Sauerstoff für Kolonisten

Airbus enthüllt große Pläne, um Besiedlung des Mondes möglich zu machen

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Airbus baut nicht nur Flugzeuge, sondern beschäftigt sich auch mit Raumfahrt. Der Konzern träumt von Kolonisten auf dem Mond - und hat dafür jetzt einen wichtigen Grundstein gelegt.

Friedrichshafen - Der Weltraum fasziniert den Menschen schon immer. Doch seine Weiten und die darin enthaltenen Ressourcen haben Interessen geweckt. Auch private Unternehmen greifen inzwischen nach den Sternen, zum Beispiel Airbus.

Der Konzern baut nicht nur Flugzeuge, sondern ist neben der Rüstungsindustrie auch in der Raumfahrt vertreten. Der Airbus-Standort in Friedrichshafen hat jetzt eine Technologie entwickelt, die besonders für die Erforschung und Besiedlung unseres Mondes relevant ist.

Airbus greift nach dem Mond: Konzern erforscht Technologie, die Kolonisation ermöglicht

Dabei sehen es Experten durchaus kritisch, wenn private Unternehmen Wissenschaft betreiben. So warnte ein KIT-Forscher vor Elon Musks Plänen. Der exzentrische Tesla-Gründer will mit seinem Raumfahrtunternehmen SpaceX nicht auf den Mond, sondern gleich auf den Mars. Der Forscher des KIT sieht in der Macht einzelner Unternehmer aber eine Gefahr.

Airbus konzentriert sich mit seiner Forschung bei der Raumfahrt dagegen auf die nähere Umgebung der Erde. Der Konzern träumt von einer Kolonisation des Mondes. Doch auf Dauer ist der Satellit der Erde lebensfeindlich. Extra Ressourcen zum Mond zu fliegen, damit Forscher dort längere Zeit aushalten, wäre aber viel zu teuer, erklärte Airbus-Projektleiter Achim Seidel der dpa.

Stattdessen möchte Airbus für das Überleben von Astronauten Sauerstoff aus Mondstaub extrahieren - und hatte damit jetzt erstmals Erfolg. Im Labor in Friedrichshafen konnte das Unternehmen Mondstaub trennen, um daraus Sauerstoff zu gewinnen, Zuvor war das auch schon der europäischen Raumfahrtagentur Esa gelungen. Auch in Stuttgart wird beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt der Weltraum erforscht. An der Uni Stuttgart kann man sogar Luft- und Raumfahrttechnik studieren.

Sauerstoff für Kolonisten: Airbus extrahiert lebenswichtiges Gas aus Mondstaub

Der Mondstaub wird in der Fachwelt Regolith genannt und besteht etwa zur Hälfte aus Sauerstoff, so Achim Seidel zur dpa. In dem feinen Sand sei die lebenswichtige Ressource chemisch an Metalle gebunden und könne durch ein Verfahren mit geschmolzenem Salz und Strom getrennt werden.

Technik von Airbus: Die Anlage soll Sauerstoff aus Mondstaub extrahieren und so Astronauten mit Luft zum Atmen versorgen (Computergrafik).

Das Ziel von Airbus wie auch der Esa ist es, möglichen Mondkolonisten Luft zum Atmen zu verschaffen. Die Airbus-Anlage namens „Roxy“ komme völlig ohne Hilfsstoffe aus. Der Sauerstoff falle in reiner Form an und müsse nicht weiter aufbereitet werden. Wie die Esa schreibt, besteht Mondstaub aus scharfkantigen, rauen und schadhaften Partikeln. Es sei noch nicht ganz geklärt, ob Mondstaub in Reinform auch giftig für den Menschen sein kann.

Mondstaub: Airbus interessiert sich auch für eine weitere Anwendung der Ressource

Airbus erforscht den Mondstaub seit zwei Jahren gemeinsam mit Wissenschaftlern des Fraunhofer-Instituts für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung Dresden und internationalen Einrichtungen. Dabei hat Airbus noch eine weitere Anwendung des Mondstaubs entdeckt.

Bei der Gewinnung von Sauerstoff falle demnach auch brennbarer Metallstaub an, der sich für die Herstellung von Raketentreibstoff eigne. Das wäre einerseits bei der Kolonisation des Mondes hilfreich. Andererseits hat es auch einen Beigeschmack angesichts der Tatsache, dass Airbus auch im Bereich Rüstung aktiv ist.

Die Sauerstoff-Produktion im Labor war für Airbus allerdings erst der Anfang. Mitte der 2020er-Jahre soll ein kleinerer Prototyp der Anlage auf den Mond geschickt werden, um unter Realbedingungen - bei Hitze, Kälte und Strahlung - Sauerstoff zu produzieren. „Der nächste Schritt wäre dann eine Sauerstoff-Fabrik auf dem Mond, die in größeren Mengen produziert“, so Achim Seidel. Doch das werde noch Jahre dauern.

Rubriklistenbild: © picture alliance/Julian Stratenschulte/dpa

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