1. bw24
  2. Baden-Württemberg

Tod des AfD-Abgeordneten Grimmer: Partei verschwieg, dass Politiker an Corona verstorben ist

Erstellt:

Von: Franziska Vystrcil

Kommentare

AfD-Landtagsabgeordneter Bernd Grimmer
Der AfD-Abgeordnete Bernd Grimmer starb am 19. Dezember an den Folgen einer Coronainfektion. © Bernd Weißbrod/dpa

Nach seinem Corona-Tod wird der Pforzheimer Stadtrat Bernd Grimmer von der AfD als Held gefeiert. Die Todesursache verschwieg die Partei bislang jedoch. Bis jetzt.

Pforzheim - Das Coronavirus in Baden-Württemberg hat schon viele Menschen das Leben gekostet. Der Tod des ungeimpften AfD-Abgeordneten Bernd Grimmer sorgte jedoch bei Impfgegnern als auch bei Impfbefürwortern für besonders viel Aufsehen.

Der baden-württembergische AfD-Landtagsabgeordnete verstarb in der Nacht zum Sonntag (19. Dezember) an einer Infektion mit dem Coronavirus. Drei Wochen lang kämpfte der Politiker gegen die Infektion an. In der Vergangenheit hatte sich Bernd Grimmer wiederholt kritisch über die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie geäußert und das Virus verharmlost. Seine Parteikollegen heroisierten Grimmer, bezeichneten ihn als „Held der Freiheit“, weil er sich gegen eine Impfung entschied.

Dass der 71-jährige Abgeordnete aus Baden-Württemberg an den Folgen von Corona starb, verschwieg die AfD in ihren Trauerbekundungen allerdings. Der Anti-Fake-Newsblogg „Volksverpetzer“ übte daraufhin Druck auf die Partei aus. Die reagierte nun.

Volksverpetzer konfrontiert AfD: „Kein Mut zur Wahrheit?“

In einem Tweet kritisierte „Volksverpetzer“ die Vorgehensweise und den Umgang mit dem Tod von Bernd Grimmer. „Der ungeimpfte AfD-Abgeordnete Grimmer starb an Corona, nachdem er gegen die „Panikmache“ der Maßnahmen gewettert hatte und Corona verharmloste. Eine Information, die aber in den Trauerbekundungen der AfD verschwiegen wird. Kein ‚Mut zur Wahrheit‘?“, twitterte die Seite.

Offenbar erreichte die Kritik auch die AfD Stuttgart, denn plötzlich findet Grimmers Todesursache doch Erwähnung. Doch erneut wird der AfD-Politiker als Held dargestellt. Seine Entscheidung gegen eine Impfung macht ihn für die AfD zum Vorbild. „Er wollte nicht zum Versuchskaninchen von Pharmalobby und Altparteien Politiker degradiert werden“, schreibt die AfD Stuttgart in einem Facebookpost. Und weiter: „Die alleinige Ursache seines Todes mit einer nicht-stattgefundenen Spritz-Injektion zu begründen, stellt eine reine Mutmaßung dar.“

AfD-Pressesprecher bleibt dabei: „Man kann mit Impfung sterben, man kann ohne Impfung sterben“

Thomas Hartung, Pressesprecher der AfD-Fraktion im Landtag, äußerte sich genauso fatalistisch zu Bern Grimmers Tod. „Man kann mit einer Impfung sterben, man kann ohne eine Impfung sterben“, so der Sprecher laut Stuttgarter Zeitung. Ein Freiburger Politologe ist unterdessen überzeugt: Die AfD will Kapital aus Anti-Corona-Protest schlagen. Die Unzufriedenheit der Menschen mit der Corona-Politik und die Kritik an vermeintlichen Übergriffen staatlicher Institutionen greife die AfD auf, um sich als Sprachrohr des Volkes darstellen und Wählerstimmen hinzugewinnen zu können, so der Politikwissenschaftler Michael Wehner gegenüber der Deutschen Presse Agentur.

Der Pforzheimer Stadtrat Bernd Grimmer hatte von Anfang an eine klare Position gegen das Impfen bezogen. Auch gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie wehrte er sich. „Das Corona-Regime hierzulande kann nur noch als krank bezeichnet werden“, schrieb er beispielsweise auf Facebook.

Auch nach der Coronaerkrankung des AfD-Politikers Thomas Seitz leugneten er und die Partei die Pandemie weiterhin. Seitz landete auf der Intensivstation, kritisierte die Eindämmungsmaßnahmen aber weiterhin.

Auch interessant

Kommentare