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„Ich sah Menschen in der Lobby weinen“: Tesla-Mitarbeiter bemerkte Warnsignale vor Kündigung

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Von: Julian Baumann

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Parkplatz und Frontansicht des Tesla-Werks in Fremont (Kalifornien).
An seinem letzten Arbeitstag in der Tesla-Fabrik in Fremont (Kalifornien) bemerkte ein ehemaliger IT-Angestellter mehrere Warnsignale einer drohenden Kündigung. © Terry Schmitt/Imago

Tesla baut weltweit Arbeitsplätze in der Verwaltung ab. Ein ehemaliger Mitarbeiter des E-Autobauers hat vor seiner Kündigung Warnsignale ausgemacht.

Stuttgart/Fremont - Anfang Juni kündigte Tesla-Chef Elon Musk an, weltweit rund 10.000 Arbeitsplätze wegen einer Überbesetzung abbauen zu wollen. Diejenigen Angestellten, die tatsächlich unmittelbar in der Autoproduktion beschäftigt sind, seien davon nicht betroffen, hieß es in einer internen Mail an die Belegschaft. Der Stellenabbau bei Tesla hat offenbar bereits begonnen.

Gegenüber Business Insider schilderte ein ehemaliger Tesla-Mitarbeiter aus der IT, dass er vor seiner Kündigung beim US-Autobauer mehrere Warnsignale wahrgenommen habe. Er war nach eigener Aussage in Fremont (Kalifornien) beschäftigt. „Irgendwie kam mir eine Szene von ‚The Wolf of Wall Street‘ in den Kopf – darin wird ein Unternehmen aufgelöst und alle Angestellten weinen“, sagte er im Gespräch mit einer BI-Reporterin in Bezug auf seinen letzten Arbeitstag. „So hat es sich für mich auch angefühlt, als ich die Tesla-Fabrik in Kalifornien zum letzten Mal verließ.“

Tesla-Mitarbeiter war bei Kündigung erst wenige Monate beim Autobauer angestellt

Der US-Hersteller Tesla gilt als Platzhirsch im Bereich der E-Autos, hat aktuell aber auch mit einigen Problemen zu kämpfen. Elon Musk bezeichnete die beiden neuesten Produktionswerke in Shanghai und in Grünheide bei Berlin kürzlich als „riesige Geldverbrennungsöfen“. Gerade die Angestellten im Bereich Verwaltung und IT bangen an allen Tesla-Standorten nach der Mail von Musk allerdings um ihre Jobs. Als der ehemalige Tesla-Mitarbeiter, der laut Business Insider anonym bleiben will, am letzten Arbeitstag in sein Büro kam, seien seine Vorgesetzte und ihr Chef bereits online gewesen. „Allein diese Tatsache machte mich stutzig, denn normalerweise fangen sie erst einige Stunden nach mir an zu arbeiten.“

Im Gespräch mit der Reporterin schildert der ehemalige IT-Angestellte allerdings noch eine ganze Reihe an weiteren Warnsignalen an diesem schicksalhaften Tag. Seine Vorgesetzte sei unmittelbar ins Büro gekommen, habe ihre Sachen abgestellt, ihren Laptop genommen und ohne etwas zu sagen wieder gegangen. Ein Kollege habe ihm anschließend erzählt, dass ein anderer Mitarbeiter am Tag zuvor entlassen worden sei. „Im Gegensatz zu mir hatte diese Person schon mehrere Jahre bei Tesla gearbeitet“, so der Ex-Tesla-Mitarbeiter. „Ich war erst seit ein paar Monaten dort.“

Tesla-Mitarbeiter wird in Besprechungsraum gerufen - „da wusste ich, dass sie mich entlassen werden“

Den noch vergleichsweise harmlosen Vorwarnungen folgten laut dem ehemaligen Tesla-Mitarbeiter mehrere sehr eindeutige. „An den Haupteingängen waren Sicherheitsleute aufgestellt und begleiteten Leute hinaus“, schilderte er im Gespräch mit Business Insider die Stimmung an diesem Tag Anfang Juni. „Ich sah Menschen in der Lobby weinen und fragte mich, was passiert war.“ Erst dann sei ihm die Mail des Tesla-Chefs wieder eingefallen. Per Mail habe ihn seine Vorgesetzte in einen Besprechungsraum gebeten, da man sich unterhalten müsse. „In diesem Moment wusste ich, dass sie mich entlassen werden.“

In einem Zoom-Meeting mit einem weiteren Vorgesetzten und einem Mitarbeiter der Personalabteilung sei ihm schließlich eröffnet worden, dass er zu den 10 Prozent gehöre, die entlassen werden. „Ich war komplett überrascht, denn ich hätte nicht gedacht, dass sie mich entlassen würden – immerhin wurde ich erst ein paar Monate vorher eingestellt“, erinnerte er sich. Als er den Raum verließ, habe bereits der Sicherheitsdienst mit seinen Sachen auf ihn gewartet, um ihn nach draußen zu begleiten. „Ich durfte mich nicht einmal von meinen Kollegen verabschieden.“

Das Bewerbungsverfahren bei Tesla kann Berichten zufolge eine langwierige Angelegenheit sein. Ein Ex-Recruiter verriet, über welche Frage Bewerber bei Tesla besonders häufig stolpern. Auch der ehemalige IT-Angestellte fragte sich nach seiner plötzlichen Entlassung, warum er vier Vorstellungsgespräche absolvieren musste, nur um nach wenigen Monaten wieder entlassen zu werden. „Ich glaube immer noch, dass das Unternehmen und Elon Musk etwas Gutes für die Welt tun“, erklärte er Business Insider. „Und trotzdem wünsche ich mir manchmal, dass ich die Stelle gar nicht erst angenommen hätte.“

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