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Bosch-Manager: „Der Verbrenner wird weltweit noch lange gebraucht“

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Von: Julian Baumann

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Bosch-Mobility-Geschäftsführer Markus Heyn auf der Automesse IAA Mobility 2021.
Bosch geht laut Mobility-Chef Markus Heyn perspektivisch davon aus, dass der Pkw-Diesel bald keine Rolle mehr spielt. © Martin Stollberg/Bosch

Der Chef der Autosparte des Technologiekonzerns Bosch will sich nicht auf ein Ende der Verbrenner-Produktion festlegen. Weltweit werde der Antrieb noch lange gebraucht.

Stuttgart - Der Technologiekonzern Bosch mit Hauptsitz in Stuttgart ist in mehreren Bereichen tätig. Die mit Abstand größte Geschäftseinheit ist allerdings der Mobilitätssektor: Bosch ist der größte Autozulieferer der Welt. Die anhaltende Corona-Pandemie, die Chipkrise und die Auswirkungen des Ukraine-Krieges sind aber auch an dem Konzern nicht spurlos vorbeigegangen. Im vergangenen Jahr konnte Bosch-Mobility nur eine Rendite von 0,7 Prozent erreichen.

Im Interview mit der Automobilwoche sprach Bosch-Mobility-Chef Markus Heyn über die aktuellen Probleme in der Autosparte des Konzerns, über mögliche Lösungsvorschläge und auch darüber, dass sich Bosch bereits auf ein Szenario vorbereitet, bei dem Diesel-Pkw keine Rolle mehr spielen. Ein vollkommenes Ende der Verbrenner-Produktion, wie es beispielsweise Autokonzern Mercedes-Benz für 2030 festgelegt hat, will Heyn noch nicht nennen.

Bosch will Datum für den Verbrenner-Ausstieg noch nicht festsetzen

Als weltweit größter Automobilzulieferer befindet sich auch Bosch in der Transformation zur E-Mobilität. Zudem investiert Bosch eine halbe Milliarde Euro in grünen Wasserstoff, um unabhängiger von der Autoindustrie zu werden. Der Bereich der E-Autos wird derzeit aber weltweit mit hoher Geschwindigkeit ausgebaut. Der Diesel kommt laut der Automobilwoche inzwischen nur noch auf einen Anteil von einem Fünftel in Europa, Bosch produziert den Großteil der Komponenten aber auch für Nutzfahrzeuge. „Dieser Markt läuft weiterhin sehr gut“, erklärte Markus Heyn.

Ein Chevrolet Camaro produziert beim Beschleunigen Rauch.
Laut dem Bosch-Mobility-Chef Markus Heyn wird der Verbrennungsmotor bei Autos noch lange gebraucht (Symbolbild). © IMAGO / Joerg Boethling

Zudem seien bereits viele Schritte eingeleitet worden, um der zum jetzigen Stand stark gesunkenen Nachfrage bei den Pkw abzubilden. Bosch gehe laut Markus Heyn perspektivisch davon aus, dass der Pkw-Diesel keine Rolle mehr spielt und bereite sich auch darauf vor, dass dieser Schritt möglicherweise schneller passiert, als angenommen. Ein Datum für den Verbrenner-Ausstieg will der Chef der Bosch-Autosparte aber noch nicht festsetzen. „Man darf die Transformation nicht nur aus der deutschen und europäischen Perspektive betrachten“, sagte Heyn der Automobilwoche. „Weltweit wird der Verbrenner noch lange gebraucht.“

Autohersteller und Zulieferer müssen in der aktuellen Situation an einem Strang ziehen

Neben Bosch gebe es nicht mehr viele Unternehmen, die auch in zehn oder fünfzehn Jahren noch imstande seien, Komponenten für Benzin- und Dieselmodelle anzubieten, sagte Heyn. Hersteller hätten ein hohes Interesse daran, dass sie weltweit sicher beliefert werden. Aktuell steckt jedoch die ganze Autoindustrie in einer Krise. Die Rohstoffkosten sind derart hoch, dass auch Bosch die Preissteigerungen an die Kunden weitergeben muss. „Auf eine derartige Inflation, die es seit zwei Jahrzehnten nicht mehr gegeben hat, sind die Mechanismen unserer Industrie nicht vorbereitet“, so Heyn. Deshalb müssten auch die Autobauer und die Zulieferer an einem Strang ziehen.

Die Zulieferer und Hersteller der Autoindustrie seien in der aktuellen Situation aufeinander angewiesen, erklärte Markus Heyn der Automobilwoche. „Wenn sich eine Seite nur auf ihre Position zurückzieht, ist keinem geholfen.“ Natürlich sei er als Geschäftsführer von Bosch-Mobility in erster Linie für sein Unternehmen verantwortlich. „Aber in der Wertschöpfungskette brauchen am Ende alle einander.“ Heyn erwartet nach eigenen Angaben eine Besserung der derzeitigen Situation im zweiten Halbjahr 2022, bei bestimmten Technologien werde die Lage aber auch 2023 angespannt bleiben.

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