Folgen des Ukraine-Kriegs

Angriffe auf Rathäuser und Krankenhäuser: Baden-Württemberg verstärkt Systeme gegen Cyberattacken aus Russland

Ein Mann sitzt vor einem Laptop.
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Die Zahl der Cyberangriffe in Baden-Württemberg ist alarmierend gestiegen. Hinzu kommt, dass die Attacken aus Russland sich nun häufen könnten (Symbolbild).
  • Nadja Pohr
    VonNadja Pohr
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Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik warnt vor verstärkten Cyberattacken aus Russland. Institutionen in Baden-Württemberg verstärken daher ihre Systeme.

Stuttgart - Eine kürzlich veröffentlichte Kriminalstatistik des Landes Baden-Württemberg* zeigt, dass die Zahl der Cyberangriffe alarmierend gestiegen ist. Im Jahr 2021 wurden mit knapp 11.000 Straftaten aus dem Bereich Cybercrime so viele Fälle wie noch nie registriert. Im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine warnt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) nun vor verstärkten Angriffen aus Russland.

So erklärt Jens Bodo Koch, Chef des Rüstungsunternehmen Heckler & Koch, dass die Gefahr für Cyberangriffe hoch ist (BW24* berichtete). Die Angriffe erfolgten laut Koch aus der ganzen Welt, „aber es gibt Schwerpunkte“, sagte er in einem Interview. Ob es sich dabei um Attacken aus Russland handele, ließ er auf Nachfrage offen.

Cyberattacken in Baden-Württemberg richten sich an Rathäuser, Stadtwerke oder Krankenhäuser

Doch nicht nur Unternehmen aus der Wirtschaft in Baden-Württemberg* waren in den vergangenen Jahren von Cyberangriffen betroffen, auch Behörden und öffentliche Institutionen sind vor diesen Attacken nicht sicher. Besonders in diesem Bereich sind die Vorkehrungen oftmals ungenügend.

Klaus Eder, Landesvorsitzender des Verbandes der kommunalen Unternehmen, berichtet, dass Behörden nun alles täten, „um die kritischen Infrastrukturen bestmöglich vor Cyberangriffen zu schützen.“ Rathäuser, Stadtwerke, Krankenhäuser oder Wasserversorger seien schon vor Russlands Angriff auf die Ukraine Opfer von Cyberattacken geworden. Nach der Warnung des BSI würde der Städtetag Baden-Württemberg sich jetzt umso mehr bemühen, für die Rathäuser in Baden-Württemberg, „resiliente Systeme zu schaffen“, wie die stellvertretende Hauptgeschäftsführerin Susanne Nusser mitteilte.

Zuletzt wurde im Januar 2022 der Klinikverbund Friedrichshafen-Tettnang (Bodenseekreis) mit einer Schadsoftware angegriffen. Unter anderem brach die IT zusammen und Operationen mussten tagelang ausgesetzt werden. Ähnliches passierte dem SRH-Klinikverbund im September 2021, wovon auch sieben Krankenhäuser in Baden-Württemberg betroffen waren. Sebastian Schreiber, Chef des Tübinger Sicherheitsunternehmens Syss, kritisiert: „Verschiedene Klinikchefs haben noch immer nicht begriffen, dass sie auch IT-Unternehmen sind“ - dementsprechend anfällig sind sie für solche Cyberattacken.

Bei Cyberattacken geht es nicht immer nur um Geldforderungen

Laut dem Landeskriminalamt Stuttgart* handelt es sich bei den Angreifern um „überwiegend monetär orientierte Tätergruppen“. Dennoch stehen bei Cyberattacken nicht immer Geldforderungen im Vordergrund. Bei einem Angriff im Februar auf die Instagram-Accounts städtischer Kunstmuseen - unter anderem auch auf die des Kunstmuseums Stuttgart, des Schauwerks Sindelfingen und des Museums Ulm - strebten die Angreifer lediglich eine Störung an.

Das Landeskriminalamt mahnt eingehend, Cyberangriffe aus Sorge ums Image nicht zu verschweigen oder sogar heimlich Erpressergeld zu bezahlen. Dies könnte womöglich die allgemeine Bedrohungslage verschärfen. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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