1. bw24
  2. Auto

Pflicht-Blackbox in Autos soll Fahrverhalten von Fahrern überwachen

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Julian Baumann

Kommentare

Ab 2022 ist in Neuwagen eine Blackbox Pflicht, die das Verhalten der Fahrer aufzeichnet.
Ab 2022 ist in Neuwagen eine Blackbox Pflicht, die das Verhalten der Fahrer aufzeichnet. © Andreas Haas/IMAGO

Eine Pflicht-Blackbox im Auto soll das Verhalten von Fahrern überwachen und die Daten bei falschem Handeln an die Polizei senden.

Stuttgart - In modernen Autos ist immer mehr Hightech-Software verbaut. Der Stuttgarter Autobauer Mercedes-Benz stellte beispielsweise das gläserne Armaturenbrett „Hyperscreen“ vor, der inzwischen in der neuen S-Klasse und auch im elektrischen Pendant EQS Verwendung findet. Gerade bei den sich immer mehr durchsetzenden E-Autos, die beispielsweise auch Porsche mit der Taycan-Reihe baut, werden viele Komponenten elektronisch gesteuert.

Die hochmoderne Software in Automodellen von Mercedes-Benz und Co. soll zum einen das Fahren sicherer machen, zum anderen aber auch in Form von Entertainment-Systemen die Zeit im Auto komfortabler gestalten. Vielfahrer verbringen oftmals mehr Zeit in ihrem Auto als in der eigenen Wohnung. Nicht zuletzt deshalb wird eine neue EU-Verordnung wohl für Ärger sorgen. Bislang fiel Fehlverhalten im Straßenverkehr meist den anderen Fahrern oder der Polizei auf. Ab Mitte 2022 soll jedoch eine Pflicht-Software, eine sogenannte Blackbox, den Fahrer auch im Inneren seines Wagens überwachen und zudem aufgezeichnete Daten an die Polizei übermitteln, berichtet der Spiegel.

Blackbox überwacht Autofahrer: Geschwindigkeitswarner soll ständig aktiv sein

Auf geraden Strecken die Hände vom Lenkrad nehmen, kurz der Freundin oder dem Freund schreiben oder doch mal etwas schneller fahren als erlaubt - das alles war bislang für Autofahrer kein Problem, solange sie ihr Fahrzeug auch weiterhin unter Kontrolle hatten beziehungsweise bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung keine anderen Verkehrsteilnehmer gefährdeten oder in einen Blitzer gerieten. Ab Mitte 2022 soll es laut dem Spiegel mit der Privatsphäre im eigenen Auto aber vorbei sein. Die EU-Verordnung 2019/2144 sieht eine Technik vor, die Autofahrer zur Einhaltung des Geschwindigkeitslimits bringen soll. Ein Geschwindigkeitswarner soll dabei ständig aktiv sein.

Laut der EU ist eine solche Blackbox ab Mitte 2022 für alle neuen Fahrzeuge, also sowohl Autos, Lastwagen als auch Busse, Pflicht. Diese Vorschrift soll ab dem 6. Juli zunächst für Fahrzeuge gelten, die neu auf den Markt kommen. Ab 2024 müssen aber alle Neuwagen eine solche Technik einsetzen, berichtet der Spiegel. Mit der Verordnung will die EU zukünftig den Tod von bis zu 25.000 Menschen im Straßenverkehr vermeiden.

Pflicht-Blackbox als Mischung aus Tempomat, Tempobegrenzer und Navigationssystem

Eine vollkommen neue Technik ist der von der EU ISA (Intelligent Speed Assistent) genannte Fahrassistent aber nicht. Vielmehr verbindet er Systeme, die ohnehin in nahezu allen modernen Fahrzeugen zum Einsatz kommen. Konkreter handelt es sich um eine Mischung aus dem Tempomat, dem Tempobegrenzer und dem Navigationssystem, berichtet der Spiegel. Der Fahrassistent soll mithilfe von Sensoren, Kameras und einem digitalen Kartennetz die jeweils geltende Geschwindigkeitsbegrenzung erkennen und den Fahrer im Falle einer Überschreitung darauf aufmerksam machen.

Das kann entweder optisch, durch einen aufleuchtenden Warnhinweis im Sichtfeld des Fahrers, oder auch akustisch, mittels eines Warntons, geschehen. Zudem ist es auch möglich, dass der ISA zusätzlich durch eine Vibration ein haptisches Signal an den Fahrer weitergibt. Da nicht alle Automarken Anzeigen im Sichtfeld des Fahrers haben, sollen auch andere Möglichkeiten zum Einsatz kommen. Der ISA könne bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung etwa den Gegendruck auf dem Gaspedal erhöhen. Der Fahrer müsste dann deutlich stärker auf das Pedal treten.

Überwachungsassistent bei der Einführung der Pflicht kostenlos

Laut der EU-Verordnung sind sogar noch drastischere Maßnahmen gegen zu schnelles Fahren denkbar. So könne der ISA etwa die Kraftstoffzufuhr drosseln oder den Motor sogar selbstständig abschalten. Als allgemeines Tempolimit durch die Hintertür will die EU das System aber nicht verstanden haben. Ein kräftiger Druck auf das Gaspedal könne den ISA etwa überstimmen und das System ließe sich auch ausschalten, beispielsweise für die Dauer einer Fahrt. Beim nächsten Start sei es dann wieder automatisch aktiviert.

Für ebenso viel Ärger wie die Geschwindigkeitskontrolle dürfte jedoch der Umstand führen, dass in einer Blackbox viele Daten zum Verhalten und der Fahrweise des Fahrers gespeichert werden sollen, die bei Bedarf ausgelesen werden können. Ab Mitte 2022 sollten Autofahrer in Neuwagen also doch lieber ihre Hände am Lenkrad behalten. Außer sie fahren eine S-Klasse oder einen EQS von Mercedes-Benz. Der Stuttgarter Autobauer erhielt nämlich die Freigabe für das autonome Fahren der Kategorie 3. Damit können die Modelle mit eingeschaltetem Autopiloten auf der Autobahn bei einer Geschwindigkeit von bis zu 60 Kilometern pro Stunde vollständig autonom fahren - ganz ohne Hände am Steuer.

Anmerkung der Redaktion

Dieser Artikel wurde ursprünglich am 30. Dezember 2021 veröffentlicht. Da er für unsere Leser noch immer Relevanz besitzt, hat die Redaktion ihn aktualisiert.

Zum Start der geplanten ISA-Pflicht bei Neuwagen müssen Autokäufer für das System nicht draufzahlen. Der Assistent soll laut dem Spiegel sieben Jahre lang kostenlos sein, anschließend können die Autobauer selber entscheiden, ob sie zusätzliche Gebühren für bestimmte Funktionen des Systems verlangen.

Auch interessant

Kommentare