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„Knallharte Ausbeutung“: Tesla-Mitarbeiter machen Zustände in der Giga Berlin fertig

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Von: Julian Baumann

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Die deutsche Fabrik des US-Autobauers Tesla bei Berlin ist inzwischen zwar hocheffizient, was einem Bericht zufolge aber zulasten der Arbeiter geht. Diese klagen über deutliche Missstände bei der Produktion.

Stuttgart/Grünheide - Seit Autohersteller Tesla im März die „Giga Berlin“ im brandenburgischen Grünheide eröffnet hat, gibt es am deutschen Standort des US-Konzerns immer wieder Probleme. Zu Beginn machte die nach der Gigafabrik in Shanghai zweite Fabrik des Unternehmens außerhalb der Vereinigten Staaten herbe Verluste, sogar Tesla-Chef Elon Musk bezeichnete die Giga Berlin als riesigen „Geldverbrennungsofen“. Inzwischen ist die Produktionsanlage außerhalb der deutschen Bundeshauptstadt aber hocheffizient. Tesla verkündete auf Twitter, dass in Grünheide inzwischen 3.000 E-Autos der Baureihe Model Y pro Woche vom Band laufen.

Die hohe Effizienz der Tesla-Fabrik in Brandenburg ist aber offenbar auch einem harten Arbeitsalltag für die Mitarbeiter geschuldet, wie ein Bericht des Tagesspiegels nun aufdeckt. Schon zuvor gab es immer wieder Berichte über unzufriedene Angestellte, beispielsweise weil neue Mitarbeiter besser bezahlt wurden als die bestehende Belegschaft. Jetzt ist aber von einer regelrechten „Ausbeutung“ die Rede. Kürzlich hatte ein Bericht zudem gravierende Mängel beim Bau der Fabrik in Grünheide aufgedeckt.

Tesla Berlin: Arbeitnehmervertreter berichtet von „knallharter Ausbeutung“ und „Zwangsverpflichtungen“

Aktuell macht Elon Musk als Chef von Twitter Schlagzeilen und beschädigt damit auch den Ruf seines wichtigsten und erfolgreichsten Unternehmens zunehmend. Das hat nicht nur Auswirkungen auf die Kunden, die laut einer Umfrage von den Twitter-Eskapaden negativ beeinflusst sind, sondern auch für den deutschen Standort. Im Tesla-Werk in Grünheide herrsche „totales Chaos“, heißt es aktuell, niemand wolle für Elon Musk arbeiten. Dem gegenüber steht allerdings die Angabe, die Tesla selbst auf Nachfrage des Tagesspiegels angegeben hatte. Demnach sollen in der Giga Berlin derzeit bereits 8.500 Menschen angestellt sein, was den E-Autobauer zum größten Arbeitgeber der Region Berlin-Brandenburg machen würde.

Der Hochlauf der Produktion in Grünheide ist für die Tesla-Belegschaft allerdings nicht unproblematisch. Ein Insider bestätigte, dass nicht jeder Angestellte mit dem hohen Druck bei Tesla klarkomme, sich die Fluktuation aber in Grenzen halte, weil immer wieder neue Mitarbeiter eingestellt würden. Tesla hatte in Grünheide im November den 1.000 Arbeitslosen eingestellt. Gegenüber dem Tagesspiegel berichten andere Stimmen aus der Belegschaft aber von „chaotischen Verhältnissen“ in Teilen des Werkes. Gerade in der Gießerei der großen Autofabrik, in der bereits im Drei-Schicht-Betrieb gearbeitet wird, sei die Situation problematisch. Aufgrund von krankheitsbedingten Ausfällen stünden die Arbeiter auf Abruf bereit. Ein Arbeitnehmervertreter spricht von „knallharter Ausbeutung“ und „Zwangsverpflichtungen“.

Hochlauf der deutschen Tesla-Produktion aktuell besonders wichtig - Werk in China mit Problemen

Das US-Unternehmen Tesla steht bereits seit einiger Zeit in der Kritik, da die Verhältnisse in der deutschen Fabrik offenbar nicht dem deutschen Arbeitsrecht entsprechen. So soll die Giga Berlin beispielsweise bis heute nicht über eine funktionierende Brandmeldeanlage verfügen, stattdessen patrouillieren einzelne Mitarbeiter auf dem riesigen Gelände. Die effiziente Produktion des Werkes in Grünheide ist für den US-Konzern aktuell aber besonders wichtig, da das größte Tesla-Werk in Shanghai (China) mit einigen Problemen zu kämpfen hat. Die strengen Lockdowns sind in der Volksrepublik zwar beendet, dafür steigen die Corona-Infektionszahlen wieder rasant an, was auch den Autohersteller erneut zu einer Unterbrechung der Produktion zwingen könnte.

Der Haupteingang zur Fabrik der Tesla Gigafactory Berlin Brandenburg.
Einige Tesla-Mitarbeiter der Giga Berlin berichten von „chaotischen Verhältnissen“ in Teilen des Werkes. Ein Arbeitnehmervertreter spricht von „knallharter Ausbeutung“ und „Zwangsverpflichtungen“. © Patrick Pleul/dpa

Eine problematische Arbeitssituation in der Autofabrik außerhalb Berlins ist für Tesla also nicht zuträglich, auch wenn es scheinbar genug Bewerber gibt. Weil die Belegschaft in Grünheide so rasant gewachsen ist, bereitet sich die Gewerkschaft IG Metall bereits auf neue Betriebsratswahlen im Frühjahr 2024 vor. Obwohl Elon Musk als erklärter Gegner von Arbeitnehmervertretern gilt, gibt es in der Giga Berlin bereits einen Betriebsrat, der sich jedoch zu großen Teilen aus arbeitgeberfreundlichen Mitarbeitern zusammensetzt. Sollte die IG Metall bei den neuen Wahlen eine Mehrheit erreichen, könnte die Gewerkschaft auch bessere Arbeitsverhältnisse für die Mitarbeiter aushandeln.

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