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Elon Musk gibt zu: „Mercedes hat Tesla gerettet“

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Von: Julian Baumann

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Tesla ist inzwischen der wertvollste Autobauer der Welt. 2008 stand das Unternehmen von Elon Musk allerdings kurz vor dem Bankrott, ehe Daimler ins Spiel kam.

Stuttgart/Austin - Eine Marktkapazität von rund 670 Milliarden US-Dollar und der reichste Mensch der Welt an der Spitze: E-Autobauer Tesla hat sich innerhalb kürzester Zeit als wertvollster Autohersteller der Welt etabliert, dem im Bereich der E-Mobilität sogar die alteingesessenen Traditionskonzerne hinterherfahren. Das Unternehmen wurde im Jahr 2003 mit dem Ziel gegründet, E-Autos für den breiten Markt anzubieten. Obwohl Tesla-Boss Elon Musk bereits früh eigenes Kapital in das Unternehmen investierte, hatte der Autobauer in der Frühphase mit erheblichen Problemen zu kämpfen.

Im Jahr 2008 stand der heutige Platzhirsch im Bereich der E-Autos unmittelbar vor dem Bankrott und konnte nur durch Investitionen großer Autokonzerne gerettet werden. Neben dem weltweit größten Autohersteller, Toyota, investierte auch die ehemalige Daimler AG, heute Mercedes-Benz, in Tesla. In einem Interview mit Tesla Owners Silicon Valley und The Kilowatts, bestätigte Elon Musk die Rettung seines Unternehmens durch den schwäbischen Autobauer.

Tesla-Chef Elon Musk bei Besuch in Stuttgart: „Ich wusste, dass wir eine Partnerschaft brauchen“

Durch den aktuellen E-Auto-Boom müssen sich sogar die deutschen Traditionskonzerne Mercedes-Benz, BMW und VW mit Tesla messen lassen. Ende des Jahres 2008 stand das US-Unternehmen allerdings vor massiven finanziellen Problemen und war auf der Suche nach Investoren. In dieser Zeit mussten auch andere große US-Hersteller, wie General Motors oder Chrysler, von der US-Regierung gerettet werden. Elon Musk fand seine Rettung allerdings in Stuttgart, beim Erfinder des Automobils. „Ich habe jemanden kennengelernt, der sagte, ich solle vorbeikommen, wenn ich in Deutschland bin“, erklärte der Tesla-Boss in dem Gespräch, das in der Giga Texas aufgezeichnet wurde. „Ich sagte: okay, ich bin auf dem Weg nach Indien und werde bei der Daimler-Zentrale vorbeischauen.“

In Stuttgart habe er sich mit den Ingenieuren des damaligen Daimler-Konzerns getroffen, um zu fragen, ob sie etwas von ihm bräuchten. „Ich habe auf cool gemacht“, so der Tesla-Chef. „Obwohl ich wusste, dass wir eine Partnerschaft brauchen, da wir sonst am Ende sind.“ Die Ingenieure von Mercedes-Benz hätten ihm damals, im Oktober 2008, gesagt, man plane einen elektrischen Smart. Tesla hatte drei Monate Zeit, einen E-Antriebsstrang für die Konzerntochter zu entwickeln, bevor hochrangige Daimler-Manager im Januar 2009 in die USA kommen wollten.

Tesla überzeugte Mercedes-Delegation mit selbst umgebautem E-Smart

Da zum damaligen Zeitpunkt keine Smart-Modelle in den USA verkauft wurden, holte sich das Tesla-Team ein solches Modell aus Mexiko und baute einen Roadster-Antriebsstrang sowie angepasste Batteriemodule in den Kleinwagen ein, wie Elon Musk im Interview erklärte. Als die Daimler-Delegation im Januar 2009 zu Tesla kam, schienen die Top-Manager überhaupt keine Lust auf das Treffen zu haben, erinnert sich der Multimilliardär. „Sie haben versucht, so schnell wie möglich wieder aus dem Raum zu kommen“, so Musk. Als das Tesla-Team dann auch noch eine Powerpoint-Präsentation startete, wollten die Manager des Stuttgarter Konzerns endgültig den Raum verlassen.

Elon Musk bei einem Interview in der Gigafactory in Austin, Texas.
Elon Musk sprach in einem Interview über die Rettung Teslas im Jahr 2008 durch die ehemalige Daimler AG, heute Mercedes-Benz. © Screenshot: Youtube/Tesla Owners Silicon Valley

Elon Musk zufolge wussten die Daimler-Manager zu diesem Zeitpunkt nicht, dass Tesla bereits einen umgebauten Smart bereitstehen hatte. Der Tesla-Chef fragte sie, ob sie das Auto Probe fahren wollten. Das überzeugte letztendlich auch die Mercedes-Delegation, weswegen die damalige Daimler AG schließlich 50 Millionen US-Dollar in Tesla investierte und dadurch zehn Prozent der Anteile am E-Autobauer erwarb. „Mercedes hat Tesla mit einem Investment von 50 Millionen Dollar gerettet“, bestätigte der Tesla-Chef im Interview. Damals hätten die wenigsten großen Unternehmen Interesse daran gehabt, in ein Start-up zu investieren, das E-Autos produziert. „Statt E-Auto hätte man damals das Substantiv ‚dumm‘ verwenden können“, erinnert sich Musk an die Zeit.

Mercedes-Benz hat Anteile an Tesla 2014 verkauft - zum Unmut des Vorstands

Auch Mercedes-Benz hatte zum damaligen Zeitpunkt noch nicht die Absicht, auf E-Autos zu setzen. Die elektrischen Smart-Modelle, die Tesla für den Stuttgarter Konzern entwickelte, seien aus versicherungstechnischen Gründen produziert worden, erklärte Elon Musk. Inzwischen werden die Kleinwagen der Mercedes-Tochter ausschließlich als E-Autos angeboten und auch der Mutterkonzern Mercedes-Benz will ab 2030 ausschließlich E-Autos verkaufen. Die Anteile an dem heutigen Börsengiganten Tesla hat der Stuttgarter Konzern unter Führung des damaligen CEO Dieter Zetsche für die Rekordsumme von 780 Millionen Dollar im Jahr 2014 verkauft. Dieses Vorgehen stößt unter Mercedes-Vorständen bis heute auf Kritik.

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