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Tesla drosselt Reichweite von Model S und fordert 4.500 Dollar „Lösegeld“ - „das ist einfach falsch“

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Von: Julian Baumann

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Ein Tesla Model S steht auf dem Parkplatz der ehemaligen Firmenzentrale in Palo Alto.
Per Fernsteuerung drosselt Tesla die Reichweite eines Model S und verlangt 4.500 Dollar, um das rückgängig zu machen. © John G. Mabanglo/dpa

Tesla drosselt per Fernsteuerung die Reichweite eines Model S um rund 30 Prozent. Für die Rücksetzung auf die vorherige Leistung fordert der Autobauer 4.500 Dollar.

Stuttgart/Austin - Die elektrische Reichweite ist ein Attribut, das bei E-Autos besonders oft diskutiert wird und bei dem sich die Hersteller regelmäßig selbst überbieten wollen. Die elektrische Oberklasse-Limousine Model S von Tesla verfügt je nach Ausstattung über eine Reichweite zwischen 200 und 600 Kilometern. Ein Käufer aus den USA kann die gesamte elektrische Reichweite seines Model S allerdings nicht abrufen, da Tesla diese mittels Fernsteuerung gedrosselt hat.

Um wieder auf die ursprüngliche Leistung zu kommen, fordert das Unternehmen von Visionär Elon Musk 4.500 Dollar (was aktuell auch rund 4.500 Euro entspricht) „Lösegeld“. Dass Tesla aus der Ferne bestimmte Funktionen seiner Modelle steuern kann, klingt zunächst ungewöhnlich. In einem Tesla-Autopilot-Test flog derjenige raus, der sich nicht an die Regeln hielt. Wenn Tesla fünfmal per Fernsteuerung den „Full Self Driving“-Autopiloten deaktivieren musste, verloren die Tester ihren Zugang zu der Software. Im Falle der gedrosselten Reichweite, liegt die Ursache allerdings weiter zurück.

Tesla kontaktiert Kunden wegen eines Fehlers - und drosselt Reichweite von Model S

Wie die unabhängige Tesla-Werkstatt von Betreiber Jason Hughes auf Twitter mitteilte, fährt einer seiner Kunden als dritter Besitzer ein Tesla Model S 60 Baujahr 2013. Vor ein paar Jahren sei die Batterie der elektrischen Limousine als Garantieleistung mit einem 90er-, statt dem üblichen 60er-Batteriepaket ausgestattet worden. Der betroffene Kunde hatte das Model S aber erst mit dem 90er-Batteriepaket erstanden. Die Größe des Akkus wirkt sich dementsprechend auch auf die Reichweite aus. Ein Model S 60 hat laut Angaben des Herstellers eine elektrische Reichweite von 345 Kilometern, mit einem 90er-Akkupaket kommt es aber noch rund 130 Kilometer weiter.

Der Kunde von Jason Hughes hatte demnach ein Tesla Model S 60, das aber eine Reichweite wie ein Model S 90d hatte. Vor einigen Monaten habe er dann einen Anruf von Tesla erhalten, bei dem es hieß, man habe im Zuge eines Updates einen Fehler gefunden. Die Fehlerbehebung bestand schließlich darin, dass der Hersteller das E-Auto per Fernsteuerung wieder auf die Reichweite eines Model S 60 gedrosselt hatte, obwohl nach wie vor ein 90er-Akku verbaut war. Wie Jason Hughes auf Twitter weiter berichtet, verlangte der Kunde vom Hersteller die ursprüngliche Leistung zurück. Die Antwort von Tesla: „Wir können sie [die Reichweite, Anm.d.Red.] für 4.500 Dollar freischalten.“

Tesla-Werkstatt stellt ursprüngliche Reichweite wieder her - Bot drosselt sie in Sekundenschnelle erneut

Der frustrierte Kunde wandte sich nachfolgend an die Tesla-Werkstatt von Jason Hughes, damit dieser die ursprüngliche Reichweite des Model S wieder herstellen kann. „Ich habe versucht zu helfen, aber wenn ich die Einstellung wieder zurück auf 90 stelle, stellt sie ein Tesla-Bot innerhalb von Sekunden wieder zurück auf 60“, erklärt Hughes auf Twitter. Es gebe „Hacky Ways“ dieses Problem zu lösen, diese seien aber nicht ideal. „Tesla will ihm einfach nicht helfen.“ Der Kunde selbst geht mit der Situation offenbar recht entspannt um und scherzte sogar, er müsse wohl seinen Beitrag dazu leisten, dass Elon Musk Twitter kaufen könne. Ein Vorhaben, das der Tesla-Boss inzwischen aber wieder aufgegeben hat.

Werkstattbetreiber Jason Hughes bleibt angesichts der Geschichte seines Kunden nicht so entspannt. Er betont zwar mit Nachdruck, dass er Tesla nicht hasse und eben auch in seiner Werkstatt nur mit Modellen des E-Autobauers arbeite, dennoch scheint ihm das Vorgehen des Herstellers gegen den Strich zu gehen. „Ehrlich, das ist wirklich abgefuckt“, schreibt er auf Twitter. „Sie haben ihn quasi beklaut und verlangen nun Lösegeld, um ihm das wiederzugeben, was er zuvor hatte - das ist einfach falsch“. An Tesla und Elon Musk adressiert schreibt Hughes: „Macht es besser, macht es richtig.“

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