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ADAC schlägt Alarm: Kaum Autos mit Keyless-System vor Diebstahl sicher

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Von: Valentin Betz

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Gefahren bei Keyless Go
Autos mit Keyless-System öffnen sich selbst ohne Knopfdruck. Der ADAC warnt aber vor gravierenden Sicherheitslücken der Technik (Symbolbild). © Sina Schuldt/dpa-tmn

Autos werden heute kaum noch direkt am Türschloss geöffnet. Die stattdessen beliebten Keyless-Systeme sind aber problematisch - laut ADAC auch heute noch.

Stuttgart - Wer sich ein neues Auto kauft, greift dafür meist tief in den Geldbeutel. Nicht nur in Baden-Württemberg ist der fahrbare Untersatz deshalb noch immer ein Statussymbol. Kunden zahlen beim Kauf eines Neuwagens oft sogar einen Aufpreis, damit das Fahrzeug mit einem sogenannten Keyless-System ausgestattet wird. Der Fahrer muss dabei den Schlüssel nur bei sich tragen, um die Tür zu öffnen.

Der Automobilclub ADAC warnt seit Jahren vor dieser Technik. Denn sie lässt sich leicht überlisten, weshalb die Autos kaum vor Diebstahl gesichert sind. Seit 2016 hat der ADAC mehr als 500 Fahrzeuge mit Keyless-System überprüft - noch immer hat sich bei der Sicherheit demnach kaum etwas getan.

Autos mit Keyless-System: ADAC weist auf Schwachstellen der Technik hin

Für die Bequemlichkeit ist das Keyless-System natürlich revolutionär. Die Technik basiert wie andere Schlüssel auf Funk, funktioniert aber ohne Knopfdruck. Stattdessen öffnet die Zentralverriegelung, wenn der Fahrer sich nähert. Besonders problematisch: Nicht einmal ein Zündschlüssel ist notwendig, Autos können nach dem Einstiegen mittels Startknopf gestartet werden.

Das macht es für Autodiebe besonders attraktiv, die Technik auszunutzen - was laut ADAC erschreckend einfach funktioniert. „Für den Diebstahl von Keyless-Fahrzeugen ist kein ‚Hacken‘ von Daten oder gar Verschlüsselungen erforderlich“, so der ADAC in einer Pressemitteilung. Stattdessen sind nur zwei Geräte dafür notwendig, die für rund 100 Euro aus Teilen im Elektronikhandel gebaut werden können. Eines der Geräte muss in die Nähe des Originalschlüssel gelangen, das zweite in die Nähe der Autotür. So wird das Signal verlängert und das Auto kann geöffnet und gestartet werden, ohne dass der Besitzer das mitbekommt.

Diebstahl dank Keyless-System: Von 500 Fahrzeugen kaum eines sicher - auch Mercedes-Benz mit Lücken

Genau 501 Modelle diverser Fahrzeughersteller hat der ADAC seit 2016 geprüft und das Keyless-System herausgefordert. Das Ergebnis: Die Experten konnten nur 24 Autos nicht knacken, das entspricht lediglich fünf Prozent. Dieben wird es durch den Motorstart ohne Schlüssel dabei besonders leicht gemacht. Denn dadurch schützt nicht einmal ein sich leerender Tank vor dem Diebstahl - Fahrzeuge können nämlich auch bei laufenden Motor betankt werden. Solange er sich also nicht so miserabel wie ein Autodieb in Ulm anstellt, der nach wenigen Kilometern liegen blieb, kann er mit dem gestohlenen Fahrzeug schnell verschwinden.

Die Unsicherheit von Keyless-Systemen ist übrigens kein „Qualitätsproblem“. Unter den getesteten Autos des ADAC finden sich praktisch alle großen Fahrzeughersteller. Die Mercedes-Benz AG ist mit 32 getesteten Modellen vertreten, das älteste mit Erstzulassung 2017. Lediglich der S 500 konnte vom ADAC nicht geöffnet oder gestartet werden - bei allen anderen Fahrzeugen von Mercedes war beides illegal möglich.

Diebstahl von Autos mit Keyless-System: Sichere Lösung noch kaum verbaut

Der ADAC fordert die Fahrzeughersteller im Rahmen des Tests auf, die Keyless-Systeme sicherer zu machen. Denn eine Lösung dafür gibt es bereits. Die Ultra-Wide-Band-Technik (UWB) sorgt dafür, dass die Funksignale des Keyless-Systems genau gemessen werden können, sodass die Entfernung zwischen Schlüssel und Auto klar ist. Auf den Trick mit der Verlängerung durch andere Geräte reagiert das Auto dann nicht mehr. Erste Modelle mit UWB gibt es bereits, auch von Mercedes-Benz.

Von Bewegungssensoren im Schlüssel rät der ADAC hingegen ab. Die schalten den Schlüssel zwar ab, sobald er eine Weile ruhig liegt. Solange sich der Fahrer aber bewegt, können Diebe das Funksignal weiterhin für einen Diebstahl missbrauchen. Auf Youtube werden unter einem Video vom ADAC noch weitere Sicherheitsmaßnahmen diskutiert - die der Automobilclub allerdings ebenfalls entkräftet. Spezielle Sicherheitsetuis für den Schlüssel böten demnach ebenso wenig Sicherheit, wie um den Schlüssel gewickelte Alufolie. Ein Nutzer sieht ebenfalls die Fahrzeughersteller in der Verantwortung, hat aber einen bösen Verdacht: „Die Autoindustrie hat kein Interesse an sicheren Autos. Wenn das Auto geklaut wurde, zahlt die Versicherung. Also wird schon wieder ein Auto verkauft.“

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