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„Schlag in den Magen“: ZF Friedrichshafen schließt Werk - Mitarbeiter kämpfen um Arbeitsplätze

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Von: Julian Baumann

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Drei Fahnen mit dem Logo der ZF Friedrichshafen AG wehen vor dem Forum und der Verwaltungszentrale des Konzerns.
Der Autozulieferer ZF Friedrichshafen schließt erstmals ein Werk. Für die rund 690 Mitarbeiter ist die Ankündigung ein großer Schock. © Felix Kästle/dpa

Ein Werk des Autozulieferers ZF Friedrichshafen schreibt seit Jahren rote Zahlen und soll deshalb geschlossen werden. Rund 690 Mitarbeiter stehen vor dem Aus.

Friedrichshafen/Eitorf - Die Transformation zur E-Mobilität sorgt nicht nur bei den großen Herstellern für deutliche Umstrukturierungen. Auch der Autozulieferer ZF Friedrichshafen rüstet um. Der Stiftungskonzern aus dem Süden Baden-Württembergs ist eines der weltweit führenden Unternehmen im Bereich der Antriebs- und Fahrwerktechnik. Aktuell werden Zahnräder beim Bau von E-Autos zwar noch benötigt, in Zukunft könnten diese aber ganz entfallen. „Das neue Zahnrad ist der Chip und die Software“, sagte ZF-Chef Wolf-Henning Schneider im Juni.

Im Zuge der Zukunfts-Strategie des Konzerns spielt der Standort in Eitorf (Nordrhein-Westfalen) offenbar keine Rolle mehr. Wie der WDR berichtet, wurde den rund 690 Mitarbeitern des Stoßdämpferwerkes der ZF Friedrichshafen mitgeteilt, dass das Werk Ende 2025 stillgelegt werden soll. Eine Schocknachricht für die Angestellten, die am 30. September mit einem Protestzug ins Zentrum der Stadt zogen. Auch der Betriebsrat in Friedrichshafen verurteilt das Vorgehen des Konzerns.

ZF Friedrichshafen schließt erstmals ein Werk - Mitarbeiter sind schockiert

Die ZF Friedrichshafen ist nach Bosch mit Sitz in Stuttgart der größte deutsche Autozulieferer. Der Wandel zur E-Mobilität zwang Bosch bereits mehrere Werke dichtzumachen, beispielsweise das in Göttingen (Niedersachsen). Die ZF hatte in ihrer über einhundertjährigen Geschichte bislang keines ihrer 260 Werke in 41 Ländern geschlossen, wie der Südkurier berichtet. Das wird sich 2025 aber offenbar ändern. Laut dem Konzern schreibe das Werk in Eitorf seit Jahren rote Zahlen und sei international nicht zukunftsfähig. Für die rund 690 Mitarbeiter des schwäbischen Unternehmens war die Ankündigung ein großer Schock. Dabei hatte die ZF erst kürzlich eine Qualifizierungsoffensive für die E-Auto-Transformation gestartet.

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„Das ist ein Schlag in den Magen“, sagte ein Angestellter der ZF Friedrichshafen dem WDR. „Seit 25 Jahren bin ich hier in dem Unternehmen und das zieht einem den Boden unter den Füßen weg.“ Eine weitere Mitarbeiterin hatte am Freitag mit den Tränen zu kämpfen. „Das ist fast schon ein Familienbetrieb. Mein Vater arbeitet auch hier“, erklärte sie. „Ich war hier schon als kleines Kind, mein erstes Wort war ZF. Das bedeutet einen riesen Einschnitt für unsere ganze Familie!“ Für die Mitarbeiter des Standorts soll jetzt ein Sozialplan erstellt werden, was angesichts der Schließung des Werks in Nordrhein-Westfalen wohl kein Trost ist.

ZF-Gesamtbetriebsratschef: „Diese Entscheidung ist ein Schlag ins Gesicht“

Auch der Betriebsrat der ZF Friedrichshafen kritisiert das Vorgehen des Konzerns. Man habe ein Konzept vorgelegt, das für den Standort Eitorf eine langfristige und tragfähige Grundlage gebracht hätte, heißt es. „Das Management war an dieser Lösung aber nicht interessiert und will jetzt den Schließungsplan durchsetzen und Produktion nach Osten verlagern“, sagte Achim Dietrich, Gesamtbetriebsratsvorsitzender der ZF Friedrichshafen, dem Südkurier zufolge. „Diese Entscheidung ist ein Schlag ins Gesicht von 690 Beschäftigten und ihren Familien, die mit der Schließung ihre Existenzgrundlage verlieren sollen.“

Obwohl die ZF Friedrichshafen aktuell noch acht Ausbildungsmöglichkeiten am Standort Eitorf bietet (Stand: 4. Oktober 2022) sind die Tage des Stoßdämpferwerkes offenbar gezählt. Bei dem Protestzug am Freitag, bei dem rund 400 bis 500 Mitarbeiter der ZF durch Eitorf zogen, gab es aber offenbar einen kleinen Grund zur Hoffnung. Vor Ort waren nach Angaben des WDR auch Betriebsratsmitglieder des ZF-Werks in Kreuztal, dessen Schließung im vergangenen Jahr abgewendet werden konnte. Allerdings könnte die Transformation beim großen Autozulieferer vom Bodensee noch weitere Standorte bedrohen. Aktuell laufen konzernweit Gespräche zur Zukunft der Werke.

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