Bei Vermisstensuche

Anwohner blockiert Notruf wegen Lärmbelästigung - nun droht eine Anzeige

Jemand wählt auf einem Smartphone die Notrufnummer.
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Dass Menschen den Notruf wählen, es aber keinen Notfall gibt, kommt öfter vor.
  • Berkan Cakir
    vonBerkan Cakir
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Ein Hubschrauber kreist in der Nacht im Rems-Murr-Kreis. Ein Anwohner, der sich vom Lärm belästigt fühlt, wählt den Notruf. Das könnte nun Folgen haben.

Weinstadt - Ein Senior war in der Nacht von Dienstag, 25. Mai, auf Mittwoch von einem Gartengrundstück in Weinstadt im Rems-Murr-Kreis* (BW24* berichtete) verschwunden. Weil die Polizei nicht ausschließen konnte, dass sich der 83-Jährige in einer hilflosen oder gefährlichen Lage befand, suchten sie nach dem Vermissten auch per Hubschrauber.

20 Minuten lang dauerte der Flug des Polizei-Helikopters über der Stadt mit rund 26.000 Einwohnern, der für diese Art der Einsätze immer am Flughafen Stuttgart* startet. Der Heli gehört zum Typ H 145, und gehört damit zu den neueren, leiseren Modellen. Dennoch sorgt der Rotor für viel Lärm.

Weil sich einige Einwohner mitten in der Nacht dadurch belästigt fühlten, verständigten sie die Polizei, um sich zu beschweren. „Dass Anwohner sich besonders nach nächtlichen Hubschraubereinsätzen beklagen, kommt immer wieder vor“, sagt Rudolf Biehlmaier, Sprecher der Polizei Aalen der Stuttgarter Nachrichten.

Der Einwohner nutzt den Notruf - und begeht damit einen Fehler

Allerdings beging einer der Einwohner einen Fehler. Er nutzte für die Beschwerde den Notruf - wählte also die 110, womit er sich strafbar gemacht haben könnte. Das Strafgesetzbuch sieht vor, dass der Notruf nicht missbraucht wird. Ob dies in dem Fall des Weinstädters zutrifft, hat nun die Staatsanwaltschaft zu prüfen. Dem Anrufer drohen eine Geldstrafe oder bis zu ein Jahr Haft.

Der Grund: „Wenn bei nächtlichen Einsätzen unsere Polizeiführer vom Dienst, die die Notrufe bearbeiten, gleichzeitig Anfragen oder Beschwerden entgegennehmen müssen, werden sie teilweise massiv in ihrer Arbeit aufgehalten“, erklärt Polizeisprecher Rudolf Biehlmaier. Zudem würde die Leitung blockiert werden und eventuell wirklich hilfsbedürftige Menschen nicht zur Polizei durchkommen.

Der Vermisste wurde nach Mitternacht wohlbehalten wieder gefunden

Der vermisste 83-jährige Weinstädter wurde letztlich noch in derselben Nacht gefunden - allerdings nicht vom Helikopter. Streifenpolizisten entdeckten den Mann wohlbehalten gegen 0.30 Uhr. Der Einsatz des Helikopters sei laut des Polizeisprechers aber zuvor als nötig erachtet worden.

„Wir setzen die Hubschrauber nur ein, wenn es nicht anders geht. Und ein Menschenleben zu retten, ist unserer Meinung nach als wichtiger anzusehen als die Nachtruhe einzelner Personen“, so Rudolf Biehlmaier. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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