Gedankenlos gehandelt

„Merkels Fachkräfte bei der Arbeit“: Rassistisches Chat-Video hat für Polizist Folgen

  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
    schließen

Seit Montag steht ein Polizist aus dem Kreis Ludwigsburg in Heilbronn vor Gericht. Er soll in einem Chat-Programm ein rassistisches Video veröffentlicht haben.

Ludwigsburg - Vor dem Amtsgericht Heilbronn muss sich seit Montag, dem 19. Oktober, ein Polizist aus Steinheim an der Murr (Kreis Ludwigsburg) verantworten. Angeklagt ist der 56-Jährige wegen Volksverhetzung. Den Vorwurf bestreitet der Angeklagte jedoch, wie der SWR am Montag berichtete. Er habe vor Gericht jedoch zugegeben, ein fremdenfeindliches Bild und ein Video in seinem WhatsApp-Status veröffentlicht zu haben.

Das betreffende Video des Beamten der Polizei in Ludwigsburg zeigt einen Farbigen, der offenbar mit einem Holzstück Autoscheiben einschlägt. Im Untertitel war nach Angaben des Amtsgerichts Heilbronn zu lesen: „Merkels Fachkräfte bei der Arbeit“. Nach dem Video sei das Logo des Rüstungskonzerns Heckler & Koch zu sehen gewesen, zusammen mit der Botschaft: „Es gibt Probleme, die kann nur Heckler & Koch lösen“, wie t-online.de berichtete. Der Vorfall ereignete sich nach Angaben des SWR im Juli des vergangenen Jahres. Daneben habe der Angeklagte auch weitere Bilder und Videos mit rassistischem Inhalt veröffentlicht.

Ein rassistisches Video wie dieses mit der Unterschrift „Merkels Fachkräfte bei der Arbeit“ hat für einen Polizisten Folgen

Amtsgericht Heilbronn: Polizist hat nach eignen Angaben gedankenlos gehandelt

Vor dem Amtsgericht Heilbronn sagte der angeklagte Polizist nach Angaben des SWR, er habe gedankenlos gehandelt. Das Video sei weder ausländerfeindlich gemeint gewesen, noch habe er zu Gewalt aufrufen wollen. Die Einblendung des größten Waffenherstellers der Welt, Heckler & Koch wurde vom Gericht als Aufruf zur Gewalt an Migranten aufgefasst. Der Angeklagte selbst habe nach eigenen Angaben in seiner Kindheit unter der Gewalt durch seinen alkoholkranken Vater gelitten. Laut dem SWR erklärte der Polizist außerdem, dass sowohl seine Lebensgefährtin als auch vieler seiner Freunde Ausländer seien.

Zu der Verhandlung vor dem Amtsgericht Heilbronn kam es nach einer Anzeige durch einen Arbeitskollegen. Laut Angaben des SWR habe man das Handy des Angeklagten beschlagnahmt und ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Das sei jedoch noch nicht abgeschlossen.

Ein Strafbefehl von 50 Tagessätzen von je 90 Euro gegen den Polizisten aus dem Kreis Ludwigsburg ist bereits gültig. Der Angeklagte widersprach dem jedoch. Eine bevorstehende Beförderung wurde durch das Verfahren auf Eis gelegt, der Mann wechselte auf eigenen Wunsch die Dienststelle, wie das SWR berichtete. Die Verhandlung wird im November fortgesetzt.

Nach den Ausschreitungen in Stuttgart sorgte ein Video eines Polizisten ebenfalls für Rassismus-Vorwürfe. In dem Video zeigt der Polizist die Ausmaße der Krawall-Nacht und bezeichnet die Täter als „Kanaken“. Die Polizei ermittelte anschließend in den eigenen Reihen.

Rubriklistenbild: © Screenshot: Youtube/Konrad Rawall

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare