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Tesla sucht Geheimdienst-Mitarbeiter für Giga Berlin – „nicht mehr normal, wie paranoid der ist“

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Von: Julian Baumann

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Immer wieder gelangen Interna aus der „Giga Berlin“ von Tesla an die Öffentlichkeit. Um das zu unterbinden, sucht der E-Autobauer für seinen deutschen Produktionsstandort einen besonderen Mitarbeiter.

Stuttgart/Grünheide - Wie geht es bei Tesla hinter verschlossenen Türen zu? Da das US-Unternehmen inzwischen einer der größten und wichtigsten Autohersteller der Welt ist und auch in Deutschland, in der Ende März 2022 eröffneten „Giga Berlin“ in Grünheide (Brandenburg), tausende Mitarbeiter beschäftigt, ist diese Frage für die Öffentlichkeit von großem Interesse. Für ein Unternehmen ist es dagegen nicht immer von Vorteil, wenn Informationen veröffentlicht werden, die eben nicht für die Allgemeinheit bestimmt sind. Ein Beispiel dafür sind Meldungen von Mitarbeitern, die über Zustände in der Giga Berlin klagten.

Um bei Tesla in Grünheide eben solche Informationen und interne Geheimnisse zu bewahren, sucht der US-Autobauer für den Standort einen Sicherheitsbeauftragten. Konkret soll es sich laut der Stellenausschreibung auf der Seite des Unternehmens um eine Person handeln, die eine mehrjährige Erfahrung im öffentlichen Dienst oder bei Nachrichtendiensten vorweisen kann. Während im Netz einige Nutzer eine wachsende Paranoia bei Firmenchef Elon Musk vermuten, ist ein Sicherheitsbeauftragter eigentlich gar nicht so ungewöhnlich. Bei Tesla soll eine solche Person aber wohl nicht nur Geheimnisse bewahren.

Tesla sucht Sicherheitschef für Grünheide – Medien vermuten Jagd auf Whistleblower

Die „Giga Berlin“ von Tesla ist für das Unternehmen aus Austin (Texas) von großer Wichtigkeit, weil dort alle E-Autos für den gesamten europäischen Markt gefertigt werden. Da der Ruf von Tesla aktuell ohnehin unter den Twitter-Eskapaden von Elon Musk zu leiden hat, sind Meldungen von internen Problemen alles andere als zuträglich. Im vergangenen Jahr wurde beispielsweise bekannt, dass die riesige Autofabrik noch immer über kein Brandmeldesystem verfügt. Der gesuchte Sicherheitsbeauftragte soll laut der Ausschreibung „sowohl proaktive als auch reaktive Untersuchungen durchführen und aktiv gegen externe Bedrohungen der vertraulichen Informationen von Tesla vorgehen“.

Konkret soll der gesuchte Sicherheitsmitarbeiter bei Tesla in Grünheide also das geistige Eigentum des Unternehmens schützen und dafür sorgen, dass vertrauliche Informationen nicht an die Öffentlichkeit gelangen. Vorausgesetzt wird eine „mehrjährige Erfahrung als Ermittler bei internationalen/nationalen Strafverfolgungsbehörden oder Nachrichtendiensten und/oder eine gleichwertige Zeit im Bereich Unternehmenssicherheit“. Für ein Technologieunternehmen wie Tesla ist ein solcher Schritt eigentlich nicht ungewöhnlich, Medien befürchten aber bereits, dass durch eine strengere interne Kontrolle auch Missstände in der Giga Berlin verschleiert werden sollen.

Elon Musk beim ersten Richtfest auf der Baustelle der Tesla Gigafactory Berlin-Brandenburg.
Tesla sucht für Grünheide nach einem Sicherheitschef. Vermutet wird, dass dieser auch gegen „Whistleblower“ vorgehen soll. (Symbolfoto) © Sebastian Gabsch/Imago

Weil Tesla de facto keine wirkliche Pressestelle hat und Firmenchef Elon Musk Neuigkeiten aus dem Tesla-Universum bevorzugt über Twitter kommuniziert, statt über klassische Pressemitteilungen, gelangen Informationen aus der Giga Berlin vorrangig durch sogenannte „Whistleblower“ an die Öffentlichkeit. So deckte ein Bericht beispielsweise gravierende Mängel an der deutschen Tesla-Fabrik auf. Manche befürchten durch den Einsatz eines Sicherheitschefs aber, dass solche Informationen künftig nicht mehr nach draußen gelangen. „Whistleblower sind heute mehr denn je wichtige Hinweisgeber für Journalisten“, schreibt die Märkische Odenwald Zeitung (MOZ). „Erst recht, wenn Medienauskünfte beim US-Unternehmen Tesla unter der Führung von Elon Musk nicht mehr zum guten Ton gehören.“

Tesla: Elon Musk ist dafür bekannt, keine Kritik zu dulden

Eben den umstrittenen Tesla-Boss vermuten Nutzer im Netz auch hinter der Stellenausschreibung für den deutschen Standort. „Er soll endlich seine Pillen nehmen und zur Therapie gehen“, schreibt ein User auf Facebook. „Ist ja nicht mehr normal, wie paranoid und wirr der Mensch ist.“ Tatsächlich ist Tesla und damit vorrangig Musk seit langem dafür bekannt, mit voller Härte gegen Mitarbeiter und auch ehemalige Mitarbeiter vorzugehen, die vertrauliche Informationen an die Medien weitergeben. Dass der umstrittene Visionär Kritik insgesamt nicht duldet, zeigte sich kürzlich, als er Twitter-Konten von Journalisten sperren ließ. Diese hatten zuvor über die Sperrung eines Twitter-Nutzers berichtet, der den Privatjet von Elon Musk trackte.

Dass Unternehmen bemüht sind, ihre Firmengeheimnisse unter Verschluss zu halten, ist dagegen weniger verwunderlich. „Man mag von Musks Führungsstil und seinen Aktionen nichts halten“, schreibt ein weiterer Nutzer auf Facebook. „Dennoch ist es so, dass auch deutsche DAX-Konzerne ähnliche Stellenprofile rekrutieren, vielleicht nur nicht so öffentlich.“ Tatsächlich sucht auch Mercedes-Benz aktuell einen Spezialisten für das Sicherheitsrisikomanagement bei der Konzernsicherheit. Gemäß den bisherigen Erfahrungen kann jedoch angenommen werden, dass ein Sicherheitsexperte bei Tesla nicht nur die Sicherheit des Konzerns bewahren, sondern eben auch aktiv gegen Whistleblower vorgehen soll.

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