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Freiburger sind sauer, weil Parken jetzt zwölfmal so viel kostet: „Das ist ja wahnsinnig“

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Von: Franziska Schuster

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Geparkte Autos stehen in einem Anwohnerparken-Bereich.
Anwohnerparken wird in Freiburg deutlich teurer. Viele Freiburger verärgert die Erhöhung der Gebühren (Symbolbild) © IMAGO / Bild13

Ab 1. April müssen Anwohner in Freiburg für Parkausweise zwölfmal so viel bezahlen, wie bisher. Der Frust sitzt bei vielen Einwohnern tief.

Freiburg - Seit Dezember 2021 war es beschlossene Sache, nun wird es wahr: In Freiburg werden die Gebühren zum 1. April für das Anwohnerparken drastisch angehoben. Baden-Württemberg hatte den Weg dafür rechtlich bereits freigemacht, jetzt machen viele Städte im Südwesten ernst und verteuern das Parken spürbar.

In Freiburg ist der Sprung nach oben jedoch extrem. Je nachdem, wie lang das Fahrzeug ist, kostet der Jahresparkausweis ab dem 1. April zwischen 240 Euro und 480 Euro. Bislang waren pauschal 30 Euro im Jahr fällig. Somit kostet Parken für Anwohner im Schnitt zwölfmal so viel wie zuvor. Solch eine drastische Erhöhung geht vielen Freiburgern zu weit.

Parken in Freiburg für Anwohner bald zwölfmal so teuer wie zuvor

Die Höhe der Anwohnerparkgebühren war gesetzlich seit 1993 bundesweit auf maximal 30,70 Euro pro Jahr begrenzt. Seither gab es keine Erhöhung mehr. Mit der am 4. Juli 2020 in Kraft getretenen Änderung des Straßenverkehrsgesetzes (StVG) wurde diese festgesetzte Obergrenze jedoch gestrichen. Rund ein Jahr später hat die Landesregierung Baden-Württemberg beschlossen, dass Kommunen eigenständig über Höhe und Ausgestaltung der Parkgebühren entscheiden können. In den meisten Städten in Baden-Württemberg werden die Anwohnerparkausweise teurer. Vielerorts gibt es auch noch skurrile Regeln.

Die Stadt Freiburg setzte die höheren Gebühren nun zum 1. April 2022 mit dem Ziel um, innerstädtische Wohngebiete zu entlasten, da dort bereits seit Jahren der Pkw-Verkehr stark ansteigt. Außerdem sollen Fuß- sowie Radwege ausgebaut werden. „Damit soll dem wachsenden Bedürfnis einer umweltschonenden Mobilität und einem gesunden Leben in der Stadt Rechnung getragen werden“, schreibt die Stadt auf ihrer Webseite. Der Preis ist dabei je nach Fahrzeuggröße gestaffelt. Besonders Anwohner mit größeren Autos müssen dabei tief in die Tasche greifen. In Tübingen gibt es ein ähnliches Konzept: SUV-Halter sollen deutlich höhere Parkgebühren zahlen.

So viel wird nun für Anwohnerparken in Freiburg fällig:

FahrzeuglängeGültigkeitsdauer 1 JahrGültigkeitsdauer 6 Monate
weniger als 4,21 Meter240 Euro120 Euro
von 4,21 bis 4,70 Meter360 Euro180 Euro
mehr als 4,70 Meter480 Euro240 Euro

(Quelle: www.freiburg.de)

Bei der Erhöhung der Parkgebühren wird jedoch auch Rücksicht auf bestimmte Gruppen genommen. Menschen mit Behinderung, aber auch Menschen, die Wohngeld beziehen, bekommen den Parkausweis vergünstigt.

Freiburger Anwohner sauer über drastische Erhöhungen beim Parken - „schon eine Unverschämtheit“

Wer bis 1. April den Ausweis für ein Jahr beantragt hat, zahlt noch den alten Preis, berichtet der SWR. Es wird sich also noch zeigen, wie viele Anwohner weiterhin einen Parkausweis beantragen werden. Schon jetzt sind es weniger Anmeldungen geworden. „Wir vergeben im Jahr 13.000 Ausweise, es haben sich aber nicht alle gemeldet“, berichtet Christina Schoch, Leiterin des Bürgerservice-Amts in Freiburg, dem SWR.

Die Reaktionen auf die erhöhten Gebühren fallen in Freiburg recht unterschiedlich aus. Eine Frau ist laut dem SWR der Meinung, dass man nur durch eine Erhöhung die Menschen zum Umdenken bewegen könne - oder aber dazu zu bringen, auf öffentliche Verkehrsmittel oder das Fahrrad umzusteigen. Eine andere Befragte denkt sogar darüber nach, ihr Auto künftig zu verkaufen. Manche zeigen auch Verständnis für die Erhöhung. „Die Fläche auf den Straßen ist knapp. Wenn man ein Auto irgendwo hinstellen muss oder will, kann man auch dafür bezahlen“, äußert sich eine weitere Frau.

 Wir vergeben im Jahr 13.000 Ausweise, es haben sich aber nicht alle gemeldet.

Christina Schoch, Leiterin des Amts für Bürgerservice Freiburg

Andere regen sich gegenüber dem SWR über die erhöhten Gebühren auf. „Es ist schon eine Unverschämtheit. Das ist ja wahnsinnig“, meint ein Freiburger. „Das ist schon happig“, meint ein anderer. Ein weiterer will keine Parkausweise mehr beantragen, sondern stattdessen auf andere Straßen ausweichen, in denen kein Anwohnerparken herrscht. Das Auto abzugeben, kommt auch für eine ältere Dame nicht infrage. „Meine Kinder wohnen außerhalb“, erzählt sie. Ohne Auto könne sie ihre Söhne nicht mehr besuchen, klagt sie. Verärgert war auch eine Frau in Hohenheim: Eine Studentin bekam ein saftiges Ticket, weil sie drei Minuten zu lange parkte.

Anmerkung der Redaktion

Dieser Artikel erschien ursprünglich am 1. April 2022. Da er für unsere Leser noch immer eine Relevanz hat, hat die Redaktion ihn aktualisiert.

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