministerium sagt, bereits im Jahr 2018 seien die Rohre im Kernkraftwerk Neckarwestheim II von „interkristalliner Spannungskorrosion“ betroffen gewesen. Diese Rohre führen radioaktives und unter extrem hohem Druck stehendes Wasser.

AKW Neckarwestheim: Bürgerinitiative und Gutachter fordern sofortige Schließung

Was bedeutet das nun für das Kernkraftwerk Neckarwestheim II? Diese Spannungskorrosion sei eine spezielle Art der Korrosion, die es nicht ermögliche, eine Vorhersage zu treffen, wann ein Rohr tatsächlich zu brechen droht, heißt es von den Gutachtern. Sollte das Rohr also brechen, könnten größere Mengen des radioaktiven Wassers in die Umwelt geraten. Es könne zu einem schweren Unfall kommen, warnt der Experte. Gutachter Dieter Majer hat deshalb eine klare Forderung: Neckarwestheim II soll sofort abgeschaltet werden. Das fordert auch die „Bürgerinitiative Ausgestrahlt“, die das Gutachten bei Majer in Auftrag gegeben hatte.

Dem Umweltministerium lägen bisher keine Unterlagen zur Neubewertung des Problems im Kernkraftwerk Neckarwestheim II vor, berichtet der SWR. Der Gutachter und Kraftwerksexperte Dieter Majer sieht jedoch dringenden Handlungsbedarf: Das Umweltministerium stütze sich auf Gutachten, die alle nicht nachgewiesen hätten, dass die Sicherheit des Kraftwerks garantiert ist. Es sei möglich, dass das Rohr ohne weitere Vorwarnung brechen könnte.

Gutachter warnt vor Gau im Atomkraftwerk Neckarwestheim II

Majer warnt daher eindringlich: „Wenn wir einen totalen Rohrabriss haben, dann haben wir einen massiven Übertritt vom Primärkreis, der hoch radioaktiv ist, zum Sekundärkreis, der nicht radioaktiv sein darf, weil von dort nach außen Öffnungen bestehen.“ Im Atomkraftwerk Neckarwestheim II könne es in diesem Fall zu Störfällen bis hin zum Super-Gau kommen. 

Wie das Umweltministerium auf die Anfrage des SWR und das Gutachten des Kernkraftexperten reagiert, bleibt abzuwarten. Eventuell steht dem Kernkraftwerk Neckarwestheim II eine frühere Stilllegung bevor. Erst 2019 war das Kraftwerk Philippsburg bei Karlsruhe geschlossen worden. Die Sprengung der Türme hatte eine Drohne aufgezeichnet - das Video sorgte für Gänsehaut.

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