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VW verschmäht öffentlich E-Auto-Alternative und arbeitet selbst heimlich daran - „Wie blöd muss der Vorstand sein“

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Von: Julian Baumann

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Ein ID.5 steht im Werk von Volkswagen in Zwickau in einem Lichttunnel.
VW setzt öffentlich auf E-Autos, arbeitet heimlich aber auch an einer Alternative. Diese ähnelt einer Technologie, an der Mercedes-Benz mit Hochdruck arbeitet. © Hendrik Schmidt/dpa

Während Mercedes-Benz vollkommen auf E-Autos setzt, arbeitet VW offenbar an einer Alternative, die der Konzern selbst öffentlich verschmäht.

Stuttgart/Wolfsburg - Die EU-Kommission fordert seit langem eine CO2-neutrale Autoproduktion und ein Aus für den Verbrenner. In Bezug auf ein Verbrenner-Ende gibt es aber bei den drei großen deutschen Autoherstellern Uneinigkeit. Mercedes-Benz aus Stuttgart will ab 2030 nur noch E-Autos produzieren. Bei BMW aus München ist ein Verbrenner-Ende dagegen noch nicht beschlossen und beim zweitgrößten Autokonzern der Welt, VW, wird bezweifelt, dass eine Umstellung auf die E-Auto-Produktion ohne Weiteres möglich ist.

Bevor Mercedes-Benz mit dem Flaggschiff EQS den Fokus vollständig auf E-Autos setzte, galt der schwäbische Traditionskonzern als Vorreiter bei der Brennstoffzellentechnologie. Inzwischen gab Mercedes die E-Auto-Alternative allerdings auf. Auch VW-Chef Herbert Diess bekundete in der Vergangenheit mehrfach, dass er die Wasserstofftechnologie nicht für zukunftsträchtig erachte. Laut einem veröffentlichten Patent arbeitet der Konzern aus Wolfsburg zusammen mit dem sächsischen Unternehmen Kraftwerk dennoch weiterhin an der wasserstoffbetriebenen Brennstoffzelle, berichtet Business Insider.

E-Auto-Alternative: Patent belegt, dass VW nicht nur auf batteriebetriebene Modelle setzen will

Nach außen wird auch im VW-Konzern kommuniziert, dass man seine Zukunft im Bereich der E-Autos sieht. Die Konzern-Tochter Audi will ebenfalls rein batteriebetriebene Fahrzeuge bauen und Porsche arbeitet neben der E-Mobilität an einem synthetischen Kraftstoff, um den Verbrenner zu retten. Der Mutterkonzern VW selbst vertraut offenbar auch nicht vollständig auf die batteriebetriebenen Modelle, wie auch tz* berichtet. Demnach entwickelte VW zusammen mit Kraftwerk eine Brennstoffzelle, die sich aber von der unterscheidet, an der unter anderem Mercedes-Benz in der Vergangenheit arbeitete.

Laut Business Insider handelt es sich dem Patent, das Ende Januar still und heimlich angemeldet wurde, um eine Technologie, die sowohl in Pkw, als auch in Nutzfahrzeugen zum Einsatz kommen soll. VW wird darin nicht nur als Anwender der speziellen Brennstoffzellentechnologie, sondern auch als Mitentwickler angegeben. „Das läuft eigentlich immer so, dass wir die Kerntechnologie liefern und dann gemeinsam mit den Ingenieuren des Herstellers diese weiterentwickeln und das Fahrzeug konzipieren“, sagte der Gründer von Kraftwerk, Sascha Kühn, dem Portal.

VW: Brennstoffzellentechnologie ähnelt der Feststoffbatterie, an der auch Mercedes arbeitet

Die von VW und Kraftwerk entwickelte wasserstoffbasierte Brennstoffzelle soll sich deutlich von der herkömmlichen Technologie entscheiden. „Der Hauptunterschied zu den Brennstoffzellen von Hyundai und Toyota ist, dass wir auf eine Keramikmembran statt der üblichen Kunststoffmembran setzen“, erklärte Sascha Kühn. „Das ist ein Riesenunterschied. Wir sind der einzige Hersteller dieser Technologie, der die Keramikmembran so produziert, dass die Brennstoffzelle schnell gestartet werden kann.“ Die Technologie soll der neuartigen Batterie ähneln, an der beispielsweise Mercedes-Benz arbeitet. Mercedes-Benz entwickelt Batterien, die die Reichweite von E-Autos verdoppeln könnten.

„Die Feststoffbatterie wäre technologisch fast mit unserer Lösung gleichzusetzen“, sagte Sascha Kühn gegenüber Business Insider. „Die beiden haben beinahe dieselben Elektrolyte und einen ähnlichen Materialaufbau. Die Feststoffbatterien haben nur ein festes Material als Energiespeicher, während diesen Part bei unserer Brennstoffzelle Gas übernimmt.“ Bis die Technologie in einem Serienfahrzeug zum Einsatz kommt, soll es aber noch dauern.

In den sozialen Medien trifft die Abkehr vom Verbrenner im VW-Konzern mitunter auf deutliche Kritik. „Wie blöd muss der VW Vorstand sein der Politik zu vertrauen“, schreibt ein Nutzer auf Facebook. „Ich säge doch den Ast nicht ab, auf dem ich sitze.“ Ein anderer User ist der Meinung, dass sich der Konzern damit selbst zerstöre. Kritisiert wird auch, dass in der Vergangenheit gesagt wurde, man wolle ausschließlich auf E-Autos setzen. „Letztens hatten sie doch erst noch die große Klappe, dass nur noch E-Autos gebaut werden sollen“, kommentiert ein Nutzer. Andere sind aber auch der Meinung, ein zweigleisiger Weg sei richtig. *tz ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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